nach oben
Ferienjobs sind heiß begehrt. Besonders glücklich darf sich meist schätzen, wer bei großen Unternehmen unterkommt, etwa bei Daimler oder – wie Schülerin Lena Marie – bei der Deutschen Bahn. Foto: dpa
Ferienjobs sind heiß begehrt. Besonders glücklich darf sich meist schätzen, wer bei großen Unternehmen unterkommt, etwa bei Daimler oder – wie Schülerin Lena Marie – bei der Deutschen Bahn. Foto: dpa
24.07.2015

Auf der Suche nach Schülerjobs

Die einen baden und brutzeln im Freibad, die anderen widmen sich dem nächtlichen Party-Marathon: Es gibt viele Möglichkeiten, wie 18-Jährige in den letzten Sommer-Schulferien ihres Lebens faulenzen oder feiern könnten. Katja Lena Gayde hat sich dennoch für etwas anderes entschieden: „Da man als Schüler ja nicht so viel Geld zur Verfügung hat, dachte ich mir, ich schaue in Spanien nach einem Ferienjob“, sagt die Hohenwarterin, die im nächsten Jahr ihr Abitur ablegt. „Also Urlaub und Arbeit zugleich.“

Wie viele junge Menschen wie sie im Sommer freiwillig schuften, weiß niemand. Zwar arbeiten laut verschiedenen Erhebungen von Uni-Portalen zwei von drei Studierenden in ihren Semesterferien. Doch unter den Schülern, die sich in der Regel ab 15 Jahren etwas hinzuverdienen dürfen, gibt es keine Erhebungen.

Dass es für diese 2015 gar nicht so einfach war, eine Stelle zu bekommen, zeigte sich bei einer PZ-Umfrage: „Wer noch nicht volljährig ist und kein Vitamin B bei einem Betrieb hat, bekommt kaum ’ne Chance“, berichtet etwa Daniela Knauer, deren Tochter bisher erfolglos in Oberderdingen, Bretten und Umgebung nach einer Ferientätigkeit suchte. Dass dies im Raum Mühlacker ganz ähnlich ist, ergänzt Valeria Marrone. Und ein Dritter, anonymer Teilnehmer, der im Enzkreis wohnt, meint: „Die letzten zwei Jahre war die Hölle. Wenn man nicht volljährig ist, ist es fast unmöglich, was zu bekommen.“ Dass viele Stellen als Ferienhelfer an Bekannte vergeben werden, hat auch Stefan Gauss, Pressesprecher der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, beobachtet. Er sagt: „Die Ferienjobs, die es gab, werden daher in der Regel ohne unser Zutun vergeben.“

Im Umkehrschluss heißt das: Die Betriebe und Kommunen, die Schülerjobs anbieten, haben es umso einfacher. So berichtet etwa Bärbel Reichstetter vom Birkenfelder Personalamt, dass die Stellen für die Pennäler sehr begehrt seien. Mit Beginn der Ferien werden immer zwei Schüler zwei Wochen lang den Bauhof-Mitarbeitern helfen. „Rasen mähen, Gras rechen, Blumen gießen“, beschreibt Reichstetter deren Arbeit. Für den Großputz an den Schulen wurden fünf junge Helfer für diesen Zeitraum gesucht. „Letztes Jahr hatte sich zunächst niemand gemeldet. Als wir es dann veröffentlicht haben, gab es einen riesen Ansturm“, erinnert sich Reichstetter.

Während die Ferienjobber in Birkenfeld mindestens 15 und höchstens 17 Jahre alt sein dürfen, suchen die größeren Firmen in Pforzheim und dem Enzkreis nach Volljährigen. „Das muss wegen der Schichtarbeit so sein“, erklärt Ulrike Brandauer, Pressesprecherin bei Witzenmann. Dass ab 18 Jahren Mindestlohn bezahlt werden muss, sei kein Problem: „Den haben wir schon zuvor übertroffen.“ Beim Autozulieferer Mahle Behr in Mühlacker arbeiten rund 200 Studenten und Schüler – ebenfalls allesamt volljährig. „Es sind noch einige Restplätze zu besetzen“, sagt Thomas Bertram, der für das Personal zuständig ist. Brandauer berichtet von einer „stabilen Nachfrage“ der „sehr begehrten Plätze“ bei Witzenmann.

Wer exakt 8,50 Euro bekommt, kann sich nach einem Monat Schufterei bei einer 40-Stunden-Woche über rund 1450 Euro freuen.

Doch nicht allen geht es bei der Ferienarbeit ums Geld: So wird Katja Lena Gayde, die 18-jährige Gymnasiastin aus Hohenwart, in Blanes an der spanischen Costa Brava für die Organisation GO-Jugendreisen drei Wochen lang Teenager begleiten. „Ich bekomme zwar kein Gehalt“, sagt sie. „Jedoch ist die Unterkunft, Fahrt, Verpflegung und alles was dazugehört kostenlos für mich.“

Fünf Tipps für Ferienjobber

Pausen: Bei einer Arbeitszeit von mehr als viereinhalb und bis zu sechs Stunden am Tag müssen Schüler mindestens eine halbstündige Pause bekommen. Arbeiten sie mehr als sechs

Stunden steht ihnen sogar eine Stunde zu.

Alter: Ab 15 Jahren dürfen sich Jugendliche einen Ferienjob suchen. Bis zu vier Wochen in Vollzeit sind erlaubt. Ab 13 geht dies nur mit Erlaubnis der Eltern, maximal zwei Stunden pro Tag und nur in leichten Jobs –

etwa als Babysitter.

Unfallversicherung: Ferienjobber sind über ihren Arbeitgeber

versichert. Der Unfallversicherungsschutz beginnt am ersten Arbeitstag und bezieht den Weg zum

Arbeitsplatz und zurück ein.

Lohnsteuer: Oft bezahlen Ferienjobber zu viel Lohnsteuer. Denn bei deren Berechnung wird davon ausgegangen, dass sie das ganze Jahr über ein gleich hohes Einkommen haben. Das haben Schüler aber nicht, wenn sie nur in den Sommerferien arbeiten. Liegt der Jahresbruttolohn im Jahr 2015 unter 10 424 Euro, erhalten Schüler und Studenten (Steuerklasse I) in der Regel die gesamte Lohnsteuer vom Finanzamt zurück.

Kindergeld: Grenzen in Sachen Arbeitszeit gelten für alle, die nach Abschluss einer Berufsausbildung oder eines Studiums weiter kindergeldberechtigt sind – also zum Beispiel dann, wenn sie sich in einer weiteren Ausbildung befinden. Sie müssen beim Ferien- oder Nebenjob die zeitliche Beschränkung von 20 Stunden pro Woche beachten. In zwei Monaten ist auch ein höherer Wert möglich, wenn die 20 Stunden im Jahresschnitt

eingehalten werden.