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Stolz auf den Neubau sind die Hafner-Geschäftsführer Philipp Reisert, Birgitta Hafner und Heinz-Günter Schenzel (von links). Foto: Ketterl
Stolz auf den Neubau sind die Hafner-Geschäftsführer Philipp Reisert, Birgitta Hafner und Heinz-Günter Schenzel (von links). Foto: Ketterl
Im Wimsheimer Industriegebiet ist ein moderner Gebäudekomplex für das Edelmetallunternehmen C. Hafner entstanden. Foto: Privat
Im Wimsheimer Industriegebiet ist ein moderner Gebäudekomplex für das Edelmetallunternehmen C. Hafner entstanden. Foto: Privat
Landrat Karl Röckinger (rechts) dankte Philipp Reisert für die Entscheidung, in den Enzkreis zu kommen. Dafür gab es die große Steinbeis-Medaille. Foto: Ketterl
Landrat Karl Röckinger (rechts) dankte Philipp Reisert für die Entscheidung, in den Enzkreis zu kommen. Dafür gab es die große Steinbeis-Medaille. Foto: Ketterl
16.10.2015

Einweihungsfeier: C. Hafner in Wimsheim angekommen

Bis 11 Uhr wurden am Freitag noch Edelmetalle gehandelt – die Kunden gehen vor. Dann begann bei C. Hafner auch für die Vertriebsmitarbeiter die große Einweihungsfeier. Stolze 36,7 Millionen Euro hat das Unternehmen am Standort Wimsheim investiert. Entstanden ist ein moderner Gebäudekomplex für Technik, Verwaltung und Produktion.

„Wir haben auf Fels gebaut“, erläuterte Geschäftsführer Heinz-Günter Schenzel beim Rundgang. Den speziell gesicherten Tresorraum im Herzen des neuen Gebäudes durften auch die Festgäste aus Politik und Wirtschaft nicht sehen. Wie in einer ägyptischen Pyramide ist das „Allerheiligste“ des Edelmetallunternehmens mit Sicherheitsschleusen abgeschirmt – mit Kameras, akustischen Sensoren und schließlich hinter einer meterdicken Betonmauer.

165 Jahre lang war das Traditionsunternehmen in der Goldstadt beheimatet. Im August erfolgte der Umzug in den Wimsheimer Neubau. „Ein Neuanfang in der forschungsintensivsten Region Europas“, wie es Firmenchef Philipp Reisert im Blick auf die naheliegenden Entwicklungszentren von Bosch und Porsche ausdrückt. Angesichts der Tatsache, dass man auch mit diesen großen Konzernen um Fachkräfte konkurriere, hätten Familienunternehmen durchaus gewisse Vorteile zu bieten.

Die verkehrsgünstige Lage im Enzkreis sei ideal. „Die Mitarbeiter fahren von Pforzheim aus elf Kilometer“, so Reisert. Die Kompetenz der Mitarbeiter sei hoch. Zur Schmuckregion gehöre eben auch der Enzkreis. Schließlich seien früher auch schon die Rassler aus dem Enzkreis als Schmuckarbeiter in die Goldstadt gekommen.

C. Hafner habe gleich zwei Strukturwandel erfolgreich bestanden – den in der Schmuckindustrie und zuletzt den in der Dentalbranche. Die Digitalisierung führe zu ähnlich dramatischen Veränderungen in Konstruktion und Fertigung von Zahnersatz. Die jahrelange Standortsuche sei nicht einfach gewesen, räumten die Geschäftsführer ein. Trotz anfänglicher Widerstände aus Teilen der Bevölkerung habe man inzwischen wohl die weitaus meisten Wimsheimer überzeugen können, glaubt Reisert und verweist auf etliche Gutachten zur Umweltverträglichkeit.

