Beleuchtet in einer jetzt vorgelegten Studie des Creditoren-Vereins (CV) Pforzheim unter anderem auch die Zahlungs moral der Kunden: Geschäftsführer Matthias Wolf. Foto: Ketterl
Wirtschaft
Alarmierende Insolvenzzahlen in der Schmuck- und Uhren-Branche
  • Gerd Lache

Pforzheim. Die kleinen Unternehmen der Schmuck- und Uhrenbranche kommen beim Umsatz ganz groß raus. Die Optikindustrie knackt die Zwei-Milliarden-Euro-Marke beim Exportumsatz. Und bei der Medizintechnik bleibt das „Made in Germany“ ein begehrtes Qualitätsmerkmal.

Soweit die guten Nachrichten aus der Studie des Creditoren-Vereins (CV). Die Gläubigerschutzorganisation mit Sitz in Pforzheim hat interne und externe Daten ausgewertet und sich dabei auf die Branchen Schmuck und Uhren sowie Präzisionstechnik, Optik, Medizintechnik und artverwandte Wirtschaftszweige konzentriert.

Bei der CV-Mitgliederbefragung bildet das Thema „Zahlungsmoral“ einen Schwerpunkt.

Und hier zeigt sich bei der Schmuck-Uhren-Branche, „dass tendenziell wieder längere Zahlungsziele gewährt werden“, erklärt CV-Geschäftsführer Matthias Wolf im PZ-Gespräch. Die Bandbreite geht von 30 bis 60 Tagen. Ohnehin würden 68 Prozent der Abnehmer ihre Rechnungen – trotz 30-Tage-Ziel – erst innerhalb von 60 Tagen begleichen.

An der Spitze der Gründe für verspätete Zahlungen standen dem Ergebnis der CV-Mitgliederbefragung zufolge Liquiditätsprobleme. Mit 64 Prozent sei dies eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent. An zweiter Stelle stehe die Zeitüberschreitung aus Willkür – gefolgt von verspäteter Rechnungszahlung wegen Überschuldung.

Unternehmen, die einen geringeren Jahresumsatz als 100 000 Euro haben, weisen der Studie zufolge die höchste Ausfallquote auf. Generell wird festgestellt, dass mit steigender Höhe des Umsatzes – Untersuchungsbereich bis 50 Millionen Euro – die Ausfallquote deutlich geringer wird. Wie erkennen Lieferanten einen „faulen“ Kunden mit der Gefahr des Totalausfalls bei den Zahlungen? „Es gibt charakteristische Verhaltensmuster, die sich als frühzeitige Indikatoren für spätere problematische Situationen entpuppen“, nennt Wolf einige Beispiele:

1.Eine tadelnswerte Zahlungsmoral und das überschreiten von Zahlungszielen aus nicht nachvollziehbaren Gründen;

2.Wiederholte Veränderung in der Besetzung der Geschäftsführung, der Bankverbindung und/oder der Firmierung;

3.Ein unterschiedliches Bestellverhalten;

4.Wenn das generelle Vertrauen in die Geschäftsbeziehung häufig missbraucht und man oft vertröstet wird.

Allerdings macht Wolf deutlich: Geografisch entfernte Unternehmen seien für den einzelnen Betrieb schwerer einzuschätzen als inländische Abnehmer. Der Creditoren-Verein habe deshalb für seine Mitglieder ein internationales Netzwerk geknüpft, mit dem sogar in Echtzeit die Geschäftspartner in vielen Teilen der Welt durchleuchtet werden können.

Während sich nach CV-Angaben allgemein der Trend fortsetzt, wonach die Unternehmensinsolvenzen rückläufig sind, „schneidet insbesondere die Schmuck- und Uhrenindustrie 2014 im Vergleich zum Vorjahr beunruhigend schlecht ab“. Wolf spricht von einem „unglaublichen Anstieg um 24 Prozent“.

Worin sieht er den Grund? „Das kann verschiedene Ursachen haben.“ Beispielsweise habe sich das Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr stark verschlechtert, wie die Mehrheit der Befragten angab. Hinzu komme, dass einige Lieferanten ihre Kunden nicht ausreichend oder gar nicht unter die Lupe genommen und zudem keine Sicherheiten gefordert hätten – mit der Folge, dass der Abnehmer nicht bezahlt und der Schmuck- oder Uhrenbetrieb dadurch selbst in die Insolvenzfalle tappt.

Am härtesten betroffen von der negativen Insolvenzentwicklung in der Branche war nach CV-Angaben der Einzelhandel mit 54 Prozent. Es folgen Herstellerinsolvenzen mit 34 Prozent, danach der Vertrieb und Großhandel mit zwölf Prozent.

Unterdessen sieht der CV-Geschäftsführer in kleinen Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten die „Hidden Champions“ der Schmuck- und Uhrenbranche. Ihre Umsätze würden zwar nicht in der Statistik erfasst, doch sie erreichten in etwa den gleichen Gesamtumsatz wie Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern.

Diese haben dem Statistischen Bundesamt zufolge 2014 etwa 791 Millionen Euro in Deutschland umgesetzt. Wolf: „Es kommt eben nicht nur auf die Größe an.“