Foto: profizelt24.de
Service
Lagerfläche erweitern, ohne sofort eine neue Halle zu bauen: Welche Lösungen gibt es?

Wenn Lagerflächen knapp werden, scheint die Lösung zunächst offensichtlich: mehr Fläche bauen. Für viele Betriebe ist jedoch weniger die Zahl der fehlenden Quadratmeter entscheidend als die Frage, welche Funktion diese zusätzliche Fläche erfüllen soll.

Ein saisonaler Warenüberhang stellt ein anderes Problem dar als eine dauerhaft wachsende Produktion. Maschinen benötigen andere Bedingungen als empfindliche Waren. Und Materialien, die nur vor Niederschlag geschützt werden müssen, müssen nicht zwangsläufig unter denselben Bedingungen lagern wie Produkte, die in einer geschlossenen Halle aufbewahrt werden.

Bevor ein Hallenneubau geplant wird, lohnt es sich deshalb, den Engpass genauer zu zerlegen. Häufig kommen mehrere Lösungswege infrage – von einer Neuorganisation bestehender Flächen über externe Lagerkapazitäten bis hin zu mobilen Hallen oder der Überdachung bereits vorhandener Betriebsflächen.

Fünf Wege zu zusätzlicher Lagerkapazität

Nicht jede Erweiterung muss baulich gleich aussehen. Welche Variante sinnvoll ist, hängt vor allem von Nutzungsdauer, Lagergut, Zugriffshäufigkeit und den bestehenden Strukturen auf dem Betriebsgelände ab.

Möglichkeit

Besonders interessant, wenn …

Zu bedenken

Bestehende Lagerfläche neu organisieren

Fläche vorhanden ist, aber ungünstig genutzt wird

Verkehrs- und Arbeitsflächen dürfen nicht zugestellt werden

Externe Lagerfläche nutzen

zusätzlicher Bedarf begrenzt oder räumlich trennbar ist

zusätzliche Transporte und Zugriffswege

Mobile oder modulare Halle

der Bedarf auf dem eigenen Gelände gedeckt werden soll, aber Flexibilität wichtig bleibt

Untergrund, Nutzung und baurechtliche Fragen

Vorhandene Container mit einer Überdachung verbinden

Container ohnehin auf dem Gelände stehen

Position, Abstand und Zufahrt müssen zur Nutzung passen

Feste Halle erweitern oder neu bauen

der Platzbedarf dauerhaft und funktional anspruchsvoll ist

langfristigere Planung und stärkere Bindung an den Standort

Schon diese Gegenüberstellung zeigt: Der Hallenneubau ist keineswegs überflüssig. Er ist lediglich eine von mehreren Optionen – und nicht für jeden Engpass automatisch die erste.

Manchmal fehlt keine Fläche, sondern eine bessere Aufteilung

Der erste Blick sollte deshalb in das bestehende Lager gehen.

Über Jahre verändern sich Lagerstrukturen. Neue Produkte kommen hinzu, alte Bestände bleiben länger als geplant, Bereitstellungsflächen wachsen und Maschinen werden dort abgestellt, wo kurzfristig Platz vorhanden ist. Dadurch kann eine Halle voll wirken, obwohl die eigentliche Flächennutzung noch verbessert werden könnte.

Foto: profizelt24.de

Das bedeutet allerdings nicht, Regale enger zusammenzurücken oder sämtliche freien Bereiche als Lagerplätze zu verwenden. Verkehrswege gehören funktional zur Arbeitsstätte. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beschreibt in der ASR A1.8 zu Verkehrswegen Anforderungen an betriebliche Wege für Personen und Fahrzeuge. Die Arbeitsstättenverordnung verlangt zudem, Arbeitsstätten so einzurichten und zu betreiben, dass Gefährdungen möglichst vermieden werden.

Freie Flächen sind deshalb nicht automatisch ungenutzte Flächen. Ein Bereich kann beispielsweise für Staplerverkehr, Kommissionierung, Be- und Entladung oder als Zugang zu Betriebseinrichtungen benötigt werden.

Bei zeitlich begrenztem Bedarf kann Auslagern sinnvoller sein

Nicht jeder zusätzliche Bestand muss auf dem eigenen Betriebsgelände untergebracht werden.

Entsteht der Engpass beispielsweise durch eine saisonale Spitze, ein einzelnes Projekt oder vorübergehend größere Materialbestände, kann eine externe Lagerfläche eine Alternative sein. Das gilt besonders für Güter, auf die nicht permanent zugegriffen werden muss.

