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Ralf Strassemeyer, Geschäftsführer von Masterrind, schaut sich im Labor der Firma eine Spermaprobe an. Foto: Jaspersen
Ralf Strassemeyer, Geschäftsführer von Masterrind, schaut sich im Labor der Firma eine Spermaprobe an. Foto: Jaspersen
Ein Zuchtbulle im Stall der Firma Masterrind. Hier sind die Tiere für die Spermaproduktion untergebracht. Foto: Jaspersen
Ein Zuchtbulle im Stall der Firma Masterrind. Hier sind die Tiere für die Spermaproduktion untergebracht. Foto: Jaspersen
08.09.2017

Alles für die Superkuh - guter Zuchtbulle kann bis zu 100000 Nachkommen haben

Verden. Missan ist ein Top-Bulle. Er hat starke Zuchtwerte. Entsprechend hoch stehen seine Nachkommen im Kurs. An zwei Wochentagen – montags und donnerstags – wird er in einer großen Halle von Masterrind in Verden „abgesamt“, seine Spermien dienen der künstlichen Befruchtung von Kühen. „Unser Hauptgeschäft ist der Verkauf von Rindersamen“, sagt Geschäftsführer Ralf Strassemeyer. Ohne künstliche Besamung wäre die heutige Nutztierhaltung kaum vorstellbar.

12,4 Millionen Rinder gibt es in Deutschland, 4,2 Millionen davon sind Milchkühe. Milch gibt eine Kuh aber nur dann, wenn sie trächtig ist. Das heißt: Ohne Kalb keine Milch.

Der „Natursprung“ – wenn der Bulle also auf der Weide die Kuh befruchtet – ist die absolute Ausnahme. Die Regel ist die künstliche Befruchtung, und da kommen Firmen wie Masterrind ins Spiel. „Hier lagern zurzeit 4,5 Millionen Portionen“, erläutert Strassemeyer beim Gang durch das Sperma-Lager am Masterrind-Hauptsitz in Verden. Ein Bulle ist teuer, kostet im Ankauf zwischen 10 000 und 50 000 Euro, in der absoluten Spitzenklasse auch schon mal 100 000 Euro. „Unser größter Schatz: Die Gesundheit des Bullen. Der darf keine Krankheiten übertragen“, erklärt der für den Zuchtbereich verantwortliche Masterrind-Geschäftsführer Josef Pott.

Seit den 60er-Jahren setzte sich die künstliche Befruchtung mehr und mehr durch. Auch der Gesundheitsschutz für die Tiere war ein Grund. „Die Bullen waren damals oft perfekte Überträger von Krankheiten. Die sogenannten Deckseuchen waren gefürchtet“, erklärt Pott.

Nicht jede Besamung schlägt direkt an. Die Kuh muss brünstig sein, das Zeitfeinster ist oft klein. Eine Befruchtung beim ersten Versuch ist ideal, zwei oder drei Versuche sind aber nicht selten. Doch was macht eine gute Milchkuh aus – zumal in Zeiten, in denen die Milchpreise nun wieder ansteigen und auch Butter teurer wird?

Bewertet wird auf Tierschauen das „Fundament“ – also die Beine –, vor allem aber das Euter, das groß und gut durchblutet sein muss. Wichtig ist auch die Zitzenstellung, und auch Neigung und Breite des Beckens werden begutachtet. Sie können Auskunft darüber geben, wie schwer oder leicht der Kuh das Kalben fällt.

Diplom-Agraringenieurin Stefanie Pöpken sieht die Entwicklung in der Zucht kritisch. Zu leistungsorientiert findet die Fachreferentin mit Schwerpunkt Geflügel und Rinder des Vereins Provieh die Tendenz. „Die Hochleistungskühe können heute ihren Futterbedarf gar nicht mehr nur auf der Weide decken“, sagt sie. Kraftfutter, Getreide, Soja sind notwendig, um Milchleistungen von über 10 000 Liter pro Kuh und Jahr zu sichern. „Die Kühe sind damit auch zum Nahrungskonkurrenten für Menschen geworden.“

Wo soll die Zucht hingehen? „Wollen wir die 25 000-Liter-Kuh? Darf das das Ziel sein? Was macht das mit dem Tier?“ Pöpken stellt viele Fragen in den Raum. 45 Prozent der Zuchtwerte orientieren sich an der Leistung, 55 Prozent an der Fitness des Tieres. Sie hält „Zwei- Nutzungs-Rinder“ – also die Kombi-Zucht auf Milch und Fleisch – für sinnvoll. Der Vorteil: Die Rinder wären robuster, würden aber weniger Milch liefern. Früher habe es sogar „Drei-Nutzungs-Rinder“ gegeben, die Milch und Fleisch lieferten und zudem Arbeitstiere waren.

In Deutschland liegt die sogenannte Remontierungsrate bei etwa 30 Prozent – das heißt, der Bauer ersetzt jährlich 30 Prozent seiner Herde.