Kräftig zupacken durften gestern Wirtschaftsförderer Reiner Müller, Oberbürgermeister Peter Boch und Geschäftsführer Georg Steiner (von links) beim Rundgang durch die Fertigung von Heimerle+Meule. Foto: Ketterl
Wirtschaft
Gold- und Silberscheideanstalt Heimerle+Meule erweitert am Standort
  • Lothar H. Neff

Pforzheim. Auch körperlich gefordert wurde Oberbürgermeister Peter Boch beim Besuch der traditionsreichen Pforzheimer Scheideanstalt Heimerle+Meule im Brötzinger Tal. Zwar durfte das Stadtoberhaupt aus Gründen der Arbeitssicherheit nicht als Gießer an den Schmelzofen, doch anfassen durfte er die fertigen Drahtrollen und Rohre aus Gold, Silber und Kupfer, die an Kunden in aller Welt gehen, wie Geschäftsführer Georg Steiner beim Rundgang durch die Fertigung erläuterte.

Dabei konnte OB Boch reichlich edelmetallhaltige Luft schnuppern. Die Heimerle+Meule GmbH ist mit über 170-jähriger Erfahrung Spezialist für Edelmetall-Recycling, Edelmetall-Handel und galvanische Oberflächenbeschichtung. Zudem entwickelt und produziert das Unternehmen Edelmetall-Halbzeuge für die Schmuckbranche und die Industrie. Aktuell beschäftigt die älteste noch bestehende deutsche Scheideanstalt (gegründet 1845) am Standort Pforzheim rund 280 Mitarbeiter.

Über die Hälfte des verarbeiteten Silbers geht in Industrieanwendungen mit stabilem Absatz wie Elektrotechnik/Elektronik, Verbindungstechnik, Fotovoltaik und Chemie, aber auch in die Autoindustrie. Etwa 20 Prozent des Umsatzes macht Heimerle+Meule mit der Schmuckindustrie, dazu gehört auch die CNC-Fertigung von Trauringen im Kundenauftrag. Seit 1960 ist der Lübecker Possehl-Konzern mehrheitlich am Unternehmen beteiligt, der weltweit rund 12.500 Mitarbeiter zählt.

Die Possehl-Gruppe hat mehr als 160 Tochtergesellschaften in 30 Ländern (darunter neben Heimerle+Meule auch und die Firma Possehl Electronics in Niefern – früher pretema). Mit der Übernahme der ehemaligen Cookson Precious Metals-Gruppe entstand 2013 die Heimerle+Meule Group, die als einer der größten europäischen Edelmetallverarbeiter heute über 950 Mitarbeiter an Standorten in sieben Ländern zählt.

Man fühle sich am Standort Pforzheim wohl, betonte Steiner, der sich im Unternehmen vom Metallwerker zum Geschäftsführer hochgearbeitet hat. „Die gewachsene Struktur der Goldstadt ist eine Schatzkammer.“

Nicht ganz so glücklich ist man jedoch beim von langer Hand geplanten Projekt Erweiterung des Produktionsgebäudes am Stammsitz, wo ein Stockwerk aufgestockt werden soll. Die Genehmigung durch das Baurechtsamt habe sehr lange Zeit in Anspruch genommen, sagte Steiner gestern dem Oberbürgermeister. Neben kleinlichen bürokratischen Vorgaben was die Größe der Parkplätze angehe, gebe es im Rathaus wohl auch einen personellen Engpass. Für die Ansiedlung von Unternehmen und die notwendige Erweiterung bestehender Betriebe keine gute Ausgangslage, so der Geschäftsführer, der mit Blick auf die Gewerbeflächen-Diskussion um Klapfenhardt auf den Bedarf der heimischen Wirtschaft nach Industrieflächen hinwies. Der OB hörte dies mit Interesse.