Scheitern war keine Option. Von Anfang an. „Das muss klappen, hab ich mir gesagt.“ Was folgte, war ein Crashkurs im Unternehmertum, Fehler eingeschlossen. Und das war gut so. Denn: „Aus den Fehlern habe ich am meisten gelernt.“ Entwaffnend ehrlich spricht der 28-jährige Rafy Ahmed über seine ersten Erfahrungen als Textilunternehmer in der Sportkleidungsbranche.
Und spielt damit einen seiner größten Trümpfe aus: Seine Authentizität. Neben seiner Beharrlichkeit hat ihm diese besonders geholfen, quasi aus dem Stand heraus eine Marke zu gründen und damit innerhalb kürzester Zeit einen Jahresumsatz von 1,3 Millionen Euro zu erwirtschaften. „Morotai“, so der Name, benannt nach einer indonesischen Insel. Das Erfolgsrezept: Coole Klamotten, entworfen und produziert von Leuten, die diese auch selber tragen. Vor dem Publikum der Veranstaltung „Creative after work“ im EMMA-Kreativzentrum, Studenten, Unternehmern und anderen Interessierten, gab er nun Einblicke in diese spannende Phase seines Lebens. Begonnen hatte alles als Teil seiner Bachelorarbeit, die der ehemalige Modedesignstudent in Pforzheim zu schreiben hatte. 2016 war das, und was damals mit vier Leuten begann, hat sich zu einem veritablen Unternehmen mit Sitz in Birkenfeld entwickelt. 22 Mitarbeiter, davon 15 festangestellte. Die Sportkleidung, minimalistisch in der Farbauswahl, schwarz, weiss, grau und daher gut kombinierbar, wird an 40 Standorten in Deutschland verkauft, demnächst auch in der Schweiz und in Österreich. Über den Versandhändler Zalando sind außerdem 15 Länder in Europa abgedeckt, doch auch dort soll ein Vertrieb über neue Standorte folgen. Die Zeiten, in denen der Chef selbst im Lager die Bestellungen verpackt hat, sind schon Geschichte. Spätestens nach dem Auftritt in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ und mit dem Einstieg der Investorin Dagmar Wöhrl gingen die Bestellungen bei dem Startup durch die Decke.
Eine neue Marke zu gründen, noch dazu für Sportkleidung, verrückt! Doch keine Hürde für Rafy Ahmed, der sich das fest in den Kopf gesetzt und offensichtlich in eine Marktlücke gestoßen ist. Während die großen „Player“ wie Nike oder Adidas mit einem schier unüberschaubaren und teilweise sehr spezifischen Sortiment den Markt offenbar längst unter sich aufgeteilt haben, kommt Morotai als modulares, integriertes Konzept daher. Die Teile lassen sich untereinander kombinieren, die Grenze zwischen Sport- und Freizeitkleidung verwischt und technische Details wie Führungen für Kopfhörerkabel oder Reflektoren spiegeln den innovativen Anspruch wider. Hoch sind auch die Ansprüche an den eigenen Erfolg. Angepeilt ist ein baldiger Jahresumsatz von sechs Millionen Euro, auf dem Weg dorthin sollen neue Partnerschaften helfen. Etwa mit dem Fernsehsender ProSieben/Sat1, der ebenfalls eingestiegen ist. Im Gegenzug dafür soll die neue Kollektion der Marke mit massiven Werbespots im Markt verankert und die Reichweite im besten Fall deutlich erhöht werden. Hergestellt wird die Kleidung in Pakistan, wo der Firmengründer seine Wurzeln hat. Zwar komplett in Deutschland aufgewachsen spricht er jedoch auch die Landessprache Urdu, was ihm vor Ort geholfen hat, die Produktion mit inzwischen 600 Arbeitern in Gang zu bringen.

