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Kevin Lindauer (von links), Fachbereichsleiter IT und Medien beim Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP), Professor Thomas Schuster, Markus Epple (WSP) und Lukas Falk Waidelich (Hochschule Pforzheim).  Foto: Warzecha 

Einfaches digitales Vergessen: Beim IT-Afterwork geht es um ein Jahr DSGVO

Pforzheim. Vor einem Jahr trat die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Für Nutzer stellt sich noch immer die Frage: „Wie können persönliche Daten geschützt werden?“ Besonders auch bei kleinen Unternehmen und Vereinen bestehen hier weiterhin Unsicherheiten.

Daher stellte Professor Thomas Schuster am vergangenen Mittwoch beim IT Afterwork im Innotec das Forschungsprojekt „Einfaches digitales Vergessen“, kurz: EDV, vor. Thomas Schuster ist im Fachbereich Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Pforzheim als Professor für Software-Technik tätig.

In seinem Vortrag „Datenschutz einfach gemacht!“ stellte er vor 35 Besuchern Lösungsansätze zu der oben genannten Fragestellung vor. Ziel der Europäischen Datenschutzgrundverordnung sei laut dem Referenten, eine zeitgemäße Antwort auf die fortschreitende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft zu liefern und besonders den Schutz der Privatsphäre bei jeglicher Art der Datenverarbeitung, zum Beispiel bei Profilanalysen und Cloud Computing, zu verbessern.

Dies sei auch nötig, da die aktuell wertvollsten Unternehmen der Welt allesamt Internet oder Technologien-Unternehmen wie Amazon, Alphabet beziehungsweise Google oder Facebook seien. „Daten sind aktuell der wertvollste Rohstoff“, so Schuster, und datengetriebene Geschäftsmodelle befinden sich im Aufwind. Dabei steht der Umgang mit personenbezogenen Daten wie beispielsweise Name oder Adresse im Mittelpunkt. Je sensibler die Daten, desto höher kann das Bußgeld ausfallen, das bei Verstößen gegen die DSGVO droht.

Die großen Abmahnwellen seien bisher ausgeblieben. Trotzdem haben mittelständische Unternehmen und Vereine Schwierigkeiten mit der Umsetzung. Deswegen will Schusters Forschungsprojekt EDV den Betroffenen technische Hilfsmittel an die Hand geben. Besonders das „Recht auf Vergessenwerden“, das Löschen von persönlichen oder sensiblen Daten im Internet, steht dabei im Fokus. Das Ziel sei, eine Art „Snapchat für Unternehmen“ zu entwickeln.

Daten automatisch löschen

Im 2017 angelaufenen Forschungsprojekt, das gemeinsam mit Partnern aus der Region Karlsruhe durchgeführt wird, wurde ein Prototyp entwickelt, der Unternehmen eine datenschutzkonforme Lösung zum Datenaustausch bieten soll. Schuster verdeutlichte dies am Beispiel eines Bewerbungsprozesses. So müssen persönliche Daten spätestens sechs Monate nach dem Bewerbungsgespräch gelöscht werden. Zudem kann der Absender seine geteilten Daten mit einem „Verfallsdatum“ versehen, so dass diese automatisch gelöscht werden.