Berlin/Pforzheim. In Pforzheim startet die erste EU-Anlage für das Recycling von Seltene-Erden-Magneten – ein wichtiger Schritt für Klimaschutz und Industrie.
Das Technologie-Start-Up, HyProMag GmbH, bringt eine neue Technologie zum Recycling von Seltene-Erden-Magneten nach Pforzheim, wie die Firma in einer Pressemitteilung bekannt gibt. Es handelt sich dabei um die erste Anlage ihrer Art in der Europäischen Union.
Was sind Seltene-Erde-Magneten?
Seltene-Erde-Magneten sind besonders starke Permanentmagnete, die aus sogenannten Seltenen Erden hergestellt werden – einer Gruppe von Metallen im Periodensystem. Am häufigsten bestehen sie aus Legierungen wie Neodym-Eisen-Bor (NdFeB).
Der Begriff „seltene Erden“ ist etwas irreführend: Diese Metalle sind in der Erdkruste gar nicht extrem selten, aber ihre Gewinnung ist aufwendig und oft mit Umweltbelastungen verbunden. Zudem stammen große Teile der weltweiten Produktion aus wenigen Ländern, was sie wirtschaftlich und politisch besonders wichtig macht.

Was passiert in Pforzheim?
Der Anlage in Pforzheim und ihren damit verbundenen Technologien kommt laut HyProMag eine Schlüsselrolle zu, Europas Abhängigkeit von importierten Seltene-Erden-Metallen – und damit von den dominierenden globalen Lieferketten – zu verringern und gleichzeitig den Übergang zu CO₂-armen Technologien durch die von ihr unterstützten Fertigungsbranchen voranzutreiben. Der Bau der Anlage wurde teilweise aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg finanziert.


Millionen Althandys als Rohstoff-Schatz in Schubladen
Anfang April wurden erste Anlaufversuche zur Inbetriebnahme für die Anlage in Pforzheim erfolgreich abgeschlossen. Sie werde noch in diesem Jahr recycelte NdFeB-Produkte herstellen, darunter Legierungspulver, Sinterblöcke und fertige Magnete. 2027 werde die Kapazität der Anlage bereits 350 Tonnen erreichen und durch schrittweise Erweiterungen bis 2028 auf bis zu 750 Tonnen pro Jahr gesteigert werden.
Was bringen NdFeB-Magnete?
Das spezielle Verfahren von HyProMag bewahre die ursprüngliche Magnetlegierung und ermögliche so ein direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling. Dieser Ansatz senke die CO₂-Emissionen erheblich – um bis zu 90 Prozent im Vergleich zu Primärproduktionsverfahren – und umgeht gleichzeitig energieintensive Verarbeitungsschritte wie die Metallherstellung und Legierung.


Weltneuheit aus Ispringen: Unternehmen stellt Hochleistungs-Permanentmagnete her
NdFeB-Magnete kommen laut HyProMag in zahlreichen Anwendungsbereichen zum Einsatz. Sie werden in vielen modernen Technologien eingesetzt, zum Beispiel in Elektromotoren von Elektroautos, Windkraftanlagen, Lautsprechern, Smartphones, Festplatten oder auch in medizinischen Geräten wie MRT-Scannern.
Was steckt hinter der HyProMag GmbH?
Die HyProMag GmbH wurde laut Pressemitteilung gegründet, um die HPMS-Technologie in Deutschland und der Europäischen Union zu vermarkten, politische Initiativen zur strategischen Stärkung der europäischen Lieferketten für Seltene Erden weiter zu unterstützen und den ökologischen Wandel voranzutreiben.


Deutsch-britischer Wirtschaftsgipfel: Freunde mit Vorzügen?
Zur jetzt erzielten Kommerzialisierung und Validierung der Technologie trugen über mehrere Jahre hinweg sowohl Fördermittel von UKRI (UK Research and Innovation) und der Europäischen Union als auch vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg und der britischen Regierung im Rahmen ihrer „Driving the Electric Revolution“-Initiative bei.
Carlo Burkhardt, Gründer und Gesellschafter der HyProMag GmbH, sagte:
„Die Anlage in Pforzheim stellt einen wichtigen Meilenstein beim Aufbau einer nachhaltigen, kreislaufwirtschaftlichen Lieferkette für Seltene-Erden-Magneten in Europa dar. Unsere Technologie ermöglicht ein hochwertiges Magnetrecycling bei deutlich geringeren Umweltauswirkungen. Wir präsentieren mit dieser Anlage ein Konzept für einen skalierbaren, technologiegetriebenen Betrieb, der den strategischen Rohstoffbedarf der europäischen Industrie deckt und die Abhängigkeit von globalen Lieferketten verringert.“
William Dawes, Director der HyProMag Ltd. und CEO von Mkango, ergänzte: „Dies ist ein wichtiger Meilenstein für HyProMag und schafft eine starke Grundlage für den weiteren Hochlauf an unserem Standort in Pforzheim und darüber hinaus. Wir prüfen weiterhin ergänzende Akquisitions- und organische Wachstumschancen in der Lieferkette für Seltene Erden und sehen das wachsende Seltene-Erden-Ökosystem in Deutschland als einen der Eckpfeiler unserer Wachstumsstrategie. Mit den von HyProMag in Großbritannien und den USA hochgefahrenen und entwickelten Recycling- und Produktionsanlagen für Seltene-Erden-Magnete sowie den fortgeschrittenen Bergbau- und Trennprojekten von Mkango in Malawi und Polen sind wir hervorragend positioniert, unseren Kunden entlang der gesamten Lieferkette eine One-Stop-Shop-Lösung für Produkte aus Seltenen Erden anzubieten.“

