Oliver Reitz
Oliver Reitz 

„Ein gutes Miteinander“

Wirtschaftkraft pur hat die Wilferdinger Höhe zu bieten. Dazu hat natürlich Pforzheims  erster Wirtschaftsförderer Einiges zu sagen. PZ-Redakteur Walter Kindlein im Gespräch mit Oliver Reitz. 

Pforzheimer Zeitung: Die Wilferdinger Höhe bietet in der Tat ein beeindruckend breites Spektrum an Gewerben. Gibt’s in diesem Bereich überhaupt noch irgendwo die Möglichkeit, noch drauf zu satteln, wenn auch nur kleine freie Flächen?

Oliver Reitz: Die Wilferdinger Höhe ist mit einer Bruttofläche von 110 Hektar zwar das größte Pforzheimer Gewerbegebiet, aber auch hier haben wir leider aktuell keine freien Flächen mehr zu bieten. Das Gut Fläche ist bei uns in Pforzheim sehr knapp, wir müssen daher in Zukunft die Bauweisen oder Funktionen von  Gebäuden in einem neuen Licht sehen. Flächen können wir insbesondere dadurch gewinnen, dass verstärkt in die Höhe gebaut wird. Hybride Gebäude mit Handel im Erdgeschoss und Büroflächen in darauf aufsetzenden Etagen sind hier ein möglicher und sinnvoller Ansatz.

Man lernt ja bekanntlich nie aus. Welche Lehren hat man aus der Entwicklung des Gewerbegebietes Wilferdinger Höhe gezogen, auch und gerade bezüglich des Innenstadt-Einzelhandels?

Als Frequenzbringer ist der Einzelhandel von entscheidender Bedeutung für die Funktionsfähigkeit von Innenstädten und Stadtteilzentren. Bundesweit ist auf Landesebene geregelt, dass Innenstädte als vitales Herzstück einer Stadt geschützt werden, zumal ein – auch durch Handel geprägtes – Stadtzentrum seit vielen Jahrhunderten das prägende Element einer mitteleuropäischen Stadt ist. Wir sind daher um ein gutes Miteinander zwischen Innenstadt und Wilferdinger Höhe bemüht und sehen die Wilferdinger Höhe insbesondere als attraktiven Standort für großflächigen Einzelhandel, wie er beispielsweise in den Baumärkten zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig zeigt sich seit einigen Jahren das Problem, dass sich die Handelsflächen stark ausgebreitet haben, während produzierende Betriebe vor Ort nunmehr keine Erweiterungsmöglichkeiten vorfinden. Stadtplanung und Flächenentwicklung konnten vor 40 Jahren noch anders erfolgen als heute. Dass damals Flächenverfügbarkeit anders bewertet wurde, sieht man allein daran, dass auf der Wilferdinger Höhe ein erheblicher Teil der Gesamtfläche durch ebenerdige Parkplatzflächen belegt ist, die – im Gegensatz zur Innenstadt – nicht bewirtschaftet werden.

Es gibt ja immer wieder das eine oder andere Stellrädchen, an denen man Defizite nachjustieren kann, auch auf der Wilferdinger Höhe. Etwa die Parkplatzsituation oder auch der öffentliche Nahverkehr. Vielleicht haben sie ja den einen oder anderen Handlungsbedarf erkannt.

In der Tat konnten immer wieder Verbesserungen beispielsweise in der Führung der Buslinien und der Taktung der Fahrpläne erzielt werden. Ein besonderes Augenmerk galt in den letzten Jahren dem Glasfaserausbau. Wir freuen uns, dass es auch hier nun umfassende Verbesserungen gibt. Nicht zuletzt zeigen auch die Förderprogramme des WSP hier ihre Wirkung.

Das Gebiet Klapfenhardt schließt sich ja unnmittelbar an die Wilferdinger Höhe an? Wie ist da der Stand der Dinge? Wie stehen die Chancen für eine Erschließung?

Die beiden Gebiete Klapfenhardt und Ochsenwäldle befinden sich beide in Ergebnisoffener Prüfung. Zahlreiche Fachgutachten werden aktuell ausgewertet. In den nächsten zwei Monaten soll die Entscheidung getroffen werden, welches der beiden Gebiete tatsächlich für eine Entwicklung als Gewerbegebiet zur Verfügung stehen kann.

Wie sehen Sie die Auswirkungen der sich zumindest andeutenden zumindest kleinen Konjunkturdelle auf die Entwicklung der Pforzheimer Gewerbegebiete?

Trotz einer sich aktuell eintrübenden Konjunktur wird die gewerbliche Entwicklung mit Sicherheitauch in Zukunft positiv verlaufen. Wir sind erfreut, dass bestehende Unternehmen amStandort Pforzheim mit uns ihre weiteren Ausbaupläne erörtern, und freuen uns über das Ansiedlungsinteresse von Betrieben, die bislang nicht in Pforzheim vertreten sind. Aufgrund nicht verfügbarer Flächen können wir aber nur enige Anfragen positiv begleiten, zumal die Vorlaufzeit für die Erschließung eines neuen Gewerbegebietes leider mehrere Jahre beträgt.

Wie kann in einer solchen Situation die Wirtschaftsförderung aktiv werden?

Mit den Entscheidungsträgern in den Unternehmen pflegen wir einen vertrauensvollen Austausch. Es erweist sich als sehr hilfreich, wenn wir von kurzfristigen Probleme, aber auch mittelfristigen Projekten und Strategien der Unternehmen Kenntnis haben. So können wir beispielsweise bei Vorhaben, die neue Antriebstechniken in der Automobilbranche betreffen, unsere engen Kontakte zu den Kompetenzträgern bei Institutionen auf Landes- oder Bundesebene ins Spiel bringen.

Es gibt auf der Wilferdinger Höhe keine verkaufsoffenen Sonntage mehr. Sehen sie dies mit einem lachenden oder einem weinenden Auge?

Die immer wiederkehrende Diskussion um die Rechtmäßigkeit und die Sinnhaftigkeit verkaufsoffener Sonntage hat landesweit zu schwierigen Situationen vor Ort geführt. Nicht nur die  Wilferdinger Höhe war durch die recht strengen Auflagen betroffen. Da die verkaufsoffenen Sonntage jeweils viele Kunden angelockt hatten, ist dies nun zweifelsohne ein großer Verlust bzw. Nachteil für den Einzelhandel. Einige Händler haben den Wegfall der Verkaufsoffenen Sonntage zum Anlass genommen, verstärkt an anderen Tagen durch besondere Aktionen zur Kundenansprache und Kundenbindung auf sich Aufmerksam zu machen. Hier freue ich mich über die besondere Kreativität der Einzelhändler, die auch und gerade auf der WilferdingerHöhe das Einkaufen zum Erlebnis machen.

Walter Kindlein

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