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Mit einem Klick: 75 Prozent der Menschen würden sich gerne mit dem Smartphone oder Tablet bewerben. Foto: Adobe Stock
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Marco Heidrich

Bewerben, aber richtig: Ein Experte aus Pforzheim gibt Tipps für eine erfolgreiche Jobsuche

Pforzheim. Es scheitert nicht erst am Inhalt. Ein Fehler im Firmennamen hat schon so manchen Bewerber zu Fall gebracht, sagt Marco Heidrich, Bewerbungs-Coach und Inhaber der gleichnamigen Privatschule für EDV und Nachhilfeunterricht in Pforzheim. Beim Fachkräftetag „Meine Karriere 2019“ am 14. September im CCP verrät er, wie man seinen Wunschjob erreicht.

Nicht immer passieren Fehler aus Unwissenheit, auch aus mangelnder Vorbereitung, weiß Heidrich, der seit 17 Jahren als Trainer und sieben Jahren als Karriere-Coach arbeitet. „Insgesamt setzten sich Bewerber zu wenig mit der eigenen Persönlichkeit auseinander“, sagt Heidrich. Wo liegen meine Kompetenzen und Stärken? Welcher Arbeitstyp bin ich? Arbeite ich gerne im Großraumbüro oder lieber im stillen Kämmerlein? Diese Fragen bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Bewerbung. Für Bewerber heißt das: Eigene Stärken mit den Anforderungen des Unternehmens aus der Stellenausschreibung in Einklang bringen. Das falle vielen aber schwer. Um Schreibblockaden zu überwinden, gebe es nur ein Rezept: „Ich muss das theoretische Wissen trainieren – wie beim Sport“, sagt Heidrich.

Viele Patzer lassen sich vermeiden – etwa bei der Ansprache. Wenn der Bewerber mit Floskeln wie „Sehr geehrte Damen und Herren“ und „Hiermit bewerbe ich mich“ beginnt, hört der Personaler auf zu lesen. Gerade beim Einstiegssatz können sich Bewerber austoben und kreativ sein – und sich so aus der Masse abheben, sagt Heidrich. Denn ein Recruter nehme sich im Schnitt nur fünf Minuten Zeit für eine Bewerbung – und die muss deshalb „kurz und knackig sein“, fasst Heidrich zusammen. Das Anschreiben sollte deshalb auf eine DIN-A4-Seite passen, und der Lebenslauf höchstens zwei Seiten umfassen.

Auch beim Lebenslauf gebe es Hürden, die viele Bewerber unterschätzen. Häufig werde er nur aktualisiert, statt ihn an das Unternehmen abzustimmen. „Individualität muss sich auch im Lebenslauf widerspiegeln“, sagt Heidrich. Deshalb rät der Experte, bei den beruflichen Stationen nicht nur Firma und Position zu nennen, sondern auch bisherige für die Stelle relevante Tätigkeiten und Erfolge stichpunktartig darzustellen. Auch beim Thema „Hobbies“ vertritt Heidrich eine klare Meinung: „Sie sind relevant.“ Schließlich werden immer noch Menschen eingestellt – und keine Maschinen. Allerdings gilt auch hier: Interessen konkretisieren. „Nicht einfach nur ‚Reisen‘ schreiben, sondern ‚Reisen im asiatischen Raum.“

Besser sei es, wenn Bewerber ein professionelles Foto schicken, auch wenn es nach gesetzlichen Richtlinien nicht nötig sei. Im angelsächsischen Raum setzte sich das Weglassen eines Fotos aus Diskriminierungsgründen durch. „In Deutschland ist es aber gewünscht und deshalb Standard“, so Heidrich.

Still steht auch der Recruitmentsektor nicht. So habe sich die Online-Bewerbung durchgesetzt – entweder über Online-Portale oder per E-Mail. Die gute alte Bewerbungsmappe aus Papier werde zusehends obsolet, sagt Heidrich. Ein weiterer Trend, der sich abzeichnet: „Mobile Recruiting“. So würden sich Studien zufolge rund 75 Prozent der Menschen bereits jetzt gerne mobil bewerben, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Doch die Realität sieht anders aus: Gerade mal 43 Prozent der Betriebe hätten ihren Online-Auftritt auf das Smartphone optimiert. „Große Firmen sind bei diesem Thema wie immer Vorreiter, kleinere Betriebe dagegen eher konservativ.“ Auch die Videobewerbung sei ein Trend, die sich an die Generationen Z richte, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist. Doch bei all den Neuerungen bleibe eine goldene Regel bestehen: Inhalt geht vor.