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Rauchentwöhnung mit der E-Zigarette?

Jeder dritte Mann und ein Viertel der Frauen in Deutschland greifen regelmäßig zur Zigarette. Dass beim Verbrennen von Tabak gesundheitsgefährdende Stoffe freigesetzt werden, ist den meisten Rauchern bewusst. Viele würden sich das Rauchen lieber heute als morgen abgewöhnen - doch das ist leichter gesagt als getan.

Nikotinhaltige Pflaster und Kaugummis als Mittel zur Rauchentwöhnung sind beliebt, zeigen nicht bei jedem den gewünschten Erfolg. Gleichzeitig werden E-Zigaretten und Liquids von Herstellern wie beispielsweise Joyetech immer beliebter. Ob der Umstieg auf die E-Zigarette beim Rauchstopp hilfreich ist, wird seit längerer Zeit kontrovers diskutiert. Eine neue Studie britischer Wissenschaftler liefert erstmals fundierte Aussagen über die Eignung der E-Zigarette als Mittel zur Rauchentwöhnung.

Ziel der Studie

Bisher gibt es nur wenige wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit der E-Zigarette als Mittel der Rauchentwöhnung erforschen. 2013 wurden die Ergebnisse zweier kontrollierter Studien veröffentlicht. In der Zwischenzeit kamen jedoch neue E-Zigaretten-Modelle auf den Markt, die das Nikotin im Vergleich zu Vorgängermodellen effizienter abgeben. Wirken E-Zigaretten der neuen Generation effektiver als Nikotinpflaster und -kaugummis als Mittel der Rauchentwöhnung? Mit dieser Frage beschäftigten sich britische Wissenschaftler intensiv. Ihre Forschungsergebnisse wurden im Januar 2019 erstmals veröffentlicht. Unterstützt wurden die Untersuchungen vom National Institute for Health Research and Cancer Research UK.

Die Methode der Forscher

Für die Studie wurden 886 Teilnehmer von Rauchstopp-Kursen ausgewählt und in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe sollte konventionelle Mittel zur Rauchentwöhnung nutzen. Jedem war es freigestellt, ob er nikotinhaltige Ersatzmittel wie Kaugummis, Pflaster, Mundsprays oder eine Kombination verschiedener Mittel nutzt. Diese Produkte wurden den Teilnehmern für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten kostenfrei gestellt.

Die Teilnehmer der zweiten Gruppe erhielten ein E-Zigaretten-Starterpaket und ein nikotinhaltiges E-Liquid mit einem Nikotingehalt von 18 %. Weitere E-Liquids sollten sich die Teilnehmer selbst kaufen. Geschmack und Stärke durften die Probanden frei wählen.

Beiden Gruppen wurde wöchentlich Unterstützung angeboten. Diese verhaltenstherapeutische Hilfe wurde für mindestens vier Wochen gewährt.

Auswertung nach einem Jahr

Nach einem Jahr baten die Wissenschaftler die Teilnehmer zu einer Untersuchung, um den Erfolg der Rauchentwöhnung zu kontrollieren. Gleichzeitig wurden die Studienteilnehmer befragt, welche Erfahrungen sie mit den Ersatzprodukten sammelten und welche Atemwegsbeschwerden möglicherweise auftraten. Probanden, die nicht zur abschließenden Untersuchung erschienen, wurden als nicht abstinent eingestuft.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • 18 % der Studienteilnehmer mit E-Zigaretten waren abstinent
  • In der Gruppe der Nutzer konventioneller Ersatzprodukte erreichten 9,9 % der Teilnehmer eine Abstinenz
  • 80 % der einjährig abstinenten E-Zigarettennutzer dampften weiterhin
  • In der Gruppe der abstinenten Nutzer von Pflaster etc. waren 9 % der Teilnehmer weiterhin auf Ersatz angewiesen
  • Irritationen im Mund und Rachen traten bei E-Zigaretten Nutzern häufiger auf als bei konventionellen Ersatzprodukten
  • Husten und Schleimproduktion ging beim Gebrauch von E-Zigaretten stärker zurück
  • In Bezug auf Kurzatmigkeit und Atemgeräuschen gab es zwischen beiden Gruppen keine Unterschiede

Schlussfolgerung der britischen Forscher

Aus den genannten Untersuchungsergebnissen schlussfolgern die britischen Wissenschaftler, dass der Rauchstopp mit Hilfe der E-Zigarette effektiver als mit konventionellen Mitteln der Rauchentwöhnung gelingt. Um ein gutes Ergebnis zu erreichen, ist es jedoch wichtig, dass die Entwöhnungswilligen von Verhaltenstherapeuten unterstützt werden. Damit kommt diese Studie zu einem Ergebnis, das sich von bisherigen Untersuchungen unterscheidet.

Kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der britischen Forscher

Kritische Stimmen kommen beispielsweise aus der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DPG), die die positiven Schlussfolgerungen der britischen Wissenschaftler als zu optimistisch einstuft. Nach Ansicht der DPG ist es übertrieben, von einer Abstinenz zu sprechen, da die meisten der als erfolgreich eingestuften E-Zigaretten-Nutzer, weiterhin vom Nikotin abhängig ist. Der Dampf der E-Zigarette enthalte zwar weniger Schadstoffe als Tabakrauch, doch wie sich das Dampfen langfristig auf die Gesundheit auswirke, müsse noch ausführlich erforscht werden. Langzeitstudien zu diesem Thema gibt es bisher nicht. Außerdem verweisen einige Fachleute darauf, dass viele Nutzer von E-Zigaretten später wieder zur Tabakzigarette greifen oder Dampf und Rauch parallel konsumieren. Sie sehen die zunehmende Beliebtheit der E-Zigarette eher als kontraproduktiv an und befürchten, dass das Image der E-Zigaretten und die süßlichen Aromen von E-Liquids Jugendliche zum Nikotingenuss verleiten könnten. Wegen solcher Vorbehalte empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vor allem starken Rauchern, die schon mehrfach mehrere erfolglose Entzugsversuche hinter sich haben, den Umstieg auf die E-Zigarette.

Fazit: E-Zigarette erleichtert stark abhängigen Rauchern den Ausstieg

Die Publikation der britischen Forschungsergebnisse hat international für große Aufmerksamkeit gesorgt, weil Methodik und Durchführung der Studie aus wissenschaftlicher Sicht überzeugen. Einige Kritiker sind jedoch der Meinung, dass die britischen Wissenschaftler die Ergebnisse der Untersuchung zu optimistisch interpretieren.

Jedem, der schon mehrere vergebliche Versuche der Rauchentwöhnung hinter sich hat, schenken die Untersuchungsergebnisse neue Hoffnung. Im Vergleich zur Anwendung von Nikotinpflastern und nikotinhaltigen Kaugummis wirkt der Umstieg auf die E-Zigarette effektiver. Insbesondere für starker Raucher ist es auf diese Weise möglich, endlich von der Tabakzigarette loszukommen. Nicht jeder schafft es mit Hilfe der E-Zigarette, seine Abhängigkeit vom Nikotin zu überwinden. Die gesundheitlichen Belastungen werden in diesen Fällen reduziert, aber auch das Inhalieren von Dampf birgt Risiken. Wer seine Gesundheit gar nicht erst nicht gefährden will, sollte weder mit dem Rauchen noch mit dem Dampfen beginnen.

Sie wollen es endlich schaffen, sich das Rauchen abzugewöhnen? Sichere und kostenfreie Unterstützung für Rauchstopp-Willige gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.