Zum Abschied wollte Jochen Sauer am Dienstagmorgen noch mal den Sonnenaufgang auf dem Dach der Pforzheimer Schlössle-Galerie genießen.
„Meine Mitarbeiter dürfen mir dann nicht in die Augen gucken, denn da sind schon einige Tränen dabei“, sagt der scheidende Center-Manager. Die Schlössle-Galerie ist ihm ans Herz gewachsen, schließlich war Sauer mit kurzer Unterbrechung knapp zehn Jahre für das Einkaufscenter organisatorisch verantwortlich. „Es war auch mein Schlössle.“
Der Abschied fällt ihm schwer. Wobei der 33-Jährige seinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus hinterlässt, das seine Handschrift trägt. Im Ranking von bundesweit 400 Einkaufscentern liegt die Schlössle-Galerie seit Jahren unter den 50 führenden Häusern, was die Wertschätzung unter den Mietern angeht. „Fast schon familiär“ könne man die Beziehung untereinander bezeichnen, so Sauer im Gespräch mit der PZ. Auch die Kunden gehen gerne ins Schlössle. Er selbst habe nicht nur das Einkaufscenter, sondern die ganze Goldstadt liebgewonnen, betont der gebürtige Mannheimer. „Ich habe hier sympathische Geschäftspartner und Freunde gefunden.“ Mit 33 Jahren sucht er eine neue Herausforderung, die ihn im Februar nach Frankfurt führen wird. „Es geht um die Neu-Positionierung von Shopping-Centern“, verrät Sauer, wo er für Projekte eines internationalen Finanzkonzerns zuständig sein wird.
Als er im Sommer 2007 als Junior-Manager nach Pforzheim kommt – ist er gerade 24. „Mein Alter hat mir vieles erleichtert.“ Seine aufgeschlossene Art kommt in der Schlössle-Galerie gut an, die ursprünglich für ein ganz junges Publikum konzipiert ist – und deshalb auch Anlaufschwierigkeiten hat.
Seit der Umgestaltung im Jahr 2011 läuft es rund. Alle Flächen sind seither vermietet. Ein attraktives Veranstaltungsprogramm mit Modeschauen, Fotowettbewerben und Events sorgt für gute Frequenz. „Ich hatte stets die nötige Handlungsfreiheit.“ Jochen Sauer ist es gelungen, den Branchen-Mix auf die spezifischen Pforzheimer Anforderungen auszurichten. Stillstand geht gar nicht, ist der scheidende Center-Manager im Blick auf die fortschreitende Digitalisierung überzeugt. Da müsse man einfach dabei sein. „Es ist mehr als ein Einkaufscenter. Viele Pforzheimer identifizieren sich mit der Immobile und kommen gerne in die Schlössle-Galerie.“
Dabei halte sich der typische Pforzheimer bei der Begeisterung für seine Heimatstadt eher zurück und suche nach Kritikpunkten. „Die gibt es natürlich“, räumt der in Heidelberg wohnende Sauer ein. Das fange mit der Fußgängerzone an, die im Übrigen bei der Schlössle-Galerie beginne. Auch in diesem innerstädtischen Bereich wünscht er sich von der Stadt eine gestalterische Aufwertung und eine räumliche Begrenzung des öffentlichen Personennahverkehrs durch eine Busspur. Auch der Anlieferverkehr müsse optisch gebremst werden. Das Projekt Innenstadt-Ost sei eine riesige Chance, sagt Sauer. Nicht nur um neue Angebote für Handel und Gastronomie zu schaffen, sondern auch urbanes Flair durch attraktive Wohnquartiere und Ladenzeilen.

