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Die Zentralen der Deutschen Bank (links) und der Commerzbank könnten zur langjährigen Baustelle werden. Foto: Dedert
Die Zentralen der Deutschen Bank (links) und der Commerzbank könnten zur langjährigen Baustelle werden. Foto: Dedert
Hält sich zurück: Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank. Foto: Dedert
Hält sich zurück: Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank. Foto: Dedert
24.04.2019

Entscheidung im Fusionspoker naht: Finale Gespräche zwischen Deutscher und Commerzbank

Frankfurt. Führen die Sondierungsgespräche tatsächlich in konkrete Verhandlungen über einen Zusammenschluss? Und wird am Ende der von der Politik herbeigesehnte „nationale Champion“ geschmiedet? Oder kommen die Vorstände von Deutscher Bank und Commerzbank schon nach knapp sechs Wochen intensiver Prüfung zu dem Schluss, dass die Banken-Hochzeit keinen Sinn ergibt?

Mitarbeiter und Kunden, Investoren und Aufseher erwarten Klarheit über den weiteren Kurs. In dieser Woche könnte es so weit sein: Ende März hatte Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner angekündigt, Deutschlands größtes Geldhaus wolle sich im Umfeld der Quartalszahlen zum Stand der Gespräche äußern. Der Dax-Konzern veröffentlicht seine Zwischenbilanz an diesem Freitag.

Nach Einschätzung von Analysten soll die Deutsche Bank in den ersten drei Monaten dieses Jahres noch weniger verdient haben als im schon mageren Vorjahresquartal. Analysten rechnen im Schnitt mit 55 Millionen Euro Gewinn. Im ersten Quartal 2018 hatte das Institut 120 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen – nach 575 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Rettet die Commerzbank die Deutsche Bank? In einer größeren Einheit könnten auf Dauer die Kosten deutlich gedrückt werden – dies allerdings wahrscheinlich auch über den Abbau Tausender Jobs und Filialschließungen. Zusammen haben Deutsche Bank und Commerzbank bundesweit gut 1500 Filialen – ohne die Postbank-Standorte. Manche der Geschäftsstellen befinden sich in Laufnähe zur derzeitigen Konkurrenz– und könnten daher auf die Streichliste kommen.

Die Gewerkschaft Verdi rechnet im schlimmsten Fall mit dem Abbau von 30.000 Jobs. Ende 2018 hatten die beiden Institute zusammen gut 133.000 Vollzeitstellen. Zunächst würde ein Personalabbau in dieser Größenordnung allerdings viel Geld kosten.

Eine implizite Staatsgarantie hätte ein vereinigtes Institut aller Voraussicht nach auch – was bei der Aufnahme frischer Gelder am Markt helfen würde. Der Bund ist derzeit mit 15,6 Prozent größter Einzelaktionär der Commerzbank – und vieles spricht dafür, dass der Staat an einem fusionierten Institut beteiligt bliebe. Denn um nach der milliardenschweren Rettungsaktion für die Commerzbank in der Finanzkrise vor zehn Jahren ohne Verlust auszusteigen, müsste je Aktie ein Preis von etwa 26 Euro erzielt werden, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht. Zuletzt schaffte es das Papier des im Herbst in den MDax abgestiegenen Instituts knapp über die Acht-Euro-Marke.

Große Widerstände gegen eine Fusion gibt es in der Belegschaft beider Häuser. Der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank hatte den Vorstand des teilverstaatlichten Instituts bereits Ende März aufgefordert, das Fusions-„Abenteuer“ zu beenden.