Pforzheim. Die schwierige Ausgangslage in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie stand im Mittelpunkt der Funktionärskonferenz der IG Metall Pforzheim am Donnerstag, die erstmals in der langen Geschichte der Gewerkschaft virtuell stattfinden musste. Prominenter Referent war Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg.
Eine spontane Umfrage unter den Teilnehmern der Funktionärskonferenz zeigte, dass derzeit in vier Fünftel der Betriebe Angst vor Stellenabbau besteht, die Transformation strukturelle Probleme bereitet und finanzielle Einbußen durch Kurzarbeit zu verkraften waren. Das bestätigte Zitzelsberger als Verhandlungsführer der IG Metall im Südwesten. Es seien besondere Zeiten und die Arbeitgeber präsentierten sich als ganz besonders schwierige Konfliktpartner. Die Gewerkschaft fordert unter anderem vier Prozent mehr Geld – entweder in Form von Lohnsteigerungen oder als zumindest teilweisen Ausgleich, wenn ein Betrieb in der Krise die Arbeitszeit reduziert. Südwestmetall lehnt das kategorisch ab. Die tariflich vereinbarte Friedenspflicht gilt bis Ende Februar, ab Anfang März wären Warnstreiks dann theoretisch möglich. Und darauf sei die IG Metall vorbereitet, sagt Zitzelsberger.
Arbeitgebervertreter Wilfried Porth – Personalvorstand beim Autobauer Daimler – hatte zuletzt angesichts des teuren Umbruchs von Verbrennungs- hin zu Elektroantrieben von „liebgewonnenen Dingen der Vergangenheit“ gesprochen, die bei den Tarifgesprächen infrage gestellt werden müssten. Dabei gehe es Südwestmetall um die Abschaffung oder Kürzung bestimmter Zulagen und Pausenregelungen, von denen Beschäftigte im Südwesten besonders profitieren. Zitzelsberger warf Porth vor, mit „Antworten von gestern die Fragen von morgen“ zu beantworten. Diesen „Griff in die Mottenkiste“ kritisierte er scharf. Wenn das Streichen von Zuschlägen und Zulagen die einzige Antwort auf die Herausforderung der Transformation sei, dann gehe das an der Problemsituation vorbei. „Wir brauchen Antworten für die Zukunft.“
„Betriebsräte haben mehr Rückendeckung und Gewicht gegenüber dem Arbeitgeber, wenn eine gut organisierte Belegschaft Entscheidungen mit herbeigeführt hat und diese mitträgt“, machte eingangs Liane Papaioannou, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Pforzheim, deutlich. Deshalb wolle man die Tarifbindung der Metall- und Elektrobetriebe weiter ausbauen. 926 neue Mitglieder habe man dort in den vergangenen zwei Jahren durch verstärkte Betreuung (Kampagnenpläne, aktive Pausen, Betriebsratssprechstunden, Menschenketten, Tausende von Telefongesprächen und Betriebsrundgänge) gewinnen können, sagte Papaioannou. Betriebliche Konflikte bei Witzenmann, Inovan, Doduco, Mapal, OBE und Saacke seien konstruktiv geklärt worden. Eine besondere Herausforderung war es in bewegten Corona-Zeiten, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Bei den regionalen Unternehmen Mahle, Karl Klink, Wisi, Weber, Heckler und Harman Becker sei man noch im Dialog mit der Geschäftsleitung, wie auch die Betriebsräte Nektaria Christidou (Mahle Behr), Peter Pfeiffelmann (Gebrüder Saacke), Jürgen König (Karl Scheufele) und Fatih Aygün (Karl Klink) bestätigten.

