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Das Versandzentrum im Brötzinger Tal ist in die Jahre gekommen.
Das Versandzentrum im Brötzinger Tal ist in die Jahre gekommen.
Zu klein für ein Logistikzentrum war das Grundstück im Buchbusch (Pforzheim-Nord). Zum Vergleich das bestehende Amazon-Areal (links). KETTERL
Zu klein für ein Logistikzentrum war das Grundstück im Buchbusch (Pforzheim-Nord). Zum Vergleich das bestehende Amazon-Areal (links). KETTERL
Der BADER-Neubau in Östringen ist fast fertig.
Der BADER-Neubau in Östringen ist fast fertig.
27.10.2017

Bader: „Wir hätten gerne in Pforzheim gebaut“

Das Versandhaus BADER baut in Östringen (Landkreis Karlsruhe). Im August vergangenen Jahres wurde das Richtfest gefeiert. Nach zügigem Baufortschritt ist der weitläufige Gebäudekomplex inzwischen fertiggestellt. Herzstück ist das nach eigenen Angaben effizienteste und modernste Logistiksystem weltweit.

Kilometerlange Fußwege durch das Lager, um die gewünschten Produkte zu picken und zur Kommissionierung zu bringen, sind damit Vergangenheit. Die Ware kommt direkt zum Mitarbeiter, der die gewünschten Artikel für die Kunden verpackt. Ende November soll das erste Paket den neuen Standort verlassen. „Das Weihnachtsgeschäft wird aber noch komplett im Brötzinger Tal abgewickelt“, erläutert Geschäftsführer Klaus Bader im Gespräch mit der PZ.

Im Jahr 2009 verschwand der Quelle-Versand vom Markt, 2011 folgte Neckermann. BADER konnte seine Marktanteile deutlich steigern. Doch die Anforderungen der Kunden – gerade was die Lieferzeiten angeht – steigen und die Lagerlogistik im Brötzinger Tal stößt technisch und räumlich an ihre Grenzen. Das Pforzheimer Traditionsunternehmen musste handeln. Das neue Logistikzentrum hat eine Betriebsfläche von 78 000 Quadratmetern oder umgerechnet zwölf Fußballfeldern.

Firmensitz bleibt Pforzheim

In Östringen wird der Versandriese, der seinen Firmensitz in Pforzheim beibehält, künftig über rund 775 000 Lagerplätze verfügen – doppelt so viele wie derzeit. „Ein gewaltiger Schritt in unserer langen Firmengeschichte, betont Bader. Mit der Warenein/-ausgabe an 42 Lkw-Laderampen wird der Versender im kommenden Jahr täglich rund 40 000 Sendungen auf den Weg zu den Kunden bringen. Der Betrieb unter Volllast soll mit der Frühjahrskollektion 2018 erreicht werden. Mitte 2018 soll der Versandbetrieb im alten Werk eingestellt werden. „Bei Finanzierungskosten nahe Null wird sich unsere Investition in rund zwölf Jahren amortisieren“, ist Bader überzeugt. Schließlich werde durch die modernste Sortiertechnik eine deutliche Ersparnis erzielt, die „das gute Preisleistungsverhältnis von BADER nochmals erhöht“. Man spare nicht bei den Löhnen, sondern investiere in die Organisation, um auch künftig sichere Arbeitsplätze bieten zu können. „Das hätten wir gerne in Pforzheim getan“, sagt Bader.

Zunächst wollte BADER nämlich im Brötzinger Tal erweitern. Leider hatte die Deutsche Bahn das benachbarte Gelände an einen Investor aus Leipzig verkauft, obwohl BADER zuletzt am meisten geboten habe. „Fast müsste man im Nachgang Baubürgermeister Uhlig dankbar sein, dass er das von Bader gewünschte Vorkaufsrecht der Stadt Pforzheim nach Paragraf 27a des Baugesetzbuches für dieses Grundstück nicht ausgeübt hat – wegen mangelndem öffentlichem Interesse“, resümiert der Versandhaus-Chef. Denn ein Umbau im Brötzinger Tal bei laufendem Betrieb habe sich als letztlich nicht realisierbar herausgestellt. Die Notwendigkeit einer Neuausrichtung werde auch vom Betriebsrat mitgetragen.

Mit dem Zentrallager des 1929 von Bruno Bader in Pforzheim gegründeten Familienunternehmens, kommen viele Jobs nach Östringen. Unternehmenschef Bader rechnet damit, dass an der neuen Betriebsstätte künftig über 400 Mitarbeiter beschäftigt sein werden. 250 sollen von Pforzheim aus zu ihrem neuen Arbeitsplatz pendeln. Mehrere Shuttle-Busse übernehmen täglich den Transport. Viele ältere Beschäftigte aus dem Brötzinger Tal, wo das Durchschnittsalter der Bader-Beschäftigten bei 55 Jahren liegt, werden den Umzug wohl nicht mitmachen. Auch der Standort selbst sei „in die Jahre gekommen“, sagt Bader. Bis zum Bezug des neuen Versandzentrums werde rund ein Drittel dieser Beschäftigten in den Ruhestand gehen. Ein Drittel wohne nördlich von Pforzheim und habe somit nur eine unwesentlich längere Anfahrt nach Östringen.

