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Professor Bernhard Kölmel (von links), Anna Christmann, (Die Grünen), Carsten Kraus, Omikron Data/Fact Finder und Moderatorin Friederike Keitel, Geschäftsführende Kreisvorständin Bündnis 90/Die Grünen).  Foto: Frommer 

Experten diskutieren im Innotec über Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz

Pforzheim. Schlaglichtartig beleuchtet: Die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz (KI) auf Arbeit und Gesellschaft. Im Zentrum für Software, Technik und Design „Innotec“ stand die KI am Mittwochabend im Fokus einer Podiumsdiskussion mit kompetenten Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft: Auf Einladung von Bündnis 90/Die Grünen erörterten die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Anna Christmann (Mitglied der Enquete-Kommission zur KI), der Pforzheimer Omikron-Gründer und Vorstandsvorsitzende Carsten Kraus und Professor Bernhard Kölmel, stellvertretender wissenschaftlicher Direktor des „IoS³“, des Instituts für Smart Systems und Services an der Hochschule Pforzheim.

Nach der kurzen Anmoderation durch Frederike Keitel (Bündnis 90/Die Grünen) widmeten die drei Referenten dem Stand der Dinge jeweils einen zehnminütigen Impulsvortrag. Anna Christmann führte aus: „Gerade in Baden-Württemberg müssen sich Grüne mit KI beschäftigen“. Schließlich gehe es darum, das Know-how im Land zu halten. Man müsse und wolle mitreden und mitgestalten. Und: „Technologie sollte immer auch danach beurteilt werden, ob sie dazu beiträgt unseren Lebensstandard zu bewahren“. Einen Mehrwert durch die KI sah die Abgeordnete etwa bei Krebsdiagnose, der Ressourceneinsparung oder Effizienzsteigerung von Windkraftanlagen. In der Arbeitswelt sieht sie hingegen viele offene Fragen: Als konkretes Beispiel führt sie die Sichtung von Bewerbungsunterlagen bei Amazon an. Die KI-gestützte Personalauswahl „spiegelte letztlich die bereits zuvor im Unternehmen gelebte Diskriminierung von Frauen wider“. Es gelte Transparenzanforderungen an die künstliche Intelligenz zu richten, die Gleichheit und Grundrechtsschutz sicherstellen. „Das Recht auf Weiterbildung muss ‚on the job‘ wahrgenommen werden können. Nicht erst, wenn man keinen mehr hat“, sagte Anna Christmann.

Omikron-Chef Carsten Kraus verwies in seiner Power-Point-Präsentation auf die rasante Entwicklungsgeschwindigkeit der KI. Dazu zählten beispielsweise Fitnessmaschinen, die in nicht allzu ferner Zukunft auf Bestellung selbstständig zu Hausbesuchen kommen. „Wir müssen selbst Treiber sein, sonst können wir später nicht mehr mitreden.“

Bernhard Kölmel, Professor für Global Process Management, lieferte einen kompakten Überblick zur Begrifflichkeit: Er unterschied die „Artifizielle Superintelligenz“, von der man noch weit weg sei, von der „Schwachen KI“, bei der immer der Mensch vorgibt, was rauskommen soll (Bild-, Sprach- und Texterkennung, Navigationssysteme) und von der „Starken KI“, die ein übergreifendes Verständnis besitze und „nicht mehr nur reaktiv handelt, sondern auch aus eigenem Antrieb – intelligent und flexibel“. Er bewertete die hohen Energiekosten in Deutschland als klaren Wettbewerbsnachteil und sah dennoch Chancen für neue Jobs. Das Podium zeigte sich weitestgehend einig in der aktuellen Bewertung der KI. Unterschiedliche Sichtweisen offenbarten Kölmel und Kraus bei Open-Source-Software. Kraus: „Man kann alles zur Waffe machen, was man hacken kann“. Alle drei Referenten sahen eine wachsende Bedeutung in fast allen Branchen.