Mariya Muschard / Pexels

">

Foto: Mariya Muschard / Pexels

Service
Qualitätscheck für Arbeitskleidung: Warum Langlebigkeit Geld und Ressourcen sparen kann

Arbeitskleidung wird für den regelmäßigen Einsatz gekauft. Sie wird häufig gewaschen und muss jede Bewegung mitmachen. Wenn sie früh verschleißt, fallen neben den Ausgaben für neue Kleidung auch unnötige Umweltbelastungen an. Indem bereits bei der Auswahl darauf geachtet wird, dass Material, Verarbeitung und Pflegeeigenschaften zum tatsächlichen Einsatz passen, lassen sich die Nutzungsdauer verlängern und Kosten und Aufwand für Ersatzbeschaffungen reduzieren.

Wie lange Kleidung hält, entscheidet sich schon vor der Bestellung

In einem umfassenden Qualitätscheck für Arbeits- und Berufsbekleidung zeigt Bierbaum-Proenen (BP), wie Musterstücke in 26 Punkten vergleichbar bewertet werden können. Von Material und Verarbeitung über Passform, Normen und Wäsche bis zur Nachhaltigkeit werden dabei alle wesentlichen Bereiche berücksichtigt, die Einfluss auf Qualität und Nutzungsdauer haben.

Ein entscheidender Gedanke dabei ist, dass keiner der erhobenen Einzelwerte für Qualität steht. So kann zum Beispiel ein schweres Gewebe zwar robust, gleichzeitig aber warm und unnötig steif sein.

Eine Naht kann sehr belastbar sein. Wenn das Kleidungsstück allerdings nicht mit dem im Betrieb vorgesehenen Verfahren gewaschen werden kann, nützt diese belastbare Naht für die Abläufe im Arbeitsalltag wenig. Daher gilt es, alle Aspekte zu berücksichtigen und auf Ausschlusskriterien zu achten.

Das Materialetikett erzählt nur einen Teil der Geschichte

Ob es sich beim Material um Baumwolle, Polyester oder Mischgewebe handelt, lässt für sich genommen noch keine zuverlässige Aussage über die Qualität und Lebensdauer des Kleidungsstücks zu. BP empfiehlt in seinem Leitfaden, die Gewebekonstruktion und das Flächengewicht zu betrachten.

Am Musterstück lassen sich weitere Details sofort kontrollieren:

  • Die Nähte sollten gleichmäßig und frei von Fehlstichen oder losen Fäden sein.
  • Tascheneingriffe, Gürtelschlaufen und andere Belastungspunkte benötigen passende Verstärkungen.
  • Reißverschlüsse sollten leichtgängig, waschbeständig und möglichst reparierbar sein.
  • Säume dürfen sich nach der Pflege nicht aufrollen oder verdrehen.

Mehr ist nicht immer besser: Der Leitfaden stuft bei Nähten drei bis fünf Stiche pro Zentimeter als guten Wert ein. Sind es dagegen mehr als sieben Stiche pro Zentimeter, kann je nach Material das Risiko bestehen, dass die enge Perforation den Stoff schwächt.

Die Wäsche als wiederkehrender Belastungstest

Für welches Wasch- und Trocknungsverfahren nach ISO 15797 ein Kleidungsstück geprüft wurde, sollte bereits vor der Bestellung mit den Abläufen der vorgesehenen Wäscherei abgeglichen werden. Die Aussagen zur Wäschebeständigkeit auf dem Etikett stellen zwar keine Haltbarkeitsgarantie dar, liefern aber wichtige Anhaltspunkte dafür, ob die Kleidung den vorgesehenen Pflegeprozessen dauerhaft gewachsen ist. Je länger die Kleidung voraussichtlich trotz häufiger Wäschen halten wird, desto höher sind auch die gerechtfertigten Anschaffungspreise.

Eine längere Nutzung kann den Bedarf an Ersatzprodukten senken

Der McKinsey-Bericht „Fashion on Climate“ zeigt, dass sich der ökologische Fußabdruck von Kleidung nicht nur durch ihre Herstellung, sondern auch durch eine längere Nutzung erheblich beeinflussen lässt. Der Bericht gibt für das Jahr 2018 einen Anteil der globalen Bekleidungs- und Schuhbranche von etwa vier Prozent an den weltweiten Treibhausgasemissionen an. Dabei entfielen rund 70 Prozent auf vorgelagerte Stufen wie Materialherstellung und Verarbeitung.

Auch wenn diese Werte keine Ökobilanz einzelner Arbeitshosen und auch keine spezielle Untersuchung zur Berufsbekleidung darstellen, zeigen sie dennoch, wie relevant die Nutzungsdauer für die ökologische Gesamtbetrachtung ist.

Siegel und Produktpass beantworten unterschiedliche Fragen

Nachweise und Siegel sind stets nach dem zu beurteilen, was sie auch tatsächlich aussagen. So steht zum Beispiel OEKO-TEX STANDARD 100 für die Prüfung sämtlicher Bestandteile eines Textilprodukts auf Schadstoffe, nicht jedoch für eine nachhaltige oder sozial verantwortliche Herstellung. OEKO-TEX MADE IN GREEN dagegen verbindet eine entsprechende Produktprüfung mit Anforderungen an Produktionsstätten und ermöglicht über Produkt-ID oder QR-Code Einblicke in beteiligte Standorte.

Nachhaltige Qualität muss sich im Alltag bewähren

Oft ist es gar kein „Entweder-oder“ wenn es darum geht, ob Arbeitskleidung besonders wirtschaftlich oder lieber besonders nachhaltig sein soll. Bei einer sauberen Verarbeitung, einer guten Passform und sinnvoll abgestimmten Wasch- und Pflegemaßnahmen kann Arbeitskleidung länger genutzt werden und dadurch sowohl Kosten als auch Ressourcen sparen. Dadurch gehen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit unmittelbar miteinander einher.