Beeindruckt von der Präzision bei der Firma Hoffmann zeigte sich Oberbürgermeister Peter Boch (links). Die beiden Geschäftsführer Christoph Klink und Michael Appich erläuterten die Räumtechnologie zur Metallbearbeitung. Foto: Meyer
Wirtschaft
Die weltgrößte Räummaschine kommt von Firma Hoffmann aus Pforzheim
  • Lothar H. Neff

Pforzheim. Bei der Pforzheimer Traditionsfirma Hoffmann durfte gefeiert werden: Anlässlich der Fertigstellung der nach eigenen Angaben weltgrößten Turbinenräummaschine öffnete das Unternehmen an der Gymnasiumstraße seine Tore auch für die Familien der Mitarbeiter und geladene Gäste. Beim Begriff Räumen denken viele zunächst an winterliche Verkehrsbehinderungen – weit gefehlt. Die Maschine kommt vielmehr bei der Metallbearbeitung zum Einsatz. So werden etwa Turbinenscheiben gefertigt, in welchen später die einzelnen Turbinenschaufeln verankert werden.

Mehr Effizienz

Die riesige Maschine aus dem Hause Hoffmann Räumtechnik wird an das Werk eines großen amerikanischen Herstellers von Gasturbinen in Frankreich geliefert. Dort wird mit dieser Anlage eine neue Generation von stationären Turbinen gefertigt, die in neue Leistungsregionen von über 500 Megawatt vordringen sollen. „Dies bedeute mehr Effizienz und mehr Umweltfreundlichkeit bei der Verstromung von natürlichen Gasen. Zum Vergleich, eine große Windkraftanlage liefert eine Leistung von fünf Megawatt,“ erläuterte Geschäftsführer Christoph Klink. Am Standort Gymnasiumstraße sind heute über 100 Mitarbeiter beschäftigt. Es wird zudem auf ein weit verzweigtes Netzwerk von regionalen Zulieferern zurückgegriffen.

Bei der Veranstaltung konnten gleich vier Großmaschinen in den Hallen besichtigt werden, die sich in unterschiedlichen Stadien kurz vor, oder schon in Fertigstellung befinden. Auch Oberbürgermeister Peter Boch war beeindruckt von der Leistungsfähigkeit des in der Oststadt ansässigen Unternehmens. Gemeinsam unterstrichen Boch und die Hoffmann-Geschäftsleitung, dass eine solche Leistung nur mit hochspezialisierten und engagierten Mitarbeitern möglich sei.

Klink wies darauf hin, welch wichtiger Faktor hierbei die Ausbildung junger Menschen spiele, zumal Hoffmann Räumtechnik ein engagierter Ausbildungsbetrieb sei. Dort werden Maschinenbauer und Zerspanungstechniker ausgebildet. Dies komme auch der Fertigung der Räumwerkzeuge zugute, die das zweite und ergänzende Produktspektrum von Hoffmann darstellt.

„Auf dieser Anlage können Scheiben bis zu einem Durchmesser von 3200 Millimetern bearbeitet werden. Dabei muss die Maschine ein Werkstückgewicht von bis zu 20 Tonnen bewältigen“, erläuterte Geschäftsführer Michael Appich. Bei einem Eigengewicht von fast 200 Tonnen werden mehrere Spezialtransporte zum endgültigen Standort in Frankreich notwendig werden.

Alle Maschinen, die bei Hoffmann Räumtechnik gefertigt werden, werden komplett im Hause entwickelt, konstruiert und gebaut. Hierbei kommen modernste Techniken wie 3D-Konstruktionssoftware bis hin zu Simulationen zum Einsatz. Christoph Klink unterstreicht, dass nur so zukunftsweisende Produkte entwickelt werden könnten, die auch anschließend am Markt wettbewerbsfähig sind. „Das Wichtigste ist natürlich auch hier der Ingenieur vor dem Computer.“

Übernahme aus der Insolvenz

Das Pforzheimer Unternehmen wurde 1933 von Kurt Hoffmann gegründet. Seit 1938 beschäftigt sie sich mit der Technik des Räumens. Nach großem Wachstum in den Jahren des deutschen Industriewunders kam es 2004 zur Insolvenz und Übernahme durch die beiden lokalen Wettbewerber Arthur Klink GmbH (Pforzheim und Karl Klink GmbH (Niefern). Nach einer kompletten Restrukturierung und Neuaufstellung durch die beiden Geschäftsführer konnte die neue Hoffman Räumtechnik GmbH sich als Marktführer für Turbinenräummaschinen etablieren.

Im Bereich der Flugzeugtriebwerke bestehe derzeit eine erhöhte Nachfrage nach Räummaschinen, da viele neuentwickelte Triebwerke an den Start gehen, so zum Beispiel der Airbus 320 NEO, für den schon mehrere Anlagen bei Hoffmann gebaut wurden.