Gerhard Förster ist tot. Der Pforzheimer Unternehmer wurde 84 Jahre alt. 1907 gründete sein Großvater Bernhard Förster in der Goldstadt eine Schmuckfabrik, in der später auch Uhrenrohwerke und Armbanduhren der Marke Foresta produziert wurden. Darunter die erste digitale Armbanduhr, die neben der Zeit auch das Datum sowie den Wochentag anzeigte und 1972 auf der Baseler Messe als Weltneuheit vorgestellt wurde.
Er hat die Firma über 60 Jahre lang geprägt. In den Kriegsjahren war das Leben für Gerhard Förster, geboren 1935 als Sohn einer Spanierin, nicht gerade einfach. Er durfte selbst zu Hause kein Spanisch sprechen. Ein Mann, der schon in jungen Jahren – nach seiner Lehre in der Bleistift-Fabrik Fend in Pforzheim – zu Reisen begann. Er wollte raus aus Pforzheim, die Welt sehen und Sprachen und Menschen kennenlernen. Sein Vorbild war Carl Jaisele – seinerseits Chef in der Bleistift-Fabrik und für den jungen Förster „leuchtendes Beispiel“ – der Briefe in Englisch, Spanisch und Französisch ebenso mühelos schrieb wie in seiner Muttersprache Deutsch.
Förster studierte ein Jahr an der internationalen Handels-Schule in Neuchâtel, sammelte erste Arbeitserfahrungen in London und Belgien und legte schließlich in Spanien bei seinem Onkel den Grundstein für seinen beruflichen Werdegang im Bereich Vertrieb. Nach seiner Zeit in Spanien verbrachte er noch viele Monate in Philadelphia (USA).
Als er seine Frau Ursula kennenlernte, kam er zurück in die Goldstadt und blieb der Familie wegen. 1957 stieg er in den Familienbetrieb ein und kümmerte sich dort um den Vertrieb. Rohwerke gingen im Export nicht gut, Federringe jedoch umso mehr. Er gewann weltweit Kettenfabriken als Kunden und entdeckte dabei auch die Zollfreiheit, die die USA auf bestimmte Waren in weniger gut aufgestellten Ländern gewährte. Seine dabei größte Aufgabe war 1976 die Gründung der Federring-Fabrik auf Mauritius, die dank ihrer Lage eben diesen zollfreien Export in die USA ermöglichte und so zum Wachstum von Forestadent erheblich beitrug.
Als der Verkauf von Uhrenwerken immer schwieriger wurde, entschieden Gerhard Förster und sein Bruder Rolf Förster den Gang in die Kieferorthopädie zu wagen. Seit 1974 geht es für Forestadent in der Kieferorthopädie stetig und erfolgreich vorwärts. 1998 erfolgte dann schweren Herzens der rechtzeitige Ausstieg aus der Fertigung von Schmuckteilen wie Federringen und Karabinern.
Das Familienunternehmen ist auch in vierter Generation dem Standort Pforzheim treu geblieben und hat in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Über 20 Millionen Euro sind in Neu- und Umbau sowie die technische Modernisierung des Fabrikareals zwischen der Westlichen und dem Messplatz geflossen. Das Traditionsunternehmen, das Förster viele Jahre als kaufmännischer Geschäftsführer leitete, beschäftigt heute weltweit 300 Mitarbeiter, davon 250 in Pforzheim.
Die Trauerfeier findet am Freitag, 13. Dezember, um 13 Uhr auf dem Hauptfriedhof Pforzheim statt.

