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Stefanie Braun und Kevin Farr (Mitte) erläutern beim Felss Innovationstag einem Kunden den Einsatz von smart glasses bei der Ferndiagnose von Maschinenstörungen. Die Digitalbrille mit Kamera erspart oft die Anreise eines Servicemitarbeiters. Foto: Neff
Stefanie Braun und Kevin Farr (Mitte) erläutern beim Felss Innovationstag einem Kunden den Einsatz von smart glasses bei der Ferndiagnose von Maschinenstörungen. Die Digitalbrille mit Kamera erspart oft die Anreise eines Servicemitarbeiters. Foto: Neff
12.10.2018

Felss beleuchtet beim Innovationstag Herausforderungen für Automobilzulieferer

Königsbach-Stein. Vor 50 Jahren war Braunkohle die Energiequelle schlechthin, erinnert sich Professor Matthias Putz an seine Kindheit im Erzgebirge. Umweltaspekte spielten damals bei unternehmerischen Entscheidungen kaum eine Rolle – wichtig war der größtmögliche Profit mit möglichst geringem Kapitaleinsatz.

Der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in Chemnitz war am Donnerstag einer der hochkarätigen Referenten beim Felss-Innovationstag zum Thema Effizienz in Königsbach-Stein.

Der Automobilzulieferer Felss ist Partner der Industrie und arbeitet deshalb an neuen Antriebskonzepten, nutzt die Digitalisierung und setzt konsequent auf Vernetzung. Unterstützt wird man dabei auch vom Chemnitzer IWU – mittlerweile wurden 15 Projekte gemeinsam realisiert. Das Ziel: Alle verfügbaren Daten in Wissen und letztlich in Wertschöpfung umzusetzen. „Industrie 4.0 heißt, dass wir die komplexen Produktionsabläufe beherrschen wie heute unser iPhone“, sagte Putz. Die grüne Fabrik soll beispielsweise die Energiewende gewinnbringend nutzen, um unter dem Stichwort „flexible Energie“ das zeitweise vorhandene Überangebot an Sonne und Windkraft anzuzapfen, erläuterte der Fraunhofer-Experte. Die Digitalisierung müsse man mit allen Sinnen erfahren und mit einem guten Gefühl begrüßen.

Die Elektromobilität verändert die Automobilbranche – doch was bringen die Veränderungen mit sich? „Keiner weiß derzeit mit Sicherheit, welchen Anteil Elektroautos in der Zukunft haben werden“, erläuterte Holger Richter, Direktor von Schlegel+Partner und verwies auf unzählige Studien mit den unterschiedlichsten Ergebnissen. „Zulieferbetriebe müssen jetzt Entscheidungen treffen, ohne zu wissen, in welche Richtung die Reise tatsächlich geht.“ Die Marktforschungs- und Unternehmensberatungs-Firma aus Weinheim hat deshalb das Ohr am Puls der Branche, um auf aktuelle Entwicklungen flexibel zu reagieren. Dabei sei er ohne die magische Glaskugel unterwegs, betonte Richter. Während das Ausmaß der mobilen Elektrifizierung unklar sei – „es wird wohl einen Energie-Mix geben“ – ist der Referent überzeugt, dass Fahrerassistenzsysteme weitaus dramatischere Auswirkungen auf die Zulieferbranche hätten: Nicht auszudenken, wenn mit dem Lenkrad im Autonomen Fahrzeug auch die komplette Lenksäule wegfällt. Die Unternehmen müssten teure Produktionskapazitäten vorhalten und zugleich an Innovationen arbeiten, so Richter.

Mit 18 Jahren den Führerschein zu machen und ein eigenes Auto zu fahren, sei längst nicht mehr selbstverständlich. Zu erwartende Rückgänge beim Verbrennungsmotor und das veränderte Mobilitätsverhalten könnte die Markenkultur insgesamt erschüttern. Doch in diesem Veränderungsprozess gebe es auch Chancen.