Wo wären andere Standorte in Pforzheim gewesen? Zum Beispiel im Gewerbegebiet Buchbusch an der Autobahnzufahrt PforzheimNord. Allerdings gab es dafür keine Chance. Die von der Stadt angebotenen Grundstücke waren für einen zukunftsfähigen Neubau eines Logistikzentrums deutlich zu klein. Ausgerechnet an der Zufahrt zum angebotenen Grundstück (das damals noch der Firma C. Hafner gehörte, die nach Wimsheim abgewandert ist) wurde eine Parzelle an eine Tankstelle verkauft. Zum anderen habe es Probleme mit der Bauhöhe des neuen Versandzentrums gegeben. Die vorgesehenen 36 Meter für das Hochregallager hätten den Genehmigungsrahmen von 20 Metern klar überschritten, so Bader.

Blieb nur noch der Enzkreis: Niefern-Öschelbronn, das Areal unterhalb der Autobahnraststätte, war im Gespräch. Es hätte den Anforderungen des Versenders genügt. Woran also scheiterte dieser Plan? „Am Widerstand Pforzheims,“ so Bader. Die Stadt habe nördlich der Bundesstraße 10 zwei von fünf Brunnenrechten. Sie erhob Einspruch gegen die Versandhaus-Ansiedlung – mit Verweis auf ihre Brunnenrechte.

Stark im Rennen lag zunächst auch Wiernsheim, wobei hier die Erweiterung über eine Recyclingfläche (acht Meter bis zum gewachsenen Grund) hätte erfolgen müssen. Doch aus Mönsheim und Wurmberg kam heftiger Widerstand, unter anderem wegen Befürchtungen eines höheren Verkehrsaufkommens.

Schwierige Grundstückssuche

Auch Bruchsal und Karlsdorf hatten sich Hoffnungen auf eine BADER-Ansiedlung gemacht. Doch verschiedene verkehrstechnische Einschränkungen verhinderten die geplante Ansiedlung. Nachdem sich in der Region Pforzheim kein geeignetes und bebaubares Terrain gefunden hatte, waren von dem Unternehmen zwischenzeitlich unter anderem die Optionen für eine Ansiedlung in Polen („Grundstück umsonst, Steuerbefreiung, EU-Förderung“) sowie zwischen Magdeburg und Leipzig geprüft worden. „Aufgrund unserer sozialen Verantwortung haben wir uns für den nächstgelegenen möglichen regionalen Standort entschieden“, betont Klaus Bader.

Meiricher
14.08.2018
Bader: „Wir hätten gerne in Pforzheim gebaut“

Dafür, dass die Stadt es nicht fertig gebracht hat, Bader ein adäquates Grundstück zur Verfügung zu stellen, gepaart mit dem ganzen Wischi Waschi drumrum, gehören noch jetzt einige in den bau. 400 Arbeitsplätze weg. In einer Stadt, die seit jahren die rote laterne trägt, was Arbeitslose angeht, und die Gewerbesteuer und Lohnsteuer dringendst benötigt, kann man solch dilettantisches verhalten nicht nachvollziehen. Andernorts wird dafür großzügig der Denkmalschutz beerdigt und historisch ...... mehr...

Demagoga
23.08.2018
Bader: „Wir hätten gerne in Pforzheim gebaut“

Dem stimme ich absolut zu. Ist schließlich auch nicht das erste Unternehmen, dass man wissentlich aus der Stadt ekelt. Vielleicht ist Pforzheim doch ein "Versuch"? Grundlage einer Studie? Was passiert, wenn man eine Stadt kaputt wirtschaftet ........ mehr...

pforzheimer007
24.08.2018
Bader: „Wir hätten gerne in Pforzheim gebaut“

[FONT=Helv][SIZE=2][FONT=Helv][SIZE=2]sehr sehr tragisch...ein pforzheimer traditionsunternhmen so vor den kopf zu stoßen..übel...eigentlich unfassbar....es gibt ja einige beispiele...hafner...und co...übel..man fragt sich da echt..was sich die verwaltung und auch der gemeinderat so denkt -> nichts? [/SIZE][/FONT][/SIZE][/FONT] mehr...

ROSAROT
24.08.2018
Bader: „Wir hätten gerne in Pforzheim gebaut“

Wenn es wirklich rein so abgelaufen wäre, würde ich Ihnen voll zustimmen. Aber bei mir haben sich da doch so einige Zweifel ergeben. Ist es nicht so, daß Bader zuächst am alten Platz erweitern wollte, die Stadt aber eben nicht (!!) über das Erweiterungsgelände verfügen konnte??!! Warum die Bahn nicht an Bader verkaufte, darüber wird viel spekuliert. Klar ist aber für jeden Juristen, daß ein geltend gemachtes städtisches Vorkaufsrecht zum Zwecke des Weiterverkaufs an Bader vor jedem Gericht ...... mehr...