760_0900_129751_Gruender.jpg
Haben ihre Gründung nicht bereut (von links): Kim Schucker und Janis Wiskandt.  Foto: Warzecha 

Im Nordschwarzwald ist Bereitschaft zur Gründung überdurchschnittlich

Pforzheim. „Heutzutage geht der Trend dahin, dass junge Menschen ihren eigenen Weg suchen und nicht das angestammte Unternehmen der Eltern übernehmen. Auf der SUP-Sparkassen-Unternehmensplattform versuchen wir, Käufer und Verkäufer zusammenbringen, weil man nicht immer den Käufer um die Ecke findet“, sagte der stellvertretende Sparkassendirektor Hans Neuweiler beim Gründertag der Gründungsallianz, bestehend aus Handwerkskammer Karlsruhe, IHK Nordschwarzwald und Sparkasse Pforzheim Calw 2021 in den Räumlichkeiten der Gold.Geld.Gesellschaft-Dauerausstellung im TurmQuartier.

Entgegen dem Trend, der laut der KFW-Bank zwölf Prozent weniger Gründungen im Jahr 2020 – teilweise wegen Corona – ausmache, habe es erneut mehr Gründungen in Pforzheim-Enzkreis-Calw gegeben. 100 Gründungen seien es im Schnitt die letzten drei oder vier Jahre gewesen. Diese ermöglichten in etwa 340 Arbeitsplätze pro Jahr. „Dieser positive Trend geht in 2021 hier bei uns weiter. Im ersten Halbjahr hatten wir 69 Neugründungen im Volumen von 12,6 Millionen Euro und im Vorjahr 51 im Volumen von 8,5 Millionen Euro. 50 Prozent sind Übernahme von bestehenden Betrieben“, stellte Neuweiler fest.

„Wir haben viele Anfragen auch in der Einstiegsberatung im Gründersprechtag der IHK. Trotz Corona sind die Menschen immer noch motiviert, zu gründen und neue Wege zu gehen“, sagten Rebekka Sanktjohanser und Anja Maisch von der IHK Gründungsberatung.

Mit 22 Jahren Geschäftsführer

Beispielhaft für den Trend zu Firmenübernahmen gewährte Janis Wiskandt den rund 30 Teilnehmenden des Gründertags Einblicke in seine Karriere. So hatte er bereits mit 22 Jahren die Geschäftsführung der Firma seines Vaters, der Bäckerei Wiskandt GmbH & Co. KG, übernommen und mit 25 Jahren die Firma des Vaters gekauft. Im heimischen Betrieb hatte er die Ausbildung zum Bäckergesellen gemacht, auswärtig den Meister draufgesetzt und BWL studiert. Weil sein Geschäft sich auch auf Gastronomie, Catering und Veranstaltungen erstreckt, hatte das Geschäft durch Corona einen sehr starken Einbruch erlitten. Er betonte, dass dies eine Phase gewesen sei, in der er auch umdenken müsste – unabhängig von Eltern oder Partnern, die ihn sonst sehr unterstützen. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist sehr wichtig“, empfahl er den Gründerinnen und Gründern. Momentan zieht er eine Bio-Schiene auf. Damit möchte er seiner Kundschaft künftig aufgrund von Corona verpackte Ware, zum Beispiel frisch verpacktes Müsli oder eine Brotbackmischung „Made in Pforzheim“ anbieten und damit ein Zeichen zugunsten des lokalen Handwerks setzen. Gründerin Kim Schucker hat die Marke Cheeky Chain entwickelt, die Brillen- und Maskenketten umfasst. Die Corona-Zeit habe sie und ihre rund sechs festen Mitarbeiter dann dazu animiert, ein 2-in-1-Produkt zu entwickeln. So kann die Maskenkette auch nach einer Zeit, in der möglicherweise keine Masken mehr getragen werden müssen als Brillenkette verwendet werden. Das Geschäft läuft gut. Die Firma KLS Trading GmbH sitzt in Keltern.

Auch Jutta Zeisset, Inhaberin des MuseumsCafé & Hofladen Zeisset, der Golden Ei Gallery und Mitglied im Expertenteam Facebook Deutschland sowie Unternehmerin des Jahres 2014, regte die Teilnehmer an, immer zu überlegen, wer die mögliche Zielgruppe sein könnte. Wer nun bereit sei, selbst zu gründen, könne in Pforzheim auf ein Netzwerk mit Markus Schwarz und Kenan Hörsch von der Sparkasse Pforzheim Calw, der IHK Nordschwarzwald sowie der Handwerkskammer Karlsruhe zurückgreifen.