Mehr Staub als Ertrag fahren viele Landwirte momentan ein. Foto: Pleul
Wirtschaft
Dürre hat Bauern in weiten Regionen hart getroffen
  • Sascha Meyer

Berlin. Verkümmerte Ähren, staubige Böden, knappes Futter für Milchkühe: Von einer „miserablen“ Getreideernte spricht Bauernpräsident Joachim Rukwied gestern in seiner Bilanz.

Auch Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat Daten ausgewertet und erklärt die extreme Trockenheit nun zum Ereignis von „nationalem Ausmaß“. Das ebnet den Weg für Bund-Länder-Hilfen, wie es sie wegen einer Dürre zuletzt vor 15 Jahren gegeben hat. Kommen die Folgen auch im Supermarkt an?

Wie dramatisch ist die Lage tatsächlich?

Mit Einbußen bis zu 70 Prozent gebe es in manchen Regionen regelrecht eine Missernte, sagt Rukwied. „Dieses Wort muss man verwenden.“ Bei der letzten großen Dürre von 2003 habe es wenigstens bis Mitte Juni vernünftiges Wetter gegeben, heißt es vom Verband. Baden-Württemberg kam relativ glimpflich davon. Nun war es schon im April und Mai vielerorts warm und zu trocken. Deshalb haben die Mähdrescher wohl nur 35,6 Millionen Tonnen Getreide und Körnermais eingefahren – minus 22 Prozent im Vergleich zur Ernte 2017. Außerdem wird bei vielen Viehhaltern das Tierfutter knapp. Einmal gemähtes Gras ist oft nicht für den sonst üblichen zweiten und dritten Schnitt nachgewachsen. Manche Höfe nutzen deshalb schon ihre Wintervorräte. Andere müssen Futter teuer zukaufen, wobei allein schon der Transport extra kostet.

Wie springt der Staat jetzt konkret ein?

Bei außergewöhnlichen Risiken lässt der Staat die Landwirte nicht hängen. Eine solche Notlage rufe man aber „nicht per Gefühl“ aus, macht Klöckner noch einmal klar. Und natürlich könnten auch nie alle Schäden „nach Vollkasko-Manier“ entschädigt werden. Nachdem bereits Schätzungen von Milliarden-Einbußen kursierten, hat sie den Schaden nun amtlich auf 680 Millionen Euro taxiert. Einbezogen werden könne nicht alles. Infrage kommen Hilfen erst, wenn ein Betrieb mehr als 30 Prozent seiner durchschnittlichen Jahresproduktion verliert. Konkret sollen nun bis zu 340 Millionen Euro an Hilfe zusammenkommen – jeweils zur Hälfte finanziert vom Bund und von den betroffenen Ländern.

Wie sollen diese Hilfen aussehen?

Der Bund rechnet damit, dass bis zu 10 000 besonders betroffene Betriebe Unterstützung in Anspruch nehmen könnten. Sie müssen dann nachweisen, dass sie die 30-Prozent-Schwelle erfüllen und in ihrer Existenz gefährdet sind.

Und was bedeutet die Dürre für die Verbraucher?

In den Supermarktregalen werde man immer genügend Lebensmittel finden, macht Klöckner klar. Ganz ohne Auswirkungen auf die Preise dürfte es nach Einschätzung des Bauernverbands nicht abgehen. Bei Hitze geben Kühe weniger Milch, das senkt auch den Gehalt an Eiweiß und Fett. Vor allem im Osten wird daher gerade deutlich weniger an die Molkereien geliefert. Bei Brot und Brötchen sei der Anteil von Getreide am Gesamtpreis dagegen nur sehr gering im Vergleich zu Personal- und Energiekosten. Einbußen zeichnen sich bei der Kartoffelernte ab. Bei Obst- und Gemüsesorten konnten Bauern die Ernte mit Bewässerungsanlagen besser vor Ausfällen retten, dies kostete aber auch extra. Generell kaufen Handelsketten ihre Ware weltweit günstig ein.