Verschneite Straßen und vereiste Scheiben: Wie man sich im Winter als Autofahrer verhalten sollte, haben wir zusammengefasst.
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Autofahren im Winter: Was man tun sollte – und was besser nicht

Pforzheim. So sehr man sich den Schnee über die Weihnachtstage gewünscht hat, so sehr verfluchen Autofahrer nun die glatten Straßen und gefrorenen Scheiben. Wie man sich verhält, um trotzdem sicher an sein Ziel zu kommen, und auf welche angeblichen Tipp man besser nicht hereinfallen sollte, hat PZ-news zusammengefasst.

To-Do's für das Fahren im Winter

  • Die richtige Vorbereitung: Vor dem Losfahren muss das Auto komplett von Eis und Schnee befreit werden, so der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) in einem Artikel. Das sorge nicht nur für eine gute Sicht, sondern auch dafür, dass andere Fahrer nicht durch herabfallenden Schnee gefährdet werden. Außerdem soll man laut dem ADAC gelegentlich eine kurze Bremsprobe auf freier Strecke machen, um ein Gefühl für die Straßensituation und den Bremsweg zu bekommen.
  • Die richtigen Reifen: Ja, das Reifenwechseln kann lästig sein, ist aber notwendig, um besonders im Winter fahren zu können. Besonders wichtig werden die passenden Reifen, wenn man den Bremsweg bei Schnee und Glätte betrachtet. Der ADAC rechnet vor: Bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde auf einer vereisten Fläche benötige man mit Sommerreifen 140 bis 200 Meter, mit Winterreifen nur 70 bis 100 Meter. Achtung: Der Reifen sollte in jedem Fall mindestens noch über eine Profiltiefe von 4 Millimeter verfügen, so der ADAC.  
  • Die richtige Fahrweise: Bei glatten Straßen gilt es, die Geschwindigkeit anzupassen, nur behutsam Gas zu geben, genug Abstand zu halten und keine ruckartigen Lenkbewegungen zu machen. Um auf glatten Straßen besser voranzukommen, helfe außerdem niedertouriges Fahren im hohen Gang, so der ADAC. Besonders aufpassen müsse man bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, da sich die Fahrbahnoberfläche plötzlich verändern könne. Es heißt also: wachsam bleiben.
  • Im Extremfall: Wenn die Fahrbahn während der Fahrt plötzlich mit Eis überzogen sein sollte, sollte man umgehend das Auto stehenlassen, da zwischen Straße und Reifen keinerlei Haftung mehr besteht, so der ADAC. Man sollte in dieser Situation warten, bis der Straßendienst die Strecke wieder gestreut hat. Sollte das Auto noch während der Fahrt ins Rutschen geraten, beispielsweise in einer Kurve, sollte man "fest und nachhaltig" aufs Bremspedal treten, rät der ADAC. Dabei sollte man nur behutsam die Fahrtrichtung korrigieren und nicht hektisch gegenlenken.
  • Die richtige Geschwindigkeit: Bei Nässe 80 Kilometer pro Stunde: Diese Schilder kennt jeder Autofahrer, aber was ist denn eine nasse Fahrbahn? Und gilt das Schild auch bei Schnee, oder bei Glätte?
    Es gilt, dass die Geschwindigkeit immer an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden muss. Auch wenn eine Strecke explizit mit unbegrenztem Tempolimit ausgeschrieben ist, dürften Autofahrer bei Schneefall und Glätte laut ADAC immer nur so schnell fahren, dass sie ihr Fahrzeug noch beherrschen können. Ist die Sichtweite aber geringer als 50 Meter, gibt es allerdings tatsächlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung: In diesem Fall darf nicht schneller als 50 Kilometer pro Stunde gefahren werden.

Achtung: Es kann teuer werden

Einige der eben genannten Tipps sind nicht nur Vorschläge, sondern tatsächlich Vorschriften, deren Nichtachtung auch mit einem Bußgeld belangt werden kann. Aufschluss darüber gibt der Bußgeldkatalog.

Auch gängige Verhaltensweisen können schnell teuer werden: Das Auto warmlaufen zu lassen kostet beispielsweise 80 Euro, die Frontscheibe nicht vollständig freigekratzt zu haben zehn Euro. Und aufgepasst: Nicht nur die Scheiben wollen vom Schnee befreit werden, sondern auch das Kennzeichen. Sonst zahlt man fünf Euro.

Was außerdem verboten ist: 

  • Keine Beleuchtung: Wer außerorts ohne Beleuchtung fährt, obwohl die Sicht durch Schnee­fall behin­dert ist kann mit einer Strafe von 88,50 Euro und einem Punkt rechnen. 
  • Geschwindigkeitsüberschreitung: Innerorts, bei einer Sichtweite von unter 50 Metern, muss man bereits bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 20 Kilometern pro Stunde mit 108,50 Euro Strafe rechnen und zusätzlich mit einem Punkt. Bereits ab 31 Kilometern pro Stunde mehr wird das Bußgeld mehr als verdoppelt und man muss mit einem Fahrverbot rechnen.
  • Falsche Reifen: Bei Glatteis oder Schnee ohne Winterreifen zu fahren, kann teuer werden. 88,50 Eurokostet der Verstoß, auch wenn man dadurch keinen Unfall verursacht hat.

Schlechte Tipps aus dem Internet

Ja, es ist nervig, das Kratzen am Morgen. Vielleicht ist man ohnehin schon spät dran, auf dem Weg zum Auto bereits mehrmals fast hingefallen, und dann sind auch noch alle Scheiben inklusive der Spiegel zugefroren. Wenn es doch nur eine Möglichkeit gäbe, das verhasste Eis etwas schneller loszuwerden. Tipps dafür gibt es in den sozialen Medien einige, zu empfehlen sind die meisten aber eher weniger. 

Heißes Wasser bringt das Eis zum Schmelzen – macht Sinn. Nur nicht, wenn das Eis sich auf einer Autoscheibe befindet. Und so endet beinahe jedes Video, in dem Menschen das kochende Wasser aus der Teekanne direkt auf die gefrorene Scheibe kippen, mit einem Desaster: Die Scheibe bricht! Denn durch den hohen Temperaturunterschied dehnt sich die Scheibe und zieht sich wieder zusammen. Das führt besonders bei bereits vorbelasteten Scheiben dazu, dass sie nicht nur rissig werden, sondern direkt vollständig einbrechen. Da kann man nur noch hoffen, dass man richtig versichert ist – und beim nächsten Mal dann doch wieder zum Eiskratzer greifen.