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Ein Mann mit Haltung: Automanager Bernd Pischetsrieder. Foto: Puchner
Ein Mann mit Haltung: Automanager Bernd Pischetsrieder. Foto: Puchner
15.02.2018

Aufgewachsen mit Benzin im Blut: Automanager Bernd Pischetsrieder feiert 70. Geburtstag

München. In der Autoindustrie ist Bernd Pischetsrieder ein gefragter Mann. Der Ingenieur war zuerst BMW-Chef, dann VW-Chef, inzwischen sitzt er im Aufsichtsrat von Daimler. Aber nicht nur als Manager, auch mit seiner Begeisterung für Oldtimer und schnelle Wagen hat er Schlagzeilen gemacht. Am Donnerstag feiert er seinen 70. Geburtstag.

Die Leidenschaft für Autos ist Pischetsrieder vielleicht schon in die Wiege gelegt worden: Sein Großonkel Sir Alec Issigonis hatte als Autokonstrukteur bei British Motors den Mini entwickelt. Der junge Bernd heuerte nach dem Maschinenbau-Studium in seiner Heimatstadt München bei BMW an und schaffte es über Dingolfing und Südafrika bald nach ganz oben. 1993 wurde er Vorstandschef – und kaufte ein Jahr später den britischen Autobauer Rover.

„Im Nachhinein stellte sich das als falsche Entscheidung heraus. Aber er hat souverän und in Würde die Verantwortung übernommen – das ist etwas, was nicht viele machen“, sagt Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Nach Milliardenverlusten mit Rover zog BMW 1999 die Reißleine und feuerte Pischetsrieder. Nur Mini und Rolls-Royce blieben bei BMW. Zu seinen Erfolgen gehören auch das BMW-Werk Spartanburg in den Vereinigten Staaten und der Ausbau des US-Geschäfts. „Bernd Pischetsrieder hat BMW in eine andere Liga geführt“, meint Bergdolt.

Zwei Jahre später holte der damalige VW-Vorstandschef Ferdinand Piëch Pischetsrieder als Seat-Chef nach Wolfsburg und erkor ihn 2002 zu seinem Nachfolger an der Spitze des Konzerns. Es war ein schweres Erbe: Volkswagen kämpfte mit Kosten- und Qualitätsproblemen. Veruntreuungen und Sexreisen für Betriebsräte flogen auf.

Pischetsrieder brachte VW mit besserer Qualität, neuen Modellen wie dem Touran und dem Touareg sowie längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich wieder auf Kurs und bremste das teure Phaeton-Modell – ein Lieblingsprojekt des Großaktionärs und inzwischen Aufsichtsratsvorsitzenden Piëch. Das hieß Ärger von mehreren Seiten. Ende 2006 musste Pischetsrieder abtreten, immerhin mit vollen Bezügen für weitere fünf Jahre. „Das einzige Problem war, dass der Herr Piëch den Herrn Pischetsrieder nicht mag“, schätzt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

„Besonnen, ruhig, sachlich – mit seinem Management-Stil hat er die Unternehmen und die Autowelt beeinflusst“, sagt Dudenhöffer heute. Auch andere, die mit Pischetsrieder zu tun hatten, loben seine „Haltung auch in schwierigen Zeiten“, beschreiben ihn als Gentleman, der nie die Bodenhaftung verloren habe. Hier erinnert man sich an einen humorvollen Gesprächspartner, dort an den Zigarrenraucher, dort an den Weißwein von Pischetsrieders eigenem Weingut. Er lebt am Chiemsee, vis-à-vis der Herreninsel mit König Ludwigs Schloss.