Als Mäzen will sich Friedrich von Metzler nicht verstanden wissen. Doch die Stadt Frankfurt weiß, was sie an dem Bankier und seinem gleichnamigen Bankhaus hat: Städel, Senckenberg, Universität – sie und viele andere profitieren von großzügigen Spenden.
„Wir sind Gestalter. Wir gestalten gerne. Wenn wir sehen, dass etwas nötig ist oder etwas prima wäre, dann machen wir gerne mit“, sagt der Jubilar, der am Montag seinen 75. Geburtstag feiert. Schon früh ließ Frankfurt dem gebürtigen Dresdner („Ich habe mich immer als waschechter Frankfurter gefühlt“) eine besondere Ehre zuteil werden: „Ich bin bescheiden stolz auf den Ehrenbürger-Titel“, gibt der Jubilar zu. „Als ich mit 61 Jahren Ehrenbürger wurde, fragten mich die Leute: ‚Ach, bist Du schon 80?‘ Das hat mich natürlich gefreut, dass die Stadt so klug ist, mich noch relativ jung in die Pflicht zu nehmen, noch viel für Frankfurt zu tun.“ Die große Bühne sucht von Metzler, den sie in der Bank schlicht „FM“ nennen, allerdings nicht: „Wir wollen nicht angeben mit unserem Geld. Ich bin gemeinsam mit meiner älteren Schwester absolut normal und bescheiden aufgewachsen. Ich könnte mir gar nicht vorstellen, für Gegenstände wie eine Uhr oder ein Auto viel Geld auszugeben.“
Bürger aus Überzeugung, Bankier aus Tradition: Seit 1674 ist die Familie im Geschäft, das Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. ist die älteste Privatbank in Deutschland in ununterbrochenem Familienbesitz.
Beim Mittagessen habe sein Vater oft von der Bank erzählt, erinnert sich der Jubilar. „Besonders aufschlussreich war es, wenn er sich über etwas geärgert hatte, da hat man besonders viel gelernt.“
Nach der Schule huschte der junge Friedrich von Metzler über die mit dicken Teppichen bedeckten Flure, vorbei an Biedermeiermöbeln und Ölgemälden mit den Porträts seiner Vorfahren. „Wir haben ja im 6. Stock der Bank gewohnt, und wenn ich aus der Schule kam, bin ich oft in die Büros gegangen. Da bin ich zu meinem Onkel, meiner Tante, meinem Vater gegangen, aber auch zu den Nicht-Familienmitgliedern, und habe mir erklären lassen, was sie machen“, erinnert er sich.
Ausgebildet in den 1960er-Jahren überwiegend bei Investment- und Kreditbanken in Großbritannien, den USA und Frankreich, tritt von Metzler 1969 in das Bankhaus Metzler ein und wird 1971 persönlich haftender Gesellschafter des Instituts, das sein Geschäft unter anderem in der privaten Vermögensverwaltung und dem Pensionsmanagement für Unternehmen macht.
Ebenso leidenschaftlich wie Kultur und soziale Projekte – etwa Stipendien für arbeitsuchende Akademiker aus Südeuropa über die Metzler-Stiftung – fördert die Familie den Finanzplatz Frankfurt. In den 1980er- und 1990er- Jahren ist Friedrich von Metzler maßgeblich beteiligt an der Umwandlung der Frankfurter Wertpapierbörse in die Deutsche Börse AG und im Aufsichtsrat aktiv.
Abgeschottet haben sich von Metzler und seine Frau Sylvia auch nicht nach der Entführung und Ermordung ihres jüngsten Sohnes Jakob (11) im Herbst 2002. Viele bewundern die Würde, mit der die Bankiersfamilie das durch diverse Klagen des Kindermörders immer wieder aufgewühlte Leid erträgt. Ein persönliches Anliegen jedoch war ihr die zum zehnten Jahrestag ausgestrahlte ZDF-Verfilmung „Der Fall Jakob von Metzler“. Um zu zeigen, wie sehr sich die Polizei für die Aufklärung einsetzte – auch mit einer Folterdrohung gegen den Mörder.

