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Agosi-Chef Dietmar Becker mit einem konfliktfreien Goldbarren. Foto: Deck
Agosi-Chef Dietmar Becker mit einem konfliktfreien Goldbarren. Foto: Deck
03.05.2017

Damit am Gold kein Blut klebt

Pforzheim. Gold glänzt als Schmuck, Wertanlage oder technischer Rohstoff. Ob Blut an ihm klebt, es Kriege finanziert oder unter unverantwortlichen Sozial- und Umweltbedingungen gewonnen wurde, sieht man Gold nicht an. Rund 300 Tonnen pro Jahr kommen aus Kleinstproduktionen, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Fachvereinigung Edelmetalle in Pforzheim, Dietmar Becker. „Die kleinen Minen sind stärker konfliktanfällig“, weiß der Manager aus dem Vorstand der Allgemeinen Gold- und Silberscheideanstalt Agosi. Als erstes deutsches Edelmetallunternehmen hat Agosi das CoC-Zertifikat des Resonsible Jewellery Concil (RJC) für den Nachweis einer konfliktfreien Lieferkette erhalten.

Der Weltmarkt für Gold umfasste im vergangenen Jahr mehr als 4500 Tonnen, davon knapp 1300 Tonnen aus Recycling. Die großen Goldminenunternehmen seien durch Druck von Kunden, Politik und Öffentlichkeit gezwungen, ihre Arbeitsweise offenzulegen, sagt Becker. „Wir wollen sicherstellen, dass unsichere Quellen unser Geschäftssystem nicht infiltrieren.“ Er bekomme aber laufend Angebote von dubiosen Goldhändlern.

Becker nennt das afrikanische Land Ghana als Beispiel. Dort seien mit chinesischer Hilfe Straßen gebaut worden. Viele chinesische Arbeiter seien dort geblieben und versuchten sich jetzt als Goldschürfer. „Die Gefahr geht von örtlichen Aufkäufern und Exporteuren aus.“ Korruption sei an der Tagesordnung.

Gerade im Kleinstbergbau gebe es weder Sozial- noch Umweltstandards. Dort würden 60 Prozent des weltweit in der Goldproduktion eingesetzten giftigen Quecksilbers verbraucht – ohne Sicherheitsvorkehrungen und mit Konsequenzen für die Gesundheit der Arbeiter. „Aber die Leute machen das nicht aus Vergnügen, sondern um zu überleben“, sagt Becker. Die großen Unternehmen der Goldindustrie haben nach Beckers Angaben seit Jahren eigene Programme, um sicherzustellen, dass ihr Rohstoff aus sauberen Quellen stammt. Becker sieht aber Grenzen: „Wir sind keine Staatsanwaltschaften, wir sind Unternehmen. Wir haben als Unternehmen weder die Mittel noch die Rechte von Staatsanwaltschaften.“ Auch die Regierungen seien gefordert.

EU will Herkunftsnachweise

Da setzt eine neue Verordnung der EU an. Sie verlangt Herkunftsnachweise, allerdings erst ab 2021. Das größte Problem sei jedoch die Menge von 100 Kilogramm pro Jahr, die Kleinhändler ohne Nachweise importieren dürfen. 100 Kilogramm haben immerhin einen Wert von fast vier Millionen Euro.

Zwar sollen rund 98 Prozent des Goldes vom EU-System erfasst werden. Der Rohstoffexperte des Vereins PowerShift, Michael Reckordt, sieht in der EU-Verordnung allerdings nur einen ersten Schritt. Denn die EU habe mit den hohen Schwellenwerten Schlupflöcher geschaffen, kritisiert er. Neben Umweltverschmutzung und Gesundheitsgefahren durch Quecksilber- und Cyanideinsatz sieht Reckordt im unkontrollierten Goldabbau weitere Gefahren: „Gold kann einfach geschmuggelt werden und so illegal bewaffneten Gruppen helfen, sich zu finanzieren oder Drogenkartellen helfen, Geld zu waschen.“