Das Unternehmen sei gestärkt aus dem schwierigen Abwägungsprozess hervorgegangen und mit dem Neubau, der die Fertigungsabläufe optimiere, glänzend aufgestellt. „Ein Glücksfall“ sei dabei das neue Industriegebiet in Wimsheim gewesen. „Ich habe zufällig im Amtsblatt davon gelesen“, berichtete Schenzel, der selbst in Wimsheim wohnt. Dass Bürgermeister Mario Weißbrich, einer der Befürworter der Ansiedlung, seine Ausbildung als junger Mann ausgerechnet in der Pforzheimer Scheideanstalt absolvierte, war ebenfalls ein Zufall. Der erste Kontakt zur Gemeinde erfolgte im Mai 2012. Im April 2014 erfolgten Baugenehmigung und Baubeginn. Bezogen wurde der Neubau im August 2015.

In der Goldstadt war die Scheideanstalt als Industriebetrieb in der Stadtmitte mit Bestandsschutz quasi nur geduldet. „Es gab keinerlei Erweiterungsmöglichkeit“, erläuterte Philipp Reisert. Das angestammte Firmenareal zwischen Sedanplatz und Goldschmiedeschulplatz soll an einen Investor verkauft werden, der dort ein hochwertiges Mehrgenerationen-Wohnprojekt realisieren möchte.

Ein Drittel ihres Umsatzes macht die Firma C. Hafner, die insgesamt 196 Mitarbeiter beschäftigt, mit dem Recycling von Edelmetallabfällen. Die Herstellung von Halbzeugen (halbfertige Erzeugnisse als Material für die Herstellung von Schmuck und Uhren wie Bleche, Rohre und Drähte) macht ebenfalls ein Drittel des Umsatzes aus. 25 Prozent entfallen auf die Dentalindustrie und der Rest auf die Medizintechnik. Die Wertschöpfung liegt bei über 35 Millionen Euro. Acht Prozent der Erlöse werden in Forschung und Entwicklung investiert. Auch die Nähe zum Wimsheimer Dentalspezialisten Camlog/Altatec signalisiere Synergieffekte. Der neue Firmensitz biete ausreichende Erweiterungsflächen. In einigen Jahren soll auch der Recyclingbetrieb von der Wilferdinger Höhe nach Wimsheim umziehen, wo dann alle bisherigen drei Pforzheimer Standorte konzentriert werden.

Gegen diese Gekrätzveraschung mit hohen Schornsteinen richtet sich der Unmut der Wimsheimer Bürgerinitiative. Die gestrige Eröffnungsfeier mit allen Mitarbeitern und geladenen Gästen gestaltete sich – moderiert von TV-Sprecher Markus Brock – äußerst ansprechend. Statt Grußworten gab es „geistige und ästhetische Anregungen“. Dabei wurden tiefgehende Einblicke in die Entwicklung des Unternehmens vermittelt. Das Charmante dabei: Die Hafner-Gesellschafter stellten sich dem Gespräch mit Professor Thomas Bauernhansel (Uni Stuttgart) und Martin Köhler (Boston Consulting), beides kompetente Gesprächspartner, wenn es um Themen wie Innovation und Zukunftsfähigkeit geht. Und ganz deutlich wurde, dass bei C.Hafner einer Firmenkultur der besonderen Art gepflegt wird. Felix Ladenburger, seit 18 Jahren Beirat im Unternehmen, hat es so formuliert: „Es herrscht zwischen den Gesellschaftern und den Mitarbeitern ein absolut vornehmer Umgang, nie habe ich ein verletzendes Wort gehört.“

Humankapital geschätzt

Auch Birgitta Hafner, Philipp Reisert und Seniorin Ruth Reisert-Hafner machten deutlich, dass es das viel zitierte Humankapital sei, welches C. Hafner so erfolgreich mache. Dabei habe man allerdings – so die Seniorchefin – „immer auch Glück gehabt“. Es mag für ein topmodernes Unternehmen ein Anachronismus sein, im Grunde erklärt diese unzeitgemäße „Marotte“ aber auch, warum in dem in der fünften Generation stehenden Betrieb ein so gutes Miteinander herrscht: Bei C. Hafner gibt es – aus den Zeiten vor dem Ersten Weltkrieg resultierend – noch „Maigeld“ und „Kartoffelgeld“. Ein Bonus der etwas anderen Art – auch am neuen Standort im Enzkreis.

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