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Zahlreiche Fluggäste warten am Flughafen München auf ihren Abflug. Verspätungen sollen künftig schneller vergütet werden. Foto: Balk
Zahlreiche Fluggäste warten am Flughafen München auf ihren Abflug. Verspätungen sollen künftig schneller vergütet werden. Foto: Balk
06.12.2018

Entschädigung für Flugverspätungen und Ausfälle bald per App

Berlin. Der Sommer 2018 hat viele Rekorde gebrochen – auch wenn es um Ausfälle und Verspätungen von Flugzeugen geht. Urlauber saßen an den Flughäfen im wahrsten Sinne des Wortes stundenlang auf gepackten Koffern. So manchem wird das den entspannten Start in die Ferien verdorben haben.

Entschädigungen beantragten trotzdem nur wenige – nach Ansicht der Politik auch, weil die Verfahren viel zu kompliziert sind. Bei einem Spitzentreffen sagten gestern die Fluggesellschaften zu, das zu erleichtern und die Passagiere im Ernstfall besser zu informieren. Entschädigungen sollen laut Verbraucherschutzministerium künftig über zentrale Anlaufstellen abgewickelt werden, die Passagiere sollen sie nicht nur per Brief, sondern beispielsweise auch über eine Smartphone-App beantragen können. Außerdem wollten Fluggesellschaften und Flughäfen die Kunden per SMS, E-Mail, App und auf Anzeigetafeln im Terminal besser über Verspätungen und Ausfälle informieren.

„Transparente, zügige und einfache Entschädigungsverfahren sowie die Akzeptanz von Schlichtungen sind aus unserer Sicht wichtige Schritte auf dem Weg hin zu einer Verbesserung der Situation“, sagte Staatssekretär Gerd Billen. Die Änderungen seien nicht kompliziert und könnten zeitnah kommen – das Ministerium werde „mit Nachdruck“ nachfassen.

Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) hatte zuvor „dringenden Handlungsbedarf“ angemahnt. Fluggäste brauchten transparente Informationen besonders dazu, wo sie Entschädigungen beantragen könnten. „Die Hinweise zu Ansprüchen, Beschwerde- und Schlichtungsmöglichkeiten gehören gut sichtbar auf die Startseite“, forderte sie. Ausgleichsleistungen müssten so einfach werden wie der Ticketkauf. Die SPD-Fraktion hatte gefordert, wer online ein Ticket buche, sollte auch per Klick an seine Entschädigung kommen. Angestoßen wurde die Diskussion von einem Chaos-Sommer am Himmel. Nach einer Übersicht des kommerziellen Internetportals AirHelp fielen in Deutschland von Januar bis Mitte September mehr als 14 000 Flüge aus, mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mehr als jeder vierte Flug in Deutschland (28,8 Prozent) war entweder verspätet oder wurde ganz gestrichen.

„Die Zahl der Flugausfälle und Verspätungen im vergangenen Sommer waren inakzeptabel“, erklärte Verkehrsstaatssekretär Guido Beermann. Grund waren Streiks und Unwetter genauso wie Sicherheitspannen, Nachwehen der Air-Berlin-Insolvenz und simple Fehlplanungen der Airlines. Nach Rechnung des Portals löste das Ansprüche der Passagiere an die Fluggesellschaften in Höhe von 823 Millionen Euro aus. Ob Fluggesellschaften wie Ryanair angesichts der Streiks zur Kasse gebeten werden können, ist allerdings noch umstritten. Gestern kündigte die britische Luftverkehrsaufsicht CAA rechtliche Schritte gegen die Airline an, weil diese ihre Passagiere nicht entschädigen will. Ryanair beruft sich dabei auf die bisherige Rechtsprechung, dass Streiks zu den „außergewöhnlichen Umständen“ zählen, bei denen die Airlines nicht zahlen müssen. Das sieht die CAA bei Crew-Streiks anders.