Freudenstadt/Pforzheim. Wie können im ländlichen Raum des Nordschwarzwaldes angesiedelte Firmen die begehrten Fachkräfte anlocken und halten? Für Kurt Schmalz, Chef des Vakuumtechnikspezialisten J. Schmalz GmbH in Glatten bei Freudenstadt, ist die Antwort klar: über die Bildungsschiene.
Also trieb er gemeinsam mit Klaus Fischer, Chef der Fischer-Werke in Waldachtal, eine Kooperation mit der Universität Stuttgart voran. Sie gewannen weitere Unternehmen wie Homag in Schopfloch oder Arburg aus Loßburg als Mitstreiter, insgesamt sind derzeit 13 Firmen beteiligt. Außerdem band Schmalz als Vizepräsident der IHK Nordschwarzwald die Kammer in Person von Hauptgeschäftsführer Martin Keppler und Geschäftsführer Markus Wexel in die Organisation mit ein.
Das Ergebnis liegt nun vor: Von 2019 an werden Studenten der Universität Stuttgart in den Masterstudiengängen Maschinenbau/Technologiemanagement die Themenbereiche Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Führung am Standort Freudenstadt belegen können. Offizieller Name des Trägers: „Centrum für Digitalisierung, Führung und Nachhaltigkeit Schwarzwald eGmbH.“ Geschäftsführer: Stefan Bogenrieder.
Der Wissenstransfer von der Theorie in die Praxis soll in einem zweiten Schritt mit einem Lehr- und Forschungslabor am Campus ermöglicht werden. Und nicht zuletzt sind Masterarbeiten in Zusammenarbeit mit den regionalen Unternehmen vorgesehen, bei denen auch die Möglichkeit zu Praktika besteht.
Hintergrund allen Handelns: Die Studenten sollen über den Campus den Schwarzwald und seine Firmen kennen- und schätzen lernen und als Absolventen und Fachkräfte der Region erhalten bleiben.
In dieser Woche unterzeichneten Uni-Rektor Professor Wolfram Ressel und Campus-Geschäftsführer Stefan Bogenrieder im IHK-Haus Freudenstadt einen vorerst über zwölf Jahre laufenden Kooperationsvertrag.
Insbesondere der Freudenstädter Oberbürgermeister Julian Osswald freute sich über das Projekt. Seine Stadt war neben Horb einer der Standortbewerber und erhielt den Zuschlag. Gut erreichbar in Bahnhofsnähe wird nun ein städtisches Gelände für den Campus umgebaut. Anfang 2019 könnten die Räume belegt werden, erklärt Osswald auf PZ-Anfrage.
Allerdings wollten die Initiatoren nicht erst bis zur Fertigstellung der Räumlichkeiten warten. Deshalb gibt es bereits seit dem Sommersemester 2016 Vorlesungen in Stuttgart oder in regionalen Unternehmensräumen. Und es seien vier Masterarbeiten am Laufen. Aktuell belegen Bogenrieder zufolge 40 Studenten das provisorische Campus-Semester. Vorgesehen sind zwei Stiftungsprofessuren.
Der Gemeinderat von Freudenstadt hat einstimmig seinen Segen für den jährlichen Zuschuss von einer Viertel Million Euro gegeben. Der Landkreis Freudenstadt wird sich mit derselben Summe beteiligen, erklärte Landrat Klaus Michael Rückert. Die beteiligten Unternehmen leisten laut Bogenrieder einen finanziellen Beitrag von mehr als einer halben Million Euro jährlich.
Für das noch zu bauende Studentenwohnheim mit 48 Wohnungen auf dem 3200 Quadratmeter großen Areal an der Herzog-Eberhard-Straße 51 nannte Landrat Rückert eine 100-prozentige Tochter der Sparkasse Freudenstadt als Investor. Es gehe um einen „größeren einstelligen Millionenbetrag“ erklärt er.
Nachhaltigkeit als Fach
Die Universität Stuttgart beschreitet laut Rektor Ressel mit dem „Campus Schwarzwald“ Neuland. Unternehmen Klaus Fischer bezeichnete „Management und Führung“ als wichtiges Thema. Ebenso begrüßte er das Fach Nachhaltigkeit, ein Thema, das bei den Fischer-Werken unter dem Titel „Kaizen“ seit vielen Jahren gepflegt und gefördert wird. Kurt Schmalz ergänzte: „Wir wollen nicht nur tolle Ingenieure haben, sondern auch Führungskräfte, die das Thema Nachhaltigkeit verstanden und verinnerlicht haben und in der Lage sind, Menschen zu begeistern und zu führen.“
PZ-Frage an Kurt Schmalz: Warum wurde dieses Projekt nicht mit der Hochschule Pforzheim als einer Bildungseinrichtung aus dem Nordschwarzwald durchgeführt? Antwort: „Wir haben eine gute Versorgung mit Studierenden aus den Hochschulen der Region. Aber wir haben ein großes Problem, universitäre Absolventen in die Region zu bekommen. Dieses i-Tüpfelchen hat uns gefehlt“, sagte Schmalz und fügte hinzu: „Wir wollen auf Excellence-Niveau Lehre, Forschung und Zusammenarbeit mit den Unternehmen anbieten.“ Aber: „Das schließt nicht aus, dass wir künftig mit der Hochschule Pforzheim oder anderen kooperieren. Es ist sogar unser Bestreben, weitere Angebote am Campus anzubieten und da passt es hervorragend, auch mit der Hochschule Pforzheim entsprechende Programme anzubieten.“
Dies bekräftigte IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler: Man wolle die Bildungsinfrastruktur insgesamt in der Region stärken. „Und dazu gehört natürlich auch die Zusammenarbeit mit der Hochschule Pforzheim.“

