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René Kamm eröffnete im März letztmals die Baselworld.  Foto: Kefalas 

Chef der Messe Basel tritt zurück

Basel/Pforzheim. Die „Baselworld“ als sinkendes Flaggschiff der Basler Messegesellschaft MCH Group zieht ihren Kapitän mit unter Wasser, berichten Schweizer Medien: CEO René Kamm hat gestern seinen Rücktritt als Messechef erklärt.

Wohl nicht ganz freiwillig, wie es in einer Mitteilung heißt: „Der Verwaltungsrat der MCH Group und CEO René Kamm sind gemeinsam und einvernehmlich zur Überzeugung gelangt, dass angesichts der fundamentalen Transformationsphase in der Geschäftstätigkeit der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der operativen Spitze der Unternehmensgruppe gekommen ist.“ Vor einem Monat war die Direktorin der Baselworld, Sylvie Ritter, zurückgetreten.

René Kamm werde eine „geordnete Übergabe sicherstellen und dem Unternehmen in den nächsten Monaten bei Bedarf beratend zur Verfügung stehen“. In der Übergangszeit bis zur geregelten Nachfolge werde Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer die operative Führung der MCH Group.

Kamm begann seine Karriere 1999 als Messeleiter der Baselworld, die er zur international wichtigsten Messe in der Uhren- und Schmuckbranche ausbaute. In seiner fast 20-jährigen Tätigkeit bei der MCH Group hatte er den Messeplatz Basel entscheidend mitgeprägt. „Wir haben René Kamm sehr viel zu verdanken“, würdigt ihn Verwaltungsratspräsident Vischer. „Er hat nicht nur weltweit bekannte Messen wie die Art Basel und Baselworld entscheidend weiterentwickelt, er hat auch früh die Veränderungen erkannt, die durch die Digitalisierung und Multi-Channel-Konzepte entstehen, und deshalb die Diversifizierung und Internationalisierung der MCH Group vorangetrieben.“

Die frühere Mustermesse Basel (MuBa) wurde erstmals im Jahr 1917 ausgerichtet. Seit 1972 nahmen auch ausländische Aussteller daran teil. Intern hat sich seit mindestens zwei Jahren abgezeichnet, dass die „Baselworld“ als weltweit größte Uhren- und Schmuckmesse ihren Höhepunkt überschritten hat, nachdem die Zahl der Aussteller massiv einbrach. Zuletzt hatte Nick Hayek, Chef der Swatch Group den Rückzug von der Baselworld erklärt (die PZ berichtete).

Ob der Abgang von Swatch den Anfang vom Ende der „Baselworld“ bedeutet, wie die „Basler Zeitung“ kommentiert, ist unklar. Dass der großzügige Neubau des von Herzog & deMeuron entworfenen Messe-Komplexes für über 400 Millionen Schweizer Franken (rund 300 Millionen Euro) im Jahr 2013 ein Fehler war, ist mittlerweile klar. MCH schreibt rote Zahlen.