Die zusätzliche Entfernung hat allerdings einen Preis, der nicht nur finanziell betrachtet werden sollte. Jeder ausgelagerte Bestand erzeugt neue Bewegungen: Waren müssen hin- und zurücktransportiert, Bestände koordiniert und bei Bedarf kurzfristig verfügbar gemacht werden.

Je häufiger auf das Lagergut zugegriffen wird, desto wichtiger wird deshalb die Entfernung zum eigentlichen Arbeitsprozess.

Genau hier sollte die Entscheidung ansetzen: Nicht „Wo bekommen wir möglichst schnell zusätzlichen Raum?“, sondern „Wie oft muss dieser Raum mit unserem täglichen Betrieb verbunden sein?“

Der Zeithorizont verändert die richtige Lösung

Eine weitere entscheidende Frage ist, wie lange der zusätzliche Platz benötigt wird.

Wird eine Fläche nur während bestimmter Monate gebraucht, können flexible Konstruktionen oder ausgelagerte Kapazitäten interessant sein. Besteht der Platzmangel dagegen dauerhaft und wächst möglicherweise weiter, verändert sich die Rechnung.

„Wer zusätzlichen Platz benötigt, sollte zuerst klären, ob er gerade einen vorübergehenden Engpass oder eine dauerhafte Veränderung des Betriebs löst. Eine Fläche, die nur einige Monate im Jahr gebraucht wird, muss nicht zwangsläufig genauso geplant werden wie ein Lagerbereich, der täglich über viele Jahre genutzt werden soll“, erklärt Alexander Engel von Profizelt24.

Damit wird auch verständlich, warum sich unterschiedliche Lösungen nicht ausschließlich über ihre Größe vergleichen lassen. Der Nutzungszeitraum beeinflusst, wie wichtig Flexibilität, Erweiterbarkeit und eine feste Integration in den Betriebsablauf sind.

Mobile Hallen schaffen Fläche auf dem eigenen Gelände

Soll zusätzlicher Raum unmittelbar am Betrieb entstehen, kann eine mobile oder modulare Halle eine weitere Möglichkeit sein.

Interessant ist dieser Ansatz beispielsweise dann, wenn Waren, Maschinen oder Fahrzeuge zwar auf dem eigenen Gelände bleiben sollen, aber zunächst keine massive Erweiterung des Gebäudebestands geplant ist.

Dabei sollte der Begriff „mobil“ allerdings nicht mit „beliebig aufstellbar“ verwechselt werden. Auch eine solche Konstruktion benötigt einen geeigneten Standort. Zufahrt, Untergrund, Entwässerung und die vorgesehene Nutzung müssen berücksichtigt werden.

Besonders wichtig ist außerdem, nicht nur die überdachte Grundfläche auszumessen. Werden Paletten mit einem Stapler bewegt oder Fahrzeuge eingestellt, gehört die Fläche vor der Halle funktional zur Planung.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung weist im Zusammenhang mit innerbetrieblichen Verkehrswegen darauf hin, dass unübersichtliche oder zugestellte Fahrbereiche die Unfallgefahr erhöhen können. Informationen zur Gestaltung und Kennzeichnung betrieblicher Verkehrswege zeigen, warum Lager- und Fahrflächen nicht unabhängig voneinander gedacht werden sollten.

Vorhandene Container können Teil der Lösung werden

Eine andere Ausgangssituation besteht auf Betriebshöfen, auf denen bereits Lager- oder Materialcontainer stehen.

Stehen zwei Container mit entsprechendem Abstand zueinander, bleibt der Raum dazwischen häufig offen. Wird eine vorhandene Containeraufstellung in die Flächenplanung einbezogen, kann dieser Zwischenbereich je nach Konstruktion zusätzlich überdacht werden.

Damit entsteht nicht einfach eine weitere Halle neben den vorhandenen Strukturen. Vielmehr werden bestehende Elemente des Betriebsgeländes Teil der neuen Fläche.

Auf der Zielseite werden solche Konstruktionen unter anderem für die Lagerung von Materialien und landwirtschaftlichen Erzeugnissen sowie als Unterstand für Maschinen, Fahrzeuge oder als geschützter Arbeitsbereich beschrieben.

Ob dieser Ansatz betrieblich sinnvoll ist, entscheidet allerdings nicht die Überdachung allein. Relevant ist vor allem die bestehende Containerposition.

