Die EZB hat erstmals seit 2023 die Leitzinsen im Euroraum angehoben.
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Wirtschaft
Erste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank seit drei Jahren: „Gift für die Konjunktur“

Die Freude über die erste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) seit drei Jahren hält sich in Grenzen. Klar möchten die Währungshüter etwas gegen die steigende Inflation tun. Die EZB kalkuliert, dass Verbraucher weniger Geld ausgeben, Unternehmen weniger investieren, die Nachfrage sinkt und der Preisdruck nachlässt.

Ein Kommentar von PZ-Redakteur Lothar Neff

Für Sparer dürfte diese Nachricht bedeuten, dass Banken die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld erhöhen. In der Praxis geben viele Banken höhere Zinsen jedoch nur teilweise oder verzögert weiter. Ein Vergleich der Konditionen lohnt sich deshalb in jedem Fall – denn es gibt beträchtliche Unterschiede bei der Höhe der Verzinsung. Wer sein Geld einfach auf dem Girokonto liegen lässt, bekommt kaum etwas davon mit. Im Gegenteil: Die Inflation frisst das Vermögen langsam auf.

Doch steigende Zinsen sind Gift für die in Deutschland ohnehin lahmende Wirtschaft. Dringend erforderliche Investitionen werden dadurch abgewürgt. Der Trend zur Verlagerung der Produktion ins Ausland wird tendenziell verstärkt.

Zugleich dürften die Kreditzinsen weiter steigen. Die Baufinanzierung wird teurer. Auch für den Aktienmarkt sind Zinserhöhungen keine gute Nachricht, weil Anleger ihre Aktien dann eher in festverzinsliche Geldanlagen umschichten.

Und: Trotz der EZB-Zinserhöhung als Gegenmaßnahme wird die Inflation weiter steigen. Dafür sorgt schon der Ende Juni auslaufende Tankrabatt. Der ungelöste Konflikt am Persischen Golf wird die Energiepreise weiter anfeuern. Im Krieg zwischen dem Iran und den USA ist kein tragfähiger Waffenstillstand oder gar ein verlässlicher Frieden in Sicht.

In Deutschland wächst unterdessen die Angst vor einer Rezession, weil die politischen Akteure nicht gerade den Eindruck erwecken, dass sie den Willen zu tiefgreifenden Reformen haben. Einigkeit herrscht offenkundig nur über die wachsenden Probleme – nicht aber über deren Lösung.