nach oben
Die Geschäftsführer Martin Kollmar (Zweiter von links) und Philipp Kollmar (rechts) mit Erik Raukola, Erkan Arslan, Holger Fenchel, Marco Borrelli, Frank Kamprad und Martin Wolf auf der fertiggestellten Papiermaschine.
Die Geschäftsführer Martin Kollmar (Zweiter von links) und Philipp Kollmar (rechts) mit Erik Raukola, Erkan Arslan, Holger Fenchel, Marco Borrelli, Frank Kamprad und Martin Wolf auf der fertiggestellten Papiermaschine.
09.03.2018

Bellmer macht finnische Papiermaschine flott

Es ist nur ein Teil einer riesigen Papiermaschine, das sich in der Bellmer-Produktionsstätte in Enzberg bis unter das Hallendach türmt. Die zehn Meter hohe Pressenpartie wird in den nächsten Tagen komplett zerlegt und geht dann – verpackt auf 17 Lkw mit einem Gesamtgewicht von bis zu 40 Tonnen – auf die Reise nach Finnland.

Das Auftragsvolumen beträgt rund 15 Millionen Euro. Das schwerste Stück – eine Schuhwalze – wiegt allein 51 Tonnen. Diese Presswalze und das Gegenstück der Tandempresse kommen von einer Bellmer-Tochterfirma in Willich bei Krefeld. In der Nähe von Helsinki wird die Anlage Anfang April von 45 Bellmer-Monteuren montiert und beim Branchenriesen Stora Enso in eine über 150 Meter lange Papiermaschine aus den 1970er-Jahren eingebaut. Die stellt mit einer Arbeitsbreite von sechs Metern hochwertige Kartons für die Lebensmittelindustrie her.

„Die Nachfrage weltweit ist groß, so dass die Verpackungen beispielsweise auf die Philippinen geliefert werden und von dort – mit frischen Ananas gefüllt – wieder nach Europa kommen“, erläutert Philipp Kollmar, der mit seinen Brüdern Erich und Martin Kollmar das Familienunternehmen in sechster Generation leitet. Alle drei sind geschäftsführende Gesellschafter. Dank moderner Bellmer-Technologie wird die Papiermaschine wesentlich leistungsfähiger und energieeffizienter. Sie arbeitet mit einem Tempo von 1000 Meter pro Minute – also umgerechnet 60 Stundenkilometern. Der Trockengehalt der Papierbahn wird dabei von auf 20 auf 50 Prozent gesteigert. Ende April soll die modernisierte Anlage in der Nähe des finnischen Wintersportorts Lahti anlaufen. Seit der Projektplanung sind dann 14 Monate vergangen.

Seit 175 Jahren stellt die Nieferner Firma Bellmer Maschinen für die Papier- und Zellstoffindustrie in aller Welt her. Die Papiersparte macht rund drei Viertel des Umsatzes aus, der im Jahr 2017 erstmals die 150 Millionen-Euro-Marke überschritt, sagt Martin Kollmar. Das andere Viertel dreht sich um Trennungstechnologien für Kläranlagen und die Lebensmittelindustrie. Die Firmengruppe hat weltweit 15 Standorte.

„Papier hat Zukunft“, sind die Kollmars überzeugt. Benötigt wird Verpackungspapier nicht nur für den wachsenden Markt des Versandhandels. Bellmer-Maschinen produzieren auch wiederverwertbare Getränkebecher, Dekorpapiere für die Möbelindustrie oder Laminatfußböden und Banknoten. Das alles aus einem nachwachsenden Rohstoff.

„Ingenieure, Techniker und Facharbeiter arbeiten bei uns Hand in Hand, um komplexe mechanische, hydraulische und Automatisierungslösungen für unsere Kunden anzubieten.“ Die Auftragsbücher seien gut gefüllt.

Doch Bellmer produziert nicht nur Papiermaschinen. Der Geschäftsbereich Separation Technology beschäftigt sich mit dem Thema Entwässern/Entsaften. Die Anlagen werden bei der Klärschlammbehandlung, in Biogasanlagen, bei der Trinkwasseraufbereitung und sogar in der Lebensmittelindustrie eingesetzt.

Bei einem führenden indischen Lebensmittelunternehmen wurden gerade zwei Winkelpressen in Betrieb genommen. Aus exotischen Früchten und Gemüse wie Flaschenkürbissen, Papayas und Granatäpfeln werden dort frischgepresste Säfte gewonnen.

Dank seiner selbst entwickelten Verfahrenstechnik gilt der Nieferner Maschinenbauer als Marktführer auf dem Gebiet der Bandfiltertechnologie. Bellmer hat nach intensiver Entwicklungsarbeit seiner Ingenieure und Techniker die Produktpalette um den TURBOScreen™, eine innnovative Lösung zur Filtration von Prozesswasser, erweitert. Das Prinzip basiert auf der Filtration über ein nahtloses, feines Polyestersieb ohne Zugabe von Hilfsstoffen und Chemikalien.

Den Schlüssel zum Erfolg sehen Martin und Philipp Kollmar bei ihren hoch motivierten und spezialisierten Mitarbeitern. Man investiere kontinuierlich in die Fort- und Weiterbildung der Belegschaft etwa in der eigenen Bellmer-Akademie. Aktuell werden zudem 24 Auszubildende fit für die Zukunft gemacht. Bellmer will weiter am Standort Deutschland wachsen und so werden auch zusätzliche Fachkräfte gesucht.