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Auch Porsche rückt in den Fokus der Staatsanwaltschaft. Foto: Schmidt
Auch Porsche rückt in den Fokus der Staatsanwaltschaft. Foto: Schmidt
11.07.2017

Abgas-Skandal: Ermittlungen gegen Porsche

Stuttgart. Im Zuge der Abgas-Affäre rückt nun auch die Volkswagen-Tochter Porsche stärker ins Visier der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Die Behörde nahm Ermittlungen wegen einer möglichen Abgas-Manipulation an Diesel-Fahrzeugen von Porsche auf, wie ein Sprecher gestern mitteilte. Sie richteten sich gegen unbekannte Mitarbeiter des Autobauers und eines US-Tochterunternehmens. Es werde der Vorwurf des Betrugs und der strafbaren Werbung geprüft. Nähere Angaben machte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht. Sie hatte im April 2016 Vorermittlungen aufgenommen.

Porsche kündigte an, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Das Unternehmen nehme die Prüfungen der Staatsanwaltschaft ernst und werde alles dafür tun, um die Angelegenheit vollumfänglich und schnellstmöglich aufzuklären, sagte ein Sprecher. Der Mutterkonzern VW wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Cayenne auf Prüfstand

Im Abgas-Skandal spielte Porsche bisher eine Nebenrolle. Der Autobauer bezieht seine Dieselantriebe von der VW-Tochter Audi. Der Audi-Motor ist im Modell Cayenne verbaut. Nach der Entdeckung neuer auffälliger Diesel-Abgaswerte bei Audi war daher im Juni das Kraftfahrt-Bundesamt angewiesen worden, Untersuchungen auch am Porsche-Modell Cayenne durchzuführen. In Deutschland ist außerdem der kleinere Porsche-Geländewagen Macan Teil eines „freiwilligen“ Rückrufs von 630 000 Fahrzeugen verschiedener Marken, bei denen amtliche Zweifel an der Abgastechnik bestehen – aber nicht der Vorwurf einer illegalen Einrichtung erhoben wird.

Vergangene Woche war ein Audi-Manager auf Antrag der Staatsanwaltschaft München II festgenommen worden. Bis zu seiner Beurlaubung 2015 war er einer der führenden Audi-Motorenentwickler und ist offenbar stark in die Abgasaffäre verwickelt. Ihm werden Betrug und unlautere Werbung vorgeworfen. „Mein Mandant sagt aus“, sagte sein Anwalt Walter Lechner der „Süddeutschen Zeitung“. Er kooperiere mit der Staatsanwaltschaft, um seinen Beitrag zur Aufklärung des Sachverhalts zu leisten. „Fest steht jedenfalls, dass mein Mandant nicht die unternehmenspolitische Entscheidung hierfür treffen konnte und auch nicht getroffen hat.“

Dem Bericht zufolge hat die Anklagebehörde Erkenntnisse, dass er dazu beigetragen hat, die US-Umweltbehörden jahrelang mit manipulierten Schadstoffwerten über den wahren Abgasausstoß von Diesel-Fahrzeugen zu täuschen. Lechner sieht die Verantwortung dafür aber nicht bei seinem Mandanten.

In Deutschland ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Betrugsverdachts gegen fast 40 Beschuldigte, darunter der frühere VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Ihnen droht derzeit aber kein Haftbefehl. „Es hat sich für uns im Laufe der bisherigen Ermittlungen kein Haftgrund ergeben“, sagte ein Behördensprecher. Keiner der Beschuldigten habe bislang beispielsweise erkennbare Tendenzen gezeigt, sich dem Ermittlungsverfahren zu entziehen. Ermittelt wird zudem wegen Marktmanipulation.

„Winterkorn wusste davon“

Einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge hat Winterkorn mindestens zwei Monate vor Bekanntwerden des Diesel-Skandals von den Manipulationen erfahren. Ein VW-Abgasspezialist habe Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess am 27. Juli 2015 ausführlich die Betrugssoftware erklärt, mit der weltweit etwa elf Millionen Fahrzeuge manipuliert wurden.

Der frühere Vorsitzende des Abgas-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Herbert Behrens (Linke), nannte die Aussagen des von der Zeitung zitierten Kronzeugen gestern „sehr glaubwürdig“.

Nach Konzernangaben hat die VW-Spitze um Winterkorn erst wenige Tage vor Bekanntwerden des Skandals in den USA am 18. September 2015 detailliert von den Manipulationen erfahren.