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Wirtschaft
Amazon-Ansiedlung: Hoffnung für Arbeitslose

Gute Nachrichten sind rar. Eurokrise, Thales-Wegzug und immer noch die rote Laterne in der baden-württembergischen Arbeitslosenstatistik – Europa im Allgemeinen und Pforzheim im Speziellen lechzen nach Positiv-Meldungen.

{element}Eine solche durfte die „Pforzheimer Zeitung“ verbreiten: Der Online-Versandhändler Amazon will sich in Pforzheim mit einem Logistikzentrum im Gewerbegebiet Buchbusch ansiedeln. Nach PZ-Informationen war Baubürgermeister Alexander Uhlig in der ersten Wochenhälfte in Nordrhein-Westfalen unterwegs, um mit der Deutschland-Zentrale von Amazon zu verhandeln.

Offiziell äußert sich niemand zu der Ansiedlung. Oberbürgermeister Gert Hager sagt nur zwei Worte: „Kein Kommentar.“ Und die Amazon-Pressestelle bittet um Verständnis, „dass wir zu Spekulationen keine Stellung nehmen“. Dementis sind das nicht.

Pforzheim wäre das dritte neue Amazon-Logistikzentrum innerhalb weniger Monate in Deutschland. Das Unternehmen setzte hierzulande 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2010 um und beschäftigt derzeit 2200 Mitarbeiter.

In Pforzheim könnten etwa 1000 Festangestellte dazu kommen, das entspricht der Größenordnung der neuen Logistikzentren in Rheinberg am Niederrhein und in Graben bei Augsburg. Dort fanden neben Waren- und Versandarbeitern auch Gruppenleiter und Manager dauerhaft neue Jobs. Dazu kommen etwa 2000 saisonale Arbeitsplätze, etwa in der Vorweihnachtszeit.

Für Pforzheim wäre eine solche Jobfülle ein Segen. Derzeit sind in der Goldstadt nämlich 4539 Arbeitslose gemeldet, das entspricht einer Quote von 7,7 Prozent – die höchste in Baden-Württemberg. Sollte Amazon sich tatsächlich in Pforzheim niederlassen, dürfte rein rechnerisch mehr als jeder Fünfte Arbeitslose auf einen neuen Job hoffen. Dazu kämen Gewerbesteuereinnahmen, die in Graben auf einen sechsstelligen Betrag beziffert werden. Die Kosten für ein Verteilzentrum auf einer Fläche von 16 Fußballfeldern dürften – je nach Grundstückspreis – zwischen 25 und 40 Millionen Euro betragen.

Und wann wird das erste Buch, der erste Computer oder das erste Spielzeug von Pforzheim aus versendet? Das könnte schnell gehen, sofern es zu einer Einigung zwischen Stadt und Amazon kommt. In Rheinberg vergingen vom ersten Spatenstich bis zur ersten Bestellung gerade mal sechs Monate.

[Video] Internet-Versandhaus Amazon will sich in Pforzheim ansiedeln