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Armin Pfannenschwarz 

Computer sucht Unternehmer-Gen: Duale Hochschule will Künstliche Intelligenz für Eignungsprüfung nutzen

Pforzheim/Karlsruhe. Und was würde Wolfgang Grupp (Trigema), der „König von Burladingen“ (SWR), dazu sagen? Oder andere erfolgreiche Patriarchen wie Hanspeter Wellendorff, der aus der Manufaktur an der Enz eine weltweit glänzende Preziose der Schmuckindustrie machte? Oder der Schraubenkönig Reinhold Würth aus Künzelsau? Oder Erfolgreiche, die tief fielen wie Anton Schlecker? Betrüger gar wie „Big Manni“ Schmider, der Horizontalbohr-Blender aus Ettlingen?

Hatten Sie alle das „Unternehmer-Gen“? Und wenn ja: Hätte man ihr Potenzial, ein erfolgreicher Unternehmer zu sein, anhand von rund 300 Wörtern ihrer individuell verfassten Texte mit hoher Wahrscheinlichkeit herausfinden können? Wird künftig der Kollege Computer der beste Freund des Personalers? Wer ist nur ein braver Soldat in Handwerk, Industrie und Dienstleistung? Und wer hat das Zeug zum Chef?

Fördergelder des Bundes

Diese Fragen stellen sich seit Januar – die Laufzeit beträgt zwei Jahre – Studierende des Studiengangs Unternehmertum der Dualen Hochschule am Standort Karlsruhe. „Das Unternehmertum wird sich in Zukunft stark wandeln“, ist sich Studiengangsleiter Professor Armin Pfannenschwarz sicher. Unerlässlicher Projektpartner ist das Heilbronner Unternehmen 100 Worte Sprachanalyse. Ihr Gründer Daniel Spitzer, Chief Product Officer (CPO), ist studierter Psychologe – das hilft. Das Budget liegt bei rund 600 000 Euro. Fest eingeplant sind 380 000 Euro Fördergelder des Innovationsprogramms Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Im ersten Stadium des bislang einzigartigen Projekts wurden bereits die Studierenden des Studiengangs analysiert – in erster Linie Firmengründer oder -nachfolger von Mittelständlern. Für die Verifizierung der Ergebnisse werden nun 1000 Unternehmer auf freiwilliger Basis gesucht. Man versuche, durch deren Mithilfe weitere wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen, so Studierende des Abschlussjahrgangs 2019.

Deutung der Sprache

Spitzer: „Wir verfolgen einen linguistischen Ansatz. In der Sprache drückt sich die Persönlichkeit eines jeden Menschen aus. An dieser Stelle knüpft das Unternehmen an und versucht, die Sprache der Probanden zu deuten und deren Persönlichkeit zu analysieren.“ Deshalb habe sein Team eine Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt, die zwischen den Zeilen lese. Durch die Analyse des geschriebenen Worts ließen sich verschiedene Motive ableiten. Dieses System identifiziere die Stimmung und Persönlichkeitsmerkmale des Schreibenden. Die Motivforschung liefere dabei höchst zuverlässige Ergebnisse. Worte könnten je nach Kontext eine unterschiedliche Bedeutung tragen. Motive seien stets eindeutig. Durch deren Analyse könne auch Unbewusstes oder Unterbewusstes aufgedeckt und zugänglich gemacht werden.

Anders verhalte sich der Vorgang einer Maschine. Diese erkenne unabhängig vom Kontext immer ein und dasselbe. Um der Technologie ein menschenähnliches Verständnis zu verleihen, benutzt die 100 Worte Sprachanalyse unterschiedliche Verfahren der Textverarbeitung und des Textverständnisses.