Pforzheim. Vielfältig sind Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. Digitalisierung, Mobilitäts- und Energiewende stellt sie vor große Aufgaben. Nicht nur Märkte und Geschäftsmodelle verändern sich im rasanten Tempo. Die gesamte Arbeitswelt in Büro und Produktion ist im Umbruch und erfordert eine große Bereitschaft zur Veränderung. Dieser kulturellen Transformation widmet sich die Witzenmann-Gruppe – der größte gewerbliche Arbeitgeber in Pforzheim – mit viel Engagement und treibt die Veränderung mit Nachdruck voran.
Im Pforzheimer Norden, wo nahe der Autobahnauffahrt schon in einem modernen Werk produziert wird, soll in wenigen Jahren das neue Stammhaus stehen. Und das soll nicht nur optimale Arbeitsbedingungen für alle im Unternehmen vorhalten, sondern Heimat ganz neuer Arbeitswelten sein.

Im eigens eingerichteten HR Lab probt Witzenmann schon jetzt das neue Arbeiten. Es geht um die künftige Gestaltung der Arbeitsplätze, Einblicke in die Arbeitsweise von Kollegen aber auch um flexible Konzepte in der Zusammenarbeit.
Der großflächige Neubau, der in den nächsten Jahren entsteht, soll optimale Arbeitsbedingungen schaffen, erläutert Christine Wüst – seit September Geschäftsführerin und verantwortlich für die Bereiche Human Resources, Marketing und Nachhaltigkeit. Mit diesem breiten Aufgabengebiet widmet sie sich intensiv den Themenfeldern, die Witzenmann im Rahmen seines ganzheitlichen Strategiekonzeptes unter dem Begriff der kulturellen Transformation zusammenfasst.
Probewohnen angesagt
Im HR Lab ist quasi Probewohnen angesagt, man kann sich einen Schreibtisch tageweise reservieren oder unterschiedliche Arbeitsplätze, aber auch Arbeitsmethoden ausprobieren. „Jeder ist Teil des Ganzen“, sagt Christine Wüst, die sich seit vielen Jahren mit den Themen Kultur- und Leadership-Entwicklung sowie dem Change-Management in der digitalen Transformation beschäftigt. „Wir wollen die Mitarbeiter frühzeitig einbinden. Das Feedback aus der Belegschaft ist unglaublich wichtig.“ Dafür wurde eine Arbeitsgruppe „New Work“ ins Leben gerufen. 15 bis 20 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Abteilungen sind eingebunden.

Work-Life-Balance ist für die Managerin nicht nur ein populärer Begriff, er soll auch gelebt werden. Es geht um selbstbestimmtes sinnstiftendes Arbeiten, weniger Führung, Spaß und mehr Eigenverantwortung. „Viele junge Berufseinsteiger wollen nicht in Vollzeit tätig sein, sondern bevorzugen flexible Teilzeitmodelle.“ Der Freizeitfaktor gewinne zunehmend an Bedeutung. Gerade Frauen sollen auf diese Weise im Unternehmen gehalten und gefördert werden. „Eine junge Mutter kann ihr Baby zwar nicht in die Fertigung mitnehmen, doch es gibt Betreuungsangebote in der firmeneigenen Kindertagesstätte“, so Wüst, die selbst eine neunjährige Tochter hat und aktiv das mobile Arbeiten vorlebt. Gleichzeitig bemüht man sich bei Witzenmann um ältere Mitarbeiter, die aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung und Expertise möglichst lange im Unternehmen gehalten werden sollen.
„Sie sind wertvoller Teil unseres Familienunternehmens“, sagt sie.
Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel seien auch beim Weltmarktführer für flexible metallische Komponenten spürbar, der in 17 Ländern produziert.
Im kommenden Jahr werde man die Ausbildungsangebote im Stammhaus verdoppeln. Neben den Azubis in der Produktion bildet Witzenmann auch wieder kaufmännische Berufsbilder aus. Hinzugekommen seien neue Berufsbilder etwa in der Elektronik oder Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse. Die bestehenden Kontakte zu Schulen und Hochschulen würden weiter ausgebaut.

Mit den Aufgaben verändern sich die Formen der Zusammenarbeit. Das zeigen auch Untersuchungen: Entscheidungen werden öfter vom gesamten Team getroffen und finden mehr Unterstützung. Je diverser die Teamzusammensetzung, umso bedachter und nachhaltiger arbeiten die Teams. Die Prozesse in der modernen Arbeitswelt werden immer komplexer. Umso wichtiger sei es, die verschiedenen Meinungen zu berücksichtigen, so Wüst. All das beherzige Witzenmann und biete dafür Raum, Zeit und Möglichkeiten.

Im Leitbild aus dem Jahr 2019 wurden gemeinsam Visionen und Werte festgeschrieben, die aber auch weltweit umgesetzt und gelebt werden sollen. Immerhin führte die Transformation den weltweit agierenden Automobilzulieferer vom Verbrennungsmotor über die E-Mobilität zum Wasserstoff. Virtuelle Workshops gibt es in der gesamten Witzenmann-Gruppe. Dabei sind laut Wüst manchmal bis zu 18 Dolmetscher im Einsatz, um den Dialog etwa zwischen Korea, Indien und Spanien zu ermöglichen.

