Brüssel. Nach mehr als 15 Jahren Vorlauf wird die neue Notruf-Automatik eCall am 31. März für alle neu zugelassenen Automodelle in Europa Pflicht. Das Wichtigste zu dem neuen System im Überblick:
Was kann eCall eigentlich?
Nach einem Unfall wählt das Auto automatisch den europaweit geltenden Notruf 112 und stellt eine Telefonverbindung zur nächstgelegenen Rettungsleitstelle her. Ausgelöst wird das durch sogenannte Crash-Sensoren und über die Steuerung der Airbags. Melden sich die Insassen nicht – etwa, wenn sie ohnmächtig sind – kann die Leitstelle direkt einen Rettungseinsatz auslösen. Denn eCall übermittelt über Satellit gleichzeitig Daten zum Standort des Wagens und zur Fahrtrichtung.
Bringt das denn etwas?
„Mit eCall wird sich die Reaktionszeit der Rettungsdienste in ländlichen Gegenden um 50 Prozent und in städtischen Regionen um 40 Prozent verringern“, rechnet die Europaabgeordnete Olga Sehnalova vor. „Das führt zu einer Verringerung der Todesopfer und der Rettung von bis zu 1500 Menschenleben pro Jahr.“
Doppelt so schnelle Reaktionszeit, geht das wirklich?
Mit Blick auf die Lage in Deutschland hat Marco König, Vorsitzender des Berufsverbands Rettungsdienst, deutliche Zweifel. Im Durchschnitt dauert es nach seinen Worten heute bundesweit knapp zehn Minuten, bis nach einem Notruf ein Retter am Unfallort ist. Eine Verringerung um gut 50 Prozent würde bedeuten, dass es nur noch fünf Minuten wären. Kaum realistisch, meint König.
Aber nützt das System dann wirklich etwas?
eCall gilt ja in ganz Europa, und in einigen EU-Ländern liegen die sogenannten Hilfsfristen nach Angaben des österreichischen Roten Kreuzes bei bis zu 20 Minuten. Und auch in Deutschland gilt: Jede Beschleunigung hilft. König nennt die Faustformel: Pro Minute sinkt bei einem lebensgefährlich Verletzten die Überlebenschance um zehn Prozent.
Kann jetzt die Polizei Autofahrer heimlich tracken?
Datenschützer haben immer wieder schwere Bedenken gegen eCall vorgebracht. Der ADAC hat da weniger Vorbehalte. „Das gesetzliche eCall baut erst nach einem Unfall eine Verbindung auf – damit werden Autofahrer und ihre Fahrten nicht ‚getrackt‘“, erläutert Sprecher Johannes Boos.

