Königsbach-Stein. Eine sportliche Karriere beim Pforzheimer Boxring Blau-Weiß, wo er nach der Arbeit trainierte, blieb ihm verwehrt. „Meine Frau hat schon damals viel zu gut gekocht“, erinnert sich Ingo Müller an seine Anfangszeit in der Goldstadt. 1954 kamen die Müllers aus Berlin nach Pforzheim.
Zielstrebig gründete er im Jahr 1973 die Firma IMO Ingo Müller Oberflächentechnik – obwohl es damals in fast jedem Hausflur eine kleine Galvanik für die Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie gab. Aktuell 460 Mitarbeiter verdanken ihm ihren Arbeitsplatz bei IMO in Königsbach-Stein.
Vom ersten Tag an war seine Frau Christel im Unternehmen tätig und ihm stets eine große Unterstützung. Heute feiert der Unternehmer seinen 80. Geburtstag. In Berlin begann Ingo Müller nach der mittleren Reife seine Ausbildung zum Galvaniseur beim Werk für Rundfunk- und Fernmeldetechnik. Seine berufliche Laufbahn in der Goldstadt begann er als Galvaniseur bei der Firma Fischer und Windbiel, bis er 1959 die Leitung der Lohngalvanik E. Jösel in Enzberg übernahm. Parallel besuchte der Jubilar die Abendschule für Oberflächentechnik und legte 1964 sein Staatsexamen als Galvanotechniker mit Auszeichnung ab. Im selben Jahr bestand er auch die Meisterprüfung als Galvaniseur und Metallschleifer. Bis zu seiner Selbstständigkeit arbeitete er bei der Firma Doduco in Pforzheim als Betriebsleiter in der Oberflächenbearbeitung.
1974 erwarb Müller in Königsbach an der Durlacher Straße die alte Ölmühle. Das Gebäude wurde nach und nach mehrfach erweitert. Bereits 1975 stellt IMO als erstes deutsches Unternehmen sein Können im Bereich der galvanischen Beschichtung von Voll- und Stanzbändern unter Beweis. In Eigenregie entwickelte der Unternehmer die erste Tauchtiefen-Anlage, mit welcher gegurtete Stifte am Band beschichtet werden konnten. „Dies war der Beginn eines neuen Zeitalters in der Kontaktveredelung“, schrieb die Fachzeitschrift Galvanotechnik vor einigen Jahren.
Ein gravierender Einschnitt in der Erfolgsgeschichte war 1999 der Großbrand des Unternehmens im Herzen Königsbachs – durch Brandstiftung. Nur eine einzige verrauchte Galvanikanlage konnte aus dem zerstörten Gebäude gerettet werden. Doch Müller machte sich unverzagt am neuen Standort im Gewerbegebiet Allmendwiesen an den Wiederaufbau – nach dem alten Leitspruch: „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“ von Box-Weltmeister Max Schmeling.
Das Unternehmen wuchs kontinuierlich. 1985 wurde zusammen mit Sohn Bernd Müller die MSP Müller Spot Plating GmbH gegründet, welche sich auf die punktuelle Veredelung und auf zukunftsweisende Technologien spezialisierte. Im Jahr 2005 übernahm Bernd Müller als alleiniger Inhaber die IMO. Zwischenzeitlich sind auch seine beiden Söhne Armin und Kay Müller mit in der Geschäftsleitung tätig.
Hohes Umweltbewusstsein
Über die Jahre hat IMO durch moderne Technologien und einhohes Qualitäts- und Umweltbewusstsein eine weltweit führende Position in der Oberflächentechnik erreicht und ist auf die Beschichtung von Präzisionsteilen für die Automobilindustrie, Elektrotechnik, Telekommunikation und Medizintechnik spezialisiert. Auch Zukunftsbranchen wie das Internet der Dinge (IoT), autonomes Fahren und E-Mobilität werden heute beliefert.
Dem Königsbacher Familienunternehmen steht Ingo Müller mit seiner langjährigen Erfahrung und seinem fundierten Wissen heute noch als Berater zur Verfügung.


