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Große Mengen Gold sind im Jahr 2011 aus dem Tresor der Firma Cobra verschwunden.  Foto: dpa 
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Die Anklagebank im Strafverfahren um die Schmuckfirma Cobra (hier zum Prozessauftakt im November) hat sich zwischenzeitlich geleert.  Foto: PZ-Archiv 

Anklage im Cobra-Prozess fällt wie ein Kartenhaus zusammen - Edelmetall bleibt verschwunden

Pforzheim/Mannheim. 120 Kilogramm Gold und über zwei Tonnen Silber sind seit Ostern 2011 spurlos verschwunden. Drei leitende Mitarbeiter der ehemaligen Pforzheimer Schmuckkettenfabrik Cobra mussten sich deshalb – acht Jahre danach – seit November 2019 vor dem Landgericht Mannheim verantworten. Seit Mittwoch ist es nur noch ein Angeklagter – und der kann wohl auf eine milde Strafe hoffen. Die meisten der im Fall Cobra erhobenen Vorwürfe sind im Prozessverlauf wie ein Kartenhaus zusammengefallen.

So wurde in der vergangenen Woche zunächst der frühere Prokurist des Unternehmens vom Vorwurf der Beihilfe zum Betrug freigesprochen (die PZ berichtete). Gestern durfte der Sohn des ehemaligen Geschäftsführers den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. Gegen eine Geldauflage von 1500 Euro – zahlbar in sechs Monatsraten – wird das Verfahren gegen ihn eingestellt. Übrig geblieben ist nur noch der Hauptangeklagte. Die Vorwürfe des Betrugs und der Untreue zum Nachteil der Schmuckfirma Thomas Sabo seien ihm nicht nachweisbar, räumte die Staatsanwältin gestern ein. Bleiben noch die Anklagepunkte der Insolvenzverschleppung und das Vortäuschen einer Straftat. Um den millionenschweren Fehlbestand an Gold und Silber im Unternehmen zu verschleiern, habe der Geschäftsführer bei der Polizei Strafanzeige wegen Diebstahls erstattet. „Das Gold ist weg“, hatte er einem langjährigen Lieferanten damals offenbart.

Sein Mandant habe sein gesamtes Vermögen verloren, sagte Rechtsanwalt Joachim Brückner. Seit fast neun Jahren werde er wegen der Betrugsvorwürfe von der Presse „wie eine Sau durchs Dorf getrieben“. Die Gesundheit des 66-jährigen Angeklagten habe dadurch gelitten. Er könne sich deshalb eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage vorstellen, erklärte Brückner. Zumal sich durch eine neue Geschäftsbeziehung mit der Firma Swarowski damals eine Fortführungsperspektive für Cobra ergeben hätte, was den Vorwurf des Bankrotts und der Insolvenzverschleppung entkräfte. Dies habe die Staatsanwaltschaft nicht ausreichend berücksichtigt.

„Den Überblick verloren“

Die Aussage des Seniorchefs einer ehemaligen Pforzheimer Scheideanstalt stand im Mittelpunkt des Prozesstages am Mittwoch. Der heute 89-Jährige schilderte die jahrzehntelange Geschäftsbeziehung, die bis zum Verschwinden des Edelmetalls vertrauensvoll und beiderseits erfolgreich verlaufen sei. „Es war der Tag des Grauens für die Firma Carl Schaefer.“

Den Hauptangeklagten bezeichnete der Zeuge als innovativ und geschäftstüchtig. Allerdings habe er wohl irgendwann den Überblick verloren. Durch das Verschwinden des Goldes und Silbers und die Pleite der Firma Cobra habe sein Unternehmen fast zehn Millionen Euro verloren. Leitende Mitarbeiter sprachen am Mittwoch in ihren Zeugenaussagen von einem Schaden von fünf bis sieben Millionen Euro. Die traditionsreiche Scheideanstalt Carl Schaefer musste 2015 schließlich Insolvenz anmelden.

Für den langjährigen geschäftsführenden Gesellschafter war ein mutmaßlicher Betrug im Hause Cobra ein entscheidender Faktor für den späteren Niedergang der Firma Schaefer. Es gab keine Einbruchsspuren, die für eine Fremdbeteiligung sprechen. Das tonnenschwere Edelmetall hätte zudem aus den gesicherten Räumen der Schmuckfabrik mit einem Lastwagen abtransportiert werden müssen.

Am kommenden Mittwoch soll der Insolvenzverwalter von Cobra, der später auch das Verfahren über das Vermögen der Firma Carl Schaefer betreute, von der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mannheim als Zeuge gehört werden. Dessen Aussage soll Klarheit über die Edelmetallbestände bei der Firma Cobra zum Zeitpunkt der Insolvenz bringen.