Media Markt Saturn
Die Filialen sind in vielen deutschen Innenstädten zu finden. (Archivbild)
Sebastian Gollnow/dpa
Wirtschaft
EU-Kommission prüft Übernahme von MediaMarktSaturn genauer

Die geplante Übernahme von Europas größtem Elektronikfachhändler MediaMarktSaturn durch den chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com beschäftigt gleich mehrere Behörden. Die Europäische Kommission hat nach einer ersten Untersuchung «vorläufige Bedenken» und prüft den Fall nun genauer. Ihre Zustimmung ist eine der Voraussetzungen für einen Eigentümerwechsel. 

«Die vorläufige Untersuchung deutet darauf hin, dass JD.com möglicherweise ausländische Subventionen erhalten hat, die den EU-Binnenmarkt verzerren», teilte die Brüsseler Behörde mit. Chinesische Subventionen könnten es JD.com ermöglicht haben, ein höheres Übernahmeangebot für Ceconomy, die MediaMarkt- und Saturn-Mutter, abzugeben. Dies könnte den Prozess verzerrt haben. Dabei gehe es um Vorzugsfinanzierungen, steuerliche Anreize und Zuschüsse. 

Die EU-Kommission will außerdem prüfen, ob die Übernahme den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt verzerren würde. Nach EU-Recht hat sie bis zum 2. Oktober Zeit für eine endgültige Entscheidung. Sie betonte, dass deren Ergebnis offen sei. JD.com könnte sich im Laufe der Untersuchung auch zu bestimmten Zusagen verpflichten, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. 

JD.com teilte mit: «Wir sehen eine vertiefte Prüfung als einen üblichen Verfahrensschritt für eine Transaktion dieser Größe an.» Im Zusammenhang mit der Transaktion habe das Unternehmen keine staatlichen Subventionen erhalten, die zu einer Wettbewerbsverzerrung in der EU führen könnten. Man stehe weiterhin in engem und konstruktivem Austausch mit der Europäischen Kommission im Rahmen des laufenden Prüfverfahrens. 

Behörden prüfen nach Kartellrecht und Sicherheit

JD.com hatte im vergangenen Sommer ein Übernahmeangebot abgegeben und sich wenige Monate später die Mehrheit der Ceconomy-Aktien gesichert. Behörden in mehreren Ländern prüfen die Übernahme. Je nach nationalen Anforderungen wird die Transaktion kartellrechtlich geprüft. In anderen Ländern wird untersucht, ob der Einstieg eines ausländischen Investors sicherheits- oder ordnungspolitisch unbedenklich ist.

Frankreich und Italien haben laut Ceconomy grünes Licht für die Übernahme gegeben. Die Entscheidungen aus Deutschland, Spanien und Österreich stehen noch aus. Aus Unternehmenskreisen hieß es, man rechne mit einer Gesamt-Freigabe in der zweiten Jahreshälfte. 

Das Bundeskartellamt hatte den Erwerb bereits im September freigegeben. Es gebe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken, da JD.com bislang nur in sehr geringem Umfang in Deutschland aktiv sei. Das Bundeswirtschaftsministerium hat aber noch nicht zugestimmt. Es prüft unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten. 

Einer der größten Handelskonzerne weltweit

MediaMarktSaturn ist Europas größter Elektronik-Fachhändler und nach Amazon, Otto und Zalando viertgrößter Onlineshop in Deutschland. Das Handelsunternehmen Ceconomy, zu dem die MediaMarktSaturn Retail Group heute zählt, entstand 2017 als Abspaltung von Metro.

JD.com ist mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar (2024) laut dem Forschungsinstitut EHI größter chinesischer Handelskonzern und zählt auch weltweit zu den zehn größten. Die Gruppe, die etwa 570.000 Beschäftigte hat, ist unter anderem auch in den Bereichen Technologie, Logistik und Gesundheit tätig. In Deutschland ist das Engagement bislang überschaubar. Im März dieses Jahres startete JD.com den Onlineshop Joybuy.

Media Markt und Saturn
Die MediaMarktSaturn Retail Group gehört heute zum Handelsunternehmen Ceconomy. (Archivbild)
Armin Weigel/dpa

Ceconomy ist laut Geschäftsbericht mit mehr als 1.000 Märkten in elf europäischen Ländern aktiv, rund 400 davon hierzulande. Filialen der Kette Saturn gibt es nur noch in Deutschland. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr machte das Unternehmen einen Umsatz von 23,1 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigte der Konzern im Jahr 2024 rund 50.000 Menschen, davon knapp 20.000 in Deutschland.

Die erste Saturn-Filiale wurde 1961 in Köln eröffnet, der erste MediaMarkt 1979 in München. Die Einzelhandelskette übernahm den Wettbewerber Saturn 1990. Einige Jahre später besaß die Metro AG die Mehrheit an beiden Marken. 

Chinesische Handelskammer reagiert skeptisch

Die chinesische Handelskammer bei der EU äußerte grundsätzliche Bedenken an der Prüfung ausländischer Subventionen durch die EU. Preise bei Transaktionen würden zudem von vielen Marktfaktoren beeinflusst. Ein hohes Angebot solle «nicht allein» als Anzeichen für Marktverzerrung gewertet werden, und «ein klarer Kausalzusammenhang zwischen etwaigen ausländischen Subventionen und der angeblichen Marktverzerrung» solle auf der Grundlage ausreichender Beweise hergestellt werden.

Sie verwies zudem auf «die Wettbewerbsvorteile, die sich aus den Effizienzsteigerungen chinesischer Unternehmen ergeben», unter anderem im E-Commerce. Grundlage seien unter anderem technologischer Fortschritt und innovative Logistik-Systeme. Die Handelskammer betonte die Bedeutung «eines offenen, fairen, transparenten und diskriminierungsfreien Geschäftsumfelds» angesichts der weiteren Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und der EU.

© dpa-infocom, dpa:260528-930-139826/4

VG WORT Zählmarke