760_0900_113440_STRATEC_Solutions_9_1_.jpg
Vollautomatisch werden die Proben analysiert.  Foto: Stratec SE 

Birkenfelder Unternehmen Stratec SE ist dem Coronavirus auf der Spur

Birkenfeld. Das Coronavirus verbreitet Angst. Das liegt auch daran, dass man über den neuartigen Krankheitserreger wenig weiß. Das wird sich ändern, denn viele Wissenschaftler und Medizintechnik-Unternehmen arbeiten daran. Eines davon ist die Birkenfelder Stratec SE, die mit 1280 Mitarbeitern und ihren Kunden einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Virus leistet.

Der Hersteller von vollautomatischen Analysensystemen entwickelt diese für die weltweit führenden Diagnostik-Konzerne. Verantwortungsbewusst wolle man einen Beitrag leisten, um die Pandemie einzudämmen. Aktuell profitiere man von starken Zuwächsen bei für die Coronavirus-Testung relevanten Produktgruppen, sagt Vorstandsvorsitzender Marcus Wolfinger im Gespräch mit der PZ.

Der italienische Stratec-Kunde DiaSorin nutze beispielsweise das „MDX“-Analysesystem, um Corona-Viren aufzuspüren. Der US-amerikanische Hologic-Konzern vertraue auf das „Panther-Fusion“-Gerät. „Mehrere Hundert Geräte sind jeweils installiert, auf denen Corona-Tests laufen können“, erklärt Wolfinger. Die Diagnostik-Systeme würden weltweit vertrieben, momentan aber mit Priorität in Europa und Nordamerika. Die Analysensysteme stehen nach seinen Worten auch in Deutschland.

Zunächst erfolge ein Rachenabstrich beim Patienten: mit einem Wattestäbchen. Dieser Abstrich kommt in eine Art Reagenzglas mit einer Flüssigkeit; dann werde geschüttelt. So gelangen Teile der menschlichen Zellen in die Flüssigkeit und werden dort auf bestimmte Parameter analysiert.

Beim „MDX“-System, wie es DiaSorin nutzt, könne man bis zu zwölf unterschiedliche Proben in das Analysegerät geben. „Das ist gerade einmal so groß wie eine Kaffeemaschine“ und daher für dezentrale Tests geeignet. DiaSorin biete einen der schnellsten Tests – Wolfinger spricht von 50 Minuten –, der ein sehr zuverlässiges Resultat liefere. Mehrere Hundert Geräte seien in Europa bereits im Einsatz.

Bei Hologic mit dem „Panther-Fusion“-System könnten innerhalb von einem Tag dagegen mehr als 1000 Proben untersucht werden. Nachteil: Nach dem Rachenabstrich müssen die Proben in das jeweilige Zentrallabor gebracht werden. Das Analysegerät selbst sei so groß wie eine Schrankwand. Ein Vorteil beider Verfahren: Bereits vorhandene Analysegeräte, auf denen beispielsweise bislang auf Grippeviren getestet wurde, könnten auf Corona-Tests umgestellt werden.

In den nächsten Wochen und Monaten werde zudem die Bedeutung von Antikörpertests im Blut von Corona-Infizierten zunehmen. Mit Blick auf eine mögliche Impfung liefern diese Tests beispielsweise wichtige Informationen. Mit Antikörpertest könne aber auch ermittelt werden, wie viele Menschen innerhalb der Bevölkerung unbemerkt infiziert waren und schon wieder genesen sind. Dies  sei insbesondere für die Abschätzung möglicher Immunitäten wichtig. Stratec  selbst könne und dürfe allerdings selbst keine Proben entnehmen und Tests durchführen, sagt Wolfinger. 

Die Analysensysteme werden in Birkenfeld im Enzkreis, in der Schweiz und in Ungarn hergestellt. In den Geräten sind Vorprodukte wie Motoren, Sensoren und Magnete, die Stratec aus Nordamerika und China bezieht. Was die Sicherung der Produktion angeht, habe Stratec schon frühzeitig Vorkehrungen getroffen: „Wir haben auf Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt, Desinfektionsmaßnahmen hochgefahren und, wo möglich, auf Home Office umgestellt.“

Stratec wurde 1979 gegründet und zählt mit seinem Geschäftsmodell zu den Weltmarktführern. Die Privatbank Berenberg hat die Prognose für den Birkenfelder Diagnostik-Konzern  deutlich angehoben.