Bietigheim-Bissingen. Ein Bilderbuchsommer liegt hinter uns. Für Möbelhändler wie Frank Hofmeister ist das Traumwetter bis in den sonnigen Oktober hinein eher nicht so gut gewesen – denn die Leute gingen eher baden als Möbelkaufen. 30 Jahre ist der Chef mittlerweile im Bietigheimer Familienunternehmen tätig, das sein Urgroßvater Karl Hofmeister 1892 als Möbelschreinerei gründete.
Immerhin sei der Start des Hofmeister-Küchenfachmarkts in Pforzheim erfolgreich verlaufen. Der gelernte Kaufmann wurde quasi in das traditionsreiche Möbelhaus hineingeboren, das zu den 25 größten Einrichtungshäusern in Deutschland zählt. „Ich habe Spaß am Einrichten und Gestalten von Wohnwelten“, sagt Hofmeister. Der einst mittelständisch geprägte Möbelhandel ist seit Jahren im Umbruch. Hinter Marktführer Ikea und XXL Lutz suchen Familienunternehmen ihre Nische, wobei man Hofmeister im Stuttgarter Raum durchaus als Platzhirsch bezeichnen kann. Hofmeister hat mit insgesamt 120.000 Quadratmetern Verkaufsfläche die größte Wohnschau in Baden-Württemberg.
„Ikea ist die Marke schlechthin“, sagt Hofmeister mit Respekt für den schwedischen Marktführer. Von dessen Bekanntheitsgrad können die deutschen Möbelhändler nur träumen. Hofmeister setzt weiterhin auf Prospekte, Zeitungs- und Radiowerbung, aber auch auf Internet und Facebook. „Wir müssen alle Kanäle bespielen, um die Kunden zu erreichen“, weiß der schwäbische Unternehmer. Dabei habe man es im Speckgürtel um Stuttgart vielleicht etwas leichter als in anderen Regionen des Landes.
Auf den gewaltigen Konzentrationsprozess in der Möbelbranche reagiert Frank Hofmeister mit unternehmerischem Mut und Augenmaß. Ein großer Standort reicht nicht, um im Wettbewerb bestehen zu können. Man müsse mit mehreren starken Häusern vertreten sein. „Das ist wie mit den Burgen bei Game of Thrones.“ Im März 2016 hat Hofmeister das Ehinger Möbelhaus Borst mit rund 250 Mitarbeitern übernommen.
Aktuell werden in der Gruppe rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 152 Auszubildende. „Wir bilden in 14 Berufen aus“, ergänzt Hofmeister. Zum Gruppen-Umsatz von 200 Millionen Euro trägt auch die Gastronomie in den Einrichtungshäusern bei. „Da gehen täglich einige Schnitzel durch die Tür“, sagt Hofmeister.
Das Familienunternehmen, das Frank Hofmeister in der vierten Generation führt, feierte im vergangenen Jahr sein 125-jähriges Bestehen mit viel Prominenz und einer Spende von 74.100 Euro an die Stiftung „Hänsel + Gretel“ bei der Benefiz-Circusgala des Hofmeister Erlebnis-Wohnzentrums. Zusätzliche 62.500 Euro flossen an soziale Einrichtungen in der Region. Auch wenn 2018 die Umsätze wetterbedingt deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben, lebt man im Bietigheimer Familienunternehmen soziale Verantwortung. Sponsoring ist ihm wichtig. Das beschränkt sich nicht nur auf die Förderung des VfB Stuttgart, sondern umfasst die Unterstützung von 100 Vereinen und sozialen Einrichtungen.
Was für ihn Freiheit bedeutet? Hofmeister denkt kurz nach, er lächelt: „Freiheit heißt für mich arbeiten zu dürfen und gesund zu sein.“ Und Samstagnachmittags mit dem Mountainbike durch die Region zu fahren oder auch mal Erholung pur in einer einsamen Hütte in Südtirol. Auch die Nachfolge ist geregelt: mit David Döller und Carl Friedrich Hofmeister steht die fünfte Generation in den Startlöchern.
Neue Verkaufsflächen lassen sich im mittleren Neckarraum kaum durchzusetzen, weiß Hofmeister mit Blick auf die restriktiven Vorgaben der Politik – gerade was die innenstadtrelevanten Sortimente angeht. Doch beim Straßenbau sieht er dringenden Handlungsbedarf, um die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern. „Wenn unsere Lkw nach 6.15 Uhr losfahren, stehen sie im Stau.“ Für das Diesel-Fahrverbot in Stuttgart hat er kein Verständnis.