Stehen die Container dort, wo ohnehin Material angeliefert oder Maschinen eingesetzt werden, kann der Zwischenraum funktional interessant sein. Liegen sie dagegen abseits der eigentlichen Betriebswege, kann aus zusätzlicher überdachter Fläche schnell ein zusätzlicher Transportweg werden.

Bei Fahrzeugen und Maschinen wird die Zufahrt Teil des Lagers

Dieser Zusammenhang wird besonders deutlich, sobald größere Fahrzeuge beteiligt sind.

Ein Stellplatz für einen Anhänger oder eine Maschine besteht praktisch nicht nur aus dessen Grundfläche. Das Fahrzeug muss den Platz erreichen, gegebenenfalls wenden und wieder verlassen können.

Foto: profizelt24.de

Bei einem Lager, das regelmäßig mit Staplern angefahren wird, entstehen ähnliche Anforderungen. Verkehrswege, Lagerbereiche und Arbeitsflächen beeinflussen sich gegenseitig. Nach der Arbeitsstättenverordnung müssen Verkehrswege und Fluchtwege entsprechend ihrer Funktion nutzbar und insbesondere Fluchtwege freigehalten werden.

Vor einer Erweiterung sollte deshalb nicht nur die zukünftige Dachfläche auf einem Lageplan eingezeichnet werden. Ebenso wichtig sind:

  • Zufahrt und Rangierbereich,
  • Be- und Entladeflächen,
  • Wege für Fußgänger,
  • Zugänge zu bestehenden Gebäuden,
  • Flucht- und Rettungswege,
  • Flächen, die für spätere Erweiterungen freibleiben sollen.

Eine neue Lagerfläche kann sonst an ihrem eigentlichen Zweck vorbeigehen: Sie schafft zwar Quadratmeter, macht den Betrieb insgesamt aber komplizierter.

Wann die feste Halle weiterhin die bessere Lösung ist

Je stärker eine zusätzliche Fläche in den dauerhaften Betriebsprozess eingebunden werden soll, desto eher sollte auch eine klassische bauliche Erweiterung geprüft werden.

Das gilt insbesondere, wenn die Nutzung langfristig feststeht oder Anforderungen entstehen, die mit einer einfachen Überdachung nicht ausreichend abgedeckt werden. Dazu können beispielsweise dauerhaft eingerichtete Arbeitsbereiche oder besondere Anforderungen an Gebäudetechnik gehören.

Ein Neubau oder Anbau kann dann gerade deshalb sinnvoll sein, weil die Nutzung nicht mehr flexibel sein muss.

Die Entscheidung lautet also nicht „feste Halle oder mobile Lösung?“, sondern eher: Welche Bindung an Fläche, Standort und Nutzung ist für den konkreten Bedarf sinnvoll?

Auch flexible Lösungen müssen baurechtlich geprüft werden

Eine Konstruktion wird nicht allein dadurch genehmigungsfrei, dass sie demontierbar oder als mobile Lösung bezeichnet wird.

Bei Container-Überdachungen kann die Genehmigungspflicht beispielsweise von Bundesland, Standort, Größe, Aufstelldauer und geplanter Nutzung abhängen. Auch genehmigungsfreie Vorhaben müssen die jeweils geltenden baurechtlichen Vorgaben erfüllen. Genau deshalb sollte die konkrete Planung frühzeitig mit der zuständigen örtlichen Behörde abgestimmt werden.

Diese Prüfung sollte nicht erst kurz vor dem Aufbau erfolgen. Standort und Nutzungsart können schließlich beeinflussen, welche Lösung überhaupt realistisch umsetzbar ist.

Die beste Erweiterung löst den Engpass – nicht nur den Platzmangel

Wer zusätzliche Lagerkapazität benötigt, sollte deshalb nicht mit einem bestimmten Hallentyp beginnen.

Am Anfang stehen drei andere Fragen: Was muss untergebracht werden? Wie häufig wird darauf zugegriffen? Und wie lange wird die zusätzliche Fläche voraussichtlich benötigt?

Erst danach lässt sich sinnvoll vergleichen, ob eine bessere Nutzung der bestehenden Halle genügt, externe Lagerkapazitäten infrage kommen, eine mobile Lösung auf dem Betriebsgelände sinnvoll ist, vorhandene Container einbezogen werden können oder eine feste Erweiterung langfristig die bessere Entscheidung darstellt.

So wird aus der Suche nach zusätzlichen Quadratmetern eine Flächenplanung, die auch zum tatsächlichen Betriebsablauf passt.