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Zulieferer Leonie will seine Kabelsparte verkaufen.  Foto: dpa 

Große Autozulieferer wie Mahle aus der Region stecken in tiefer Krise

Eine mobile Branche geht am Stock: Abbau von Arbeitszeitkonten, Personalreduzierung, Standortverlagerung – sogar Werksschließungen – die Autozulieferer in Deutschland diskutieren landauf landab, wie sie sich am sinnvollsten gegen die Branchenflaute wappnen. Die Firmenchefs gehen längst nicht mehr von einer vorübergehenden Konjunkturdelle aus. Denn die Automobilindustrie – und damit die Zulieferer – hat mit der möglichen Abkehr vom Verbrennungsmotor sowie Marktproblemen in China, Indien und den USA eine saftige Strukturkrise ereilt. Wenn sich die Branche vom 10. September an zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt trifft, dürfte sich dort vor allem nachdenkliche Gesichter zeigen.

Bosch: Der Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung, Volkmar Denner, hat es der „Süddeutschen Zeitung“ jüngst vorgerechnet: Der Zulieferer setzt für das Einspritzsystem eines Dieselmotors zehn Mitarbeiter ein. Bei einem Benziner sind drei Bosch-Beschäftigte beteiligt, bei einem Elektrofahrzeug einer. Stellenkürzungen seien praktisch unausweichlich. 50.000 Arbeitsplätze, davon allein 15.000 in Deutschland, hängen vom Diesel ab. Allerdings ist der größte Autozulieferer der Welt auch noch in anderen Sparten aktiv, etwa im Maschinenbau.

Continental: Der Hannoveraner Traditionshersteller hat große Probleme, die Spur zu halten. „Derzeit ist das Marktumfeld sehr herausfordernd“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart zuletzt, er sprach von einem tiefgreifenden, sich dramatisch beschleunigenden und „teilweise disruptiven“ Wandel in der Branche. Es brauche nun „Kostendisziplin“ – was für Conti auch heißen dürfte: Stellen streichen. Wie viele der fast 245.000 Conti-Mitarbeiter es treffen werde, sei Gegenstand von Diskussionen mit der Gewerkschaft. Das Reifengeschäft ist für Continental weiter ein fester Ertragspfeiler.

ZF: Der Hersteller unter anderem von Getrieben aus Friedrichshafen ist breit aufgestellt – spürt aber dennoch den Gegenwind der Branche. Der ZF-Vorstand nahm seine noch im April geäußerte Umsatzerwartung um eine satte Milliarde Euro zurück – auf 36 bis 37 Milliarden Euro. In China reagierte ZF bereits mit Entlassungen. In Deutschland soll es dazu nicht kommen – es würden ausgleichende Maßnahmen wie etwa Gleitzeit reichen, heißt es von ZF.

Mahle: Auch bei den 79.000 Mitarbeitern von Mahle geht die Angst um. Der Betriebsrat des Stuttgarter Unternehmens hat ein Strategiepapier vorgelegt, das zu einem Entlassungsstopp bis 2025 führen soll. Die Geschäftsleitung hatte zuvor den Abbau von 380 der 4300 Stellen in Stuttgart und die Schließung eines Werks in Öhringen angekündigt. Mahle hat bisher vor allem mit Filtern und Kolben Geschäfte gemacht. Inzwischen versuchen die Stuttgarter, den Hebel herumzureißen und stärker auf Elektromobilität zu setzen – auch bei Fahrrädern.

Schäffler: Der größte fränkische Auto-Zulieferer aus Herzogenaurach sieht bisher noch keine Notwendigkeit für drastische Maßnahmen, will aber dennoch kürzer treten. So sollen etwa nach Brückentagen in der zweiten Jahreshälfte die Bänder still stehen. Im März hatte das Unternehmen bereits einen Abbau von 700 Stellen in Deutschland und 200 im europäischen Ausland bekanntgegeben sowie vier Standorte auf den Prüfstand gestellt.

Brose: Das Coburger Familienunternehmen musste ebenfalls Federn lassen und will mit „Kapazitätsanpassungen“ reagieren. Man habe ein Programm zur Kostensenkung gestartet. Im ersten Quartal 2019 lagen die Umsätze um fünf Prozent unter dem Vorjahr. Langfristig sieht Brose allerdings in den neuen Mobilitätstrends mehr Chancen als Risiken und will in neue Technologien kräftig investieren.

Leonie: Der im SDax notierte Nürnberger Zulieferer ist wohl einer der bisher am stärksten Betroffenen der Branche in Deutschland. Firmenchef Aldo Kamper musste sich zuletzt schon gegen Untergangsszenarien wehren. Der Kabel- und Bordnetzexperte steckt tief in den roten Zahlen. Im ersten Halbjahr liefen unter dem Strich 176 Millionen Euro Verlust auf.