Tausende Beschäftigte der baden-württembergischen Autoindustrie machen sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze - die IG Metall reagiert mit Protesten. Im Mittelpunkt der Aktionen standen unter anderem die Volkswagen-Töchter Porsche und Audi.
Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) setzt sich für den Erhalt des Standorts von Audi in Neckarsulm mit seinen 15.000 Beschäftigten ein. In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief an Volkswagen-Chef Oliver Blume heißt es: «Ein Rückzug von Audi aus Neckarsulm wäre ein fatales, politisches Signal. Es würde die Debatte über die Deindustrialisierung Deutschlands verschärfen.» Ein dichtes Netz an Zulieferunternehmen sorge dafür, dass in der Region weitaus mehr Arbeitsplätze vom Werk abhängen. Dieser industrielle Kern drohe mit der kolportierten Nachricht einer möglichen Betriebsschließung irreversibel verloren zu gehen.
Bei Audi war eine Kundgebung mit über 500 Personen geplant, wie die IG Metall mitteilte. Aufgerufen zur Teilnahme seien unter anderem Betriebsräte und Vertrauensleute. Bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen versammelten sich nach Gewerkschaftsangaben spontan rund 250 Beschäftigte zu einer Protestkundgebung. Beschäftigte von der Volkswagentochter und Mercedes-Benz beteiligten sich an einem Fahrzeugkorso mit über 200 Autos durch Stuttgart gegen Sozialabbau und gegen die Kürzungspläne bei den beiden Autobauern. IG Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch sagte anlässlich der Proteste: «Die Bundesregierung plant Kürzungen bei Rente, Kranken- und Pflegeversicherung, während Automobil-Arbeitgeber parallel mit Stellenabbau und längeren Arbeitszeiten drohen.» Das sei ein doppelter Angriff auf die Beschäftigten.
Volkswagen-Aufsichtsrat berät über neue Sparpläne des Vorstands
Der Volkswagen-Aufsichtsrat wollte heute über neue Sparpläne des Konzernvorstands beraten, IG Metall und Betriebsrat halten mit einem bundesweiten Aktionstag an allen Konzernstandorten dagegen.
Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen «Zielbild 2030» für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Laut «Manager Magazin» könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant.
Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Laut «Spiegel» könnte die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen: Ab 2031 zunächst in Zwickau und Emden, 2032 bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover und 2034 bei Audi in Neckarsulm, schreibt das Blatt.
Beim Sportwagenbauer Porsche gehen die Verhandlungen über ein zweites Sparpaket in die entscheidende Phase. Früheren Berichten zufolge stehen mehrere Tausend Stellen bei den Schwaben zur Disposition - vor allem in Management, Verwaltung und Entwicklung.
Autokorso gegen Sozialreformen und «Angriffe der Arbeitgeber»

Der Autokorso in Stuttgart startete am Mittag unter dem Motto: «Jetzt zählt's! Vorfahrt für Solidarität». In einem Schreiben an die Beschäftigten in Deutschland hatte der Vorstand von Mercedes-Benz informiert, dass man «weiterhin mit Hochdruck die Kosten senken» müsse, um bei den Preisen für die Produkte wettbewerbsfähig zu bleiben. Etwa 90.000 der rund 108.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland erhalten demnach als Sofortmaßnahme nicht wie erwartet im Juli eine tarifliche Sonderzahlung. Diese werde auf das kommende Jahr verschoben, hieß es in dem Schreiben. Die Arbeitsstunde müsse günstiger werden. Zugleich will das Management mit dem Betriebsrat in den kommenden Wochen über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sprechen.
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