Pforzheim. Bis zur neuen Arbeitskleidung sind es nur ein paar Klicks. Wie bei einem modernen Online-Shop präsentieren sich den Mitarbeitern der Maler- und Lackiererfirma U. Leibbrand im Interface Hosen und Hemden, die wenig später vom Hersteller versendet werden.
Das gleiche Vorgehen bei Krankmeldungen: Erst mit dem Smartphone fotografieren, dann mit einem Klick im firmeneigenen Intranet direkt an die Personalabteilung verschicken. Vorbei die Zeiten, in denen man sich als kranker Arbeitnehmer nach dem beschwerlichen Besuch beim Arzt noch ins Geschäft quälen musste, um das Attest einzureichen.
Das Publikum, das aus örtlichen Handwerksvertretern besteht, zeigt sich nachhaltig beeindruckt von der Präsentation auf der Leinwand. Zu der Veranstaltung hatten die Sparkasse Pforzheim-Calw und die Kreishandwerkerschaft unter dem Titel „Digitalisierung im Handwerk – Handwerk 4.0“ eingeladen.
Thomas Mürdter, Geschäftsführer der Firma U. Leibbrand in Schorndorf, navigiert sich auf seinem iPad durch die maßgeschneiderte Software für seine Firma. Und die hat noch mehr zu bieten: unkomplizierte Urlaubsanträge, Betriebsmitteilungen, Mitarbeitervorstellungen, Stellenausschreibungen, einen Briefkasten mit direkter Leitung zum Chef.
Ebenso begeistert von der umfassenden Vernetzung im Betrieb zeigt sich Andreas Fischer. Der Geschäftsführer einer Verlags- und Beratungs-GmbH aus Forbach hatte die Zuhörer zuvor aufgefordert, die Digitalisierung ihrer Firmen rasch in Angriff zu nehmen. „Die Digitalisierung kommt so oder so“, sagt Fischer. Der Schlüssel einer effizienten Unternehmensführung sei eine umfassende Vernetzung mit Mitarbeitern und Kunden. Die Möglichkeiten dazu seien grenzenlos. Frei nach Pippi Langstrumpf, die er dazu einblendet: „Ich mach mir meine digitale Welt, wie sie mir gefällt!“ Die Grundprinzipien des Geschäfts blieben dabei erhalten. An das komplett papierlose Büro glaubt auch der Unternehmer nicht. Aber: Alles, was digitalisiert werden könne, müsse auch digitalisiert werden. Schließlich werde auch der Kunde immer digitaler. Sich dem zu verschließen, bezeichnete Fischer als „grob fahrlässig“.
Die Kosten für eine umfassende Software, wie sie im Unternehmen von Thomas Mürdter eingesetzt wird, sind nach dessen Einschätzung sehr überschaubar. Der Effekt allerdings umso größer. Abläufe seien einfacher, die Kommunikation effizienter und Fehler würden vermieden. Der Geschäftsführer sieht große Einsparungseffekte durch die Software, deren Handhabung zum Selbstläufer werde und darüber hinaus kaum Wartung benötige, ganz unabhängig von der Betriebsgröße.
Als „topaktuelles Thema“ bezeichnete auch der stellvertretende Kreishandwerksmeister Frank Herrmann die nachhaltige Digitalisierung. Diese biete für die Betriebe mehr Chancen als Risiken und helfe nicht nur bei Steigerung von Produktivität und Effizienz, sondern auch bei der Fachkräftegewinnung durch die Positionierung als modernes Unternehmen.
Sparkassendirektor Sieghardt Bucher betonte, dass die umfassende Digitalisierung auch für das Finanzinstitut ein „großes Thema“ sei und vorangetrieben werde. Auf Kundenseite habe sich das Online-Banking in den vergangenen Jahren stark entwickelt, er selbst erledige inzwischen auch fast alle seine Bankgeschäfte mit dem Smartphone.

