nach oben
Mit Neubau weiter auf Erfolgskurs: Astrid und Thomas Herrmann, Ingeborg und Walter Herrmann, Sabine Herrmann-Brauss (von links).
Mit Neubau weiter auf Erfolgskurs: Astrid und Thomas Herrmann, Ingeborg und Walter Herrmann, Sabine Herrmann-Brauss (von links). © Tilo Keller
02.12.2018

Erweiterungsbau am Stammsitz: Herrmann Campus – die neue Arbeitswelt

Es gibt einige dieser Spezies in unserer Region. Erfinderische, tüchtige Unternehmer, die unter einfachsten Bedingungen in die Selbstständigkeit gestartet sind, mit einem engagierten und wachsenden Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein kräftiges Wachstum hingelegt haben und heute auf ein stolzes Lebenswerk verweisen können. Zu ihnen gehört der Pforzheimer Walter Herrmann.

Seine Geschichte begann 1961 in einer Garage in Ötisheim. Dort entwickelte der gelernte Elektromechaniker den ersten Ultraschall-Maschinengenerator. Seine Geräte hat er selbst verdrahtet und sie auch beim Kunden montiert. Vier Jahre später der Umzug in eine Holzbaracke in Langensteinbach. Die Industrie hatte Bedarf an effizienten Reinigungsanlagen für polierte Bestecke und Edelstahlkochtöpfe, für Zahnräder und anderes mehr.

Walter Herrmann nahm die Herausforderung an und stürzte sich auf die Herstellung solcher Anlagen. Dazu bedurfte es erneut finanzieller Mittel. „Wir waren gerade ins Geldverdienen gekommen und nun mussten wir schon wieder kräftig investieren“, kommentiert er die damalige Lage.

„Weltmarktführer geworden“

Der große Durchbruch aber kam, als Walter Herrmann sich ganz auf die neue Technologie des Ultraschall-Schweißens konzentrierte. „Der Erfolg stellte sich ein“, umschreibt er die Situation. Tatsächlich schuf er als Spezialist für die Ultraschall-Schweißtechnologie – begleitet von Patenten und Auszeichnungen für seine Pionierarbeit - die Basis für ein rasantes Wachstum, so dass er heute konstatieren kann: „Mit der Prozess-Steuerung sind wir zum Weltmarktführer geworden!“. Immer mit dabei – seine Frau Ingeborg. Sie hat mit dafür gesorgt, dass die Finanzen stimmten und die Erträge immer wieder investiert wurden.

So kommt es, dass das seit 1973 in einem Neubau im Ittersbacher Industriegebiet angesiedelte Unternehmen – in Pforzheim gab es für die Herrmanns schon damals kein geeignetes Grundstück –, heute an 24 Standorten in 19 Ländern präsent ist. Diese erfolgreiche Expansion ist in erster Linie Sohn Thomas Herrmann und Tochter Sabine Herrmann-Brauss zu verdanken. Denn frühzeitig hat man erkannt, dass man mit eigenen Technologiezentren den Kunden nahe sein muss, um mit ihnen gemeinsam Probleme zu lösen oder neue Anwendungen zu entwickeln.

Nun auch Metallverschweißen

Weitsichtig hatten die Herrmanns ein großflächiges Areal erworben, so dass einer gesunden Entwicklung nichts im Wege stand. Nach Erweiterungsbauten in den Jahren 2000 und 2008 kam jetzt ein dritter Erweiterungsbau hinzu – eine 20-Millionen-Investition –, so dass die „Hermann Ultraschall GmbH“ nun über 18 400 Quadratmeter Produktionsfläche verfügt. Zu den etablierten Geschäftsbereichen Verschweißen von Spritzgussteilen, Versiegeln von Verpackungen und Verschweißen von Vliesstoffen für die Hygieneindustrie kommt mit „Metall“ ein weiterer Geschäftsbereich bei den Ultraschall-Welten dazu – das Verschweißen von Nichteisen-Metallen wie Kupfer und Aluminium. Was immer es auf dem Weltmarkt zu verpacken und zu versiegeln gilt – bei Herrmann hat man es längst mit großer Perfektion im Griff.

Mit berechtigtem Stolz konnte Thomas Herrmann anlässlich der Einweihung des Erweiterungsbaues seinen Premiere-Gästen deshalb mitteilen: „Dank großer Visionen haben wir Großes geschaffen.“ In der Tat ist es nicht vermessen, wenn der „Junior“ vom Aufbruch in eine neue Welt spricht, denn ein Rundgang durch die großzügig angelegten Produktionsstätten, hochtechnisierten Labors und coolen Entwicklungsbüros – stets flankiert von Meeting-Zonen – lässt erkennen: In dieser Firma mit ihren rund 500 „Team-Mitgliedern“ herrscht ein eigener Spirit, ein Team-Geist der besonderen Art. Konsens geschieht durch Kommunikation. Um Weiterbildung und Wissenstransfer ist eine hauseigene Akademie bemüht. Die moderne Arbeitswelt ist im Wandel – im Herrmann-Campus ist dieser Prozess weit fortgeschritten.

Firma mit Philosophie

Über alle Etagen spürt man eine Begeisterung für Menschen und Kunden. Die moderne, entspannte Arbeitswelt hat hier Einzug gehalten. Thomas Herrmann sagt es so: „Wir sind eine Firma von Bereitschaft und Fleiß.“ Es klingt deshalb nicht vermessen, wenn diese Unternehmensphilosophie einen Namen hat: Herrmann-Campus. Aus der Ötisheimer Garagenwerkstatt ist dank einer brillanten, zukunftsweisenden Technologie ein Global Player – ein Weltunternehmen – geworden, dessen Entwicklung noch lange nicht beendet ist.

Die gerade eingeweihten Produktionsflächen von fast 9000 Quadratmetern lassen Luft nach oben. Mit gesundem Selbstbewusstsein präsentierte die Unternehmer-Familie den neuen Herrmann-Campus der Öffentlichkeit. Dass den Mitarbeitern und deren Familien eine besondere Einladung gilt, versteht sich bei den Herrmanns von selbst, denn ausgestattet mit sozialer Kompetenz unterstützen sie schon immer das Ehrenamt ihrer Beschäftigten und soziale Projekte in ihrem Wirkungskreis.

Gründerpreis fürs Lebenswerk

Im Mai erhielt Walter Herrmann, 84, aus den Händen von Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut den Gründerpreis des Sparkassenverbandes. Walter und Ingeborg Herrmann – in Pforzheim zu Hause – blicken mit Stolz auf ihr Lebenswerk. Sohn Thomas und Tochter Sabine haben es im Eingangsbereich mit einem kleinen, aber feinen Museum in Szene gesetzt. Mittendrin: Ein Hochsitz im lauschigem Wald, Glückshormone für das passionierte Jäger-Ehepaar Walter und Ingeborg Herrmann. Flankiert von einem gerne zitierten Bonmot des Firmengründers: „Die Jagd ist meine Leidenschaft – das Finanzamt müsste sie unterstützen. Denn auf dem Hochsitz, wenn Ruhe einkehrt, kommen mir die besten Ideen, die das Unternehmen vorangebracht haben.“