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Im PZ Autorenforum präsentieren Marc Friedrich (links) und Matthias Weik ihr Buch „Der größte Crash aller Zeiten. Wirtschaft, Politik, Gesellschaft – Wie Sie jetzt noch ihr Geld schützen können“. Auf die Wand ist eine Zahl projiziert – so viel wurde zwischen 2014 und 2018 investiert, um den Euro zu retten. Meyer 

Crash-Autoren treffen den Nerv der Sparer

Es war quasi ein Heimspiel für Marc Friedrich und Matthias Weik am Donnerstag im PZ-Forum: Bereits zum fünften Mal waren die Ökonomen und erfolgreichen Buchautoren in der Goldstadt, um Bürger vor dem „größten Crash aller Zeiten“, so der Titel des „Spiegel“-Bestsellers, zu warnen.

Dieses Mal sei aber alles anders: „Wer von Ihnen glaubt, dass nach der Finanzkrise sich etwas politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich in Deutschland, in Europa und in der Welt in eine falsche Richtung entwickelt hat?“, fragt Friedrich eingangs das Publikum – der Saal ist ausverkauft. Es rumort, klopft, nickt einstimmig. Die Schwaben aus dem Remstal scheinen einen Nerv getroffen zu haben: Sparer, die jetzt den Strafzins fürchten. Deshalb müssen Friedrich und Weik die Zuhörer auf die Frage hin, wann die Zinsen wieder steigen werden, schockieren: „Nie wieder.“ Denn im EZB-Zinskorsett sei das nicht möglich. Steigen die Zinsen auch nur um ein Prozent, würden sogenannte Zombie-Unternehmen, die nur dank des billigen Geldes existieren, kippen. Diese würden Banken in den Abgrund ziehen – der Dominoeffekt wäre ein Super-GAU.

Ein prominentes Zombie-Unternehmen machte den Anfang und brachte die Tourismusbranche zum Beben: Thomas Cook. Rund neun Prozent der größten börsennotierten Unternehmen in der EU seien solche Untoten. Und der heiße Kandidat unter den EU-Ländern sei laut Weik und Friedrich Italien. „Das Land ist faktisch bankrott.“

Dieses Gefühl, dass ein „Paradigmenwechsel“ bevorsteht, treibt die Autoren um. Sie seien mutig genug, um eine vermeintlich unbequeme Wahrheit auszusprechen: In diesem bestehenden System gebe es keine Lösung. Denn: „In den vergangenen Jahren hat man die Rezession nicht zugelassen, obwohl die Wirtschaft die Ruhephase braucht.“ Deutschland hätte sich nach der Finanzkrise lediglich zehn schöne Jahre erkauft.

Friedrich und Weik touren mit dem neu erschienenen Buch überall im Land und füllen die Säle. Das bringt auch ein Kamerateam der ARD-Sendung „titel, thesen, temperamente“ auf den Plan, den Auftritt im PZ-Forum zu filmen. Morgen soll der Beitrag über Friedrich und Weik ausgestrahlt werden. Die „Crash-Propheten“, wie sie oft bezeichnet werden, polarisieren – bisweilen mit esoterischem Unterton („Nach dem Crash steht ein goldenes Zeitalter bevor“). Es überrascht also nicht, dass der Literaturkritiker Denis Scheck in der ARD-Sendung „Druckfrisch“ das Buch verreißt und die Schwaben als „Bauernfänger“ bezeichnet, die sich „mit der Bewirtschaftung unserer Ängste ein einträgliches Auskommen“ sichern.

Die Autoren lassen sich von solchen Verunglimpfungen jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen. Eher gefallen sie sich in der Rolle der Provokateure, die die Menschen warnen. „Alle unsere Prognosen der vergangenen Jahre sind eingetroffen“, sagt Friedrich. Die Nullzinsphase und extreme Parteien – nur der Crash blieb bislang aus.

Vorerst. Denn noch gehe es „uns zu gut“, mahnen sie an diesem Abend. Die Wirtschaft sei haarscharf an einer Rezession vorbeigeschrammt. „Wir haben den Wohlstand nicht gepachtet“, sagt Weik. Lange werde es nicht dauern, bis der Autonation Deutschland ein ähnliches Schicksal blüht wie Detroit, nämlich der Untergang. Deshalb müssten sich die Menschen warm anziehen: Rechte Parteien werden weiter auf dem Vormarsch sein, eine noch größere Migration auf Europa zukommen, Deflation, Inflation und schließlich eine Währungsreform. Bis 2023 geben sie dem Ganzen noch Zeit – dann wird es knallen. „Es muss uns erst schlecht gehen, bis wir handeln.“ Aber nicht die Politik: „Der Wandel kommt immer von unten“, sind sich die beiden sicher.

Friedrich und Weik zeichnen ein düsteres Bild – doch bei all dem Krisengespräch kommt der Humor nicht zu kurz. Der ist ja bekanntlich die beste Medizin. Und so wären nach einem Auftritt in Göppingen die Bankautomaten der Stadt leergeräumt gewesen, scherzen sie. Denn das Geld, das Menschen auf dem Konto parken, gehöre der Bank und nicht den Menschen, erinnern sie das Publikum.