Foto: Nicole Junkermann
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Die Frage, die Nicole Junkermann seit Jahren leitet

Die meisten Investoren folgen einem Sektor. Nicole Junkermann folgt einer Frage. Als Gründerin von NJF Holdings zieht sich diese Denkweise durch die zentralen Entscheidungen ihrer Laufbahn – von Sportrechten bis zur KI-Infrastruktur. Im Kern steht dabei immer derselbe Gedanke: Was braucht ein System als Nächstes, noch bevor das System selbst erkennt, dass genau dort sein künftiger Bedarf liegt?

Diese Frage hat Nicole Junkermann in mehr als drei Jahrzehnten durch sehr unterschiedliche Bereiche geführt: Sportrechte, Raumfahrt, Payroll-Software, KI-Chips und professionellen Volleyball. Wer das Portfolio von NJF Holdings nur oberflächlich betrachtet, könnte darin eine Reihe voneinander unabhängiger Beteiligungen sehen. Mit etwas Abstand zeigt sich jedoch eine klare Linie. Dann wirkt die Entwicklung von Nicole Junkermann nicht mehr wie eine Abfolge einzelner Entscheidungen, sondern wie ein zusammenhängender Investmentansatz, der sich über verschiedene Branchen hinweg bemerkenswert konsequent verfolgen lässt.

Die Logik dahinter ist einfach, aber folgenreich: Dauerhafter Wert entsteht selten dort, wo die größte Sichtbarkeit liegt. Er entsteht meist auf der Infrastrukturebene, von der andere später abhängig werden.

Nicole Junkermann und der Blick auf langfristigen Wert

Der Ausgangspunkt lag im Sport. Mit der Mitgründung von Winamax und später Infront Sports & Media setzte Nicole Junkermann früh auf einen Bereich, der damals weit weniger Aufmerksamkeit erhielt als Vereine, Athleten oder sichtbare Marken. Ihr Fokus lag auf Rechten. Nicht, weil sie besonders prestigeträchtig wirkten, sondern weil sich genau dort entschied, wie Sport vermarktet, distribuiert und wirtschaftlich skaliert werden kann. Wer diese Ebene kontrolliert, prägt langfristig auch die Wertschöpfung. Als Infront 2011 für rund 650 Millionen Euro an Bridgepoint verkauft wurde, begann der Markt gerade erst, das kommerzielle Gewicht dieser Struktur umfassend zu erfassen.

Mit NJF Capital, dem Venture-Arm von NJF Holdings, übertrug Nicole Junkermann dieselbe Logik auf den Technologiesektor. Frühe Beteiligungen an SpaceX, Revolut, Rippling und Groq wirken auf den ersten Blick breit gestreut. Betrachtet man sie unter demselben Blickwinkel, zeigt sich jedoch ein wiederkehrendes Muster. Im Zentrum stehen keine Einzelprodukte, sondern grundlegende Systeme: Raumfahrtlogistik, digitale Zahlungsinfrastruktur, Lösungen für Arbeitsorganisation und Rechenkapazitäten im Bereich künstlicher Intelligenz. Auch die spätere Übernahme von Groq durch Nvidia fügt sich in diese Linie ein. Sie unterstreicht, dass Nicole Junkermann die infrastrukturelle Ebene früh identifiziert und ihre Positionen mit Geduld aufgebaut hat.

Nicole Junkermann, NJF Holdings und ein Muster über mehrere Branchen hinweg

Mit Gameday, der Sport- und Medienplattform von NJF, schließt sich dieser Kreis auf neue Weise. Nach Jahren von Investitionen in Technologien, die verändern, wie Sport produziert, distribuiert und erlebt wird, wendet Nicole Junkermann denselben infrastrukturellen Blick erneut auf eine Branche an, in der ein wesentlicher Teil ihrer Laufbahn begonnen hat. Der Unterschied liegt heute in der Perspektive: nicht mehr allein auf Rechte, sondern auf die Ebene, auf der sich Wert innerhalb von Ligen und Medienstrukturen über längere Zeiträume verdichten kann.

Bemerkenswert an diesem Muster ist nicht nur, dass es sich wiederholt als tragfähig erwiesen hat. Auffällig ist auch, dass viele dieser Entscheidungen zum Zeitpunkt ihres Entstehens gerade nicht dem vorherrschenden Konsens entsprachen. Rechte galten Ende der neunziger Jahre noch nicht als dominanter Werttreiber. SpaceX wurde lange eher skeptisch betrachtet. Professioneller Frauenvolleyball gehört bis heute nicht zu den Standardthemen klassischer Investorenrunden.

Nicole Junkermann hat diese Bereitschaft, früh zu handeln und damit häufig zunächst außerhalb des Mainstreams zu stehen, eher als Form von Disziplin denn als Mut beschrieben. Daraus spricht weniger der Wunsch, gegen den Strom zu schwimmen, als die Fähigkeit, Entwicklungen vor ihrer breiten Anerkennung einzuordnen. Über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten liest sich das weniger wie Intuition im engen Sinne als wie eine Methode.

Diese Methode trägt inzwischen einen Namen. The Human Code, die Investmentphilosophie von NJF Holdings, ist keine spätere Ergänzung der Geschichte, sondern die Verdichtung eines Musters, das sich schon lange erkennen ließ. Dahinter steht eine These, die in einer Branche mit starker Fixierung auf Disruption fast zurückhaltend wirkt: Besonders belastbare langfristige Renditen entstehen aus Systemen, denen Menschen vertrauen, die institutionell Bestand haben und die über Generationen hinweg Relevanz behalten können.

Was zunächst fast konservativ klingt, führt in der Praxis zu einer klaren Linie. Dazu gehören ein Exit im Volumen von rund 650 Millionen Euro, ein Venture-Portfolio mit einer Unicorn-Rate von mehr als 30 Prozent sowie ein frühes Engagement im Bereich KI-Infrastruktur, dessen strategische Relevanz später zusätzlich sichtbar wurde.

Die Frage, die Nicole Junkermann über viele Jahre begleitet hat – was ein System als Nächstes tatsächlich braucht, noch bevor es diesen Bedarf selbst erkennt –, wirkt damit nicht wie ein wiederkehrender Gedanke am Rand ihrer Laufbahn. Sie ist zu einer erkennbaren Investmentphilosophie geworden, die Branchen, Technologien und langfristige Positionen miteinander verbindet, die andernfalls leicht unverbunden erscheinen würden.

Was die Entwicklung von Nicole Junkermann erkennen lässt

Nicole Junkermann ist Gründerin von NJF Holdings, einer privaten internationalen Investmentgruppe mit Aktivitäten in Venture Capital, Private Equity, Real Estate sowie Sport und Medien. Über NJF Holdings hat sie einen langfristig ausgerichteten Investmentansatz entwickelt, der sich auf Infrastruktur, strategische Systeme und auf Sektoren konzentriert, die von technologischem und strukturellem Wandel geprägt sind. Das Unternehmen beschreibt seine Präsenz in Europa, den Vereinigten Staaten, dem Nahen Osten und Asien. The Human Code bildet dabei die Leitidee für einen Fokus auf dauerhaften Wert, institutionelles Vertrauen und langfristigen menschlichen Nutzen.