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Hat große Pläne: Stefan Bogenrieder, Geschäftsführer des Campus Schwarzwald. Foto: Löffler
Hat große Pläne: Stefan Bogenrieder, Geschäftsführer des Campus Schwarzwald. Foto: Löffler
13.10.2017

Im Nordschwarzwald soll ein Silicon Valley entstehen

Freudenstadt. IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler formulierte im vergangenen Jahr die Vision für das Projekt „Campus Schwarzwald“ mit den Worten: „Das Silicon Valley des Nordschwarzwaldes“. Angestoßen wurde es von Firmen wie Schmalz (Glatten) und Homag (Schopfloch). Beide international agierende Unternehmen sind mit ihrem Hauptsitz im südlichen Teil des Nordschwarzwaldes ansässig. Und dorthin wollen sie auch begehrte Fachkräfte locken, unter anderem mit einem fachspezifischen Studienangebot.

Zu Beginn übernahm die IHK kommissarisch die Geschäfte des Projekts. Seit diesem August ist sie diese Bürde los. Denn mit Stefan Bogenrieder ist nicht nur der neue, sondern der erste hauptamtliche Geschäftsführer für die gemeinnützige Gesellschaft tätig, die offiziell unter diesem Namensungetüm firmiert: „Campus Schwarzwald – Centrum für Digitalisierung, Führung und Nachhaltigkeit Schwarzwald gGmbH“. Noch hat Bogenrieder vorübergehend ein Büro im IHK-Haus Freudenstadt. Geplant ist, dass in der Großen Kreisstadt in der Nähe des Hauptbahnhofes auf einem Areal unter anderem ein Lehrbetrieb mit Labors und Seminarräumen sowie Büros entstehen sollen. Kooperationspartner ist die Universität Stuttgart.

Was sind die Ziele des Campus Schwarzwald?

„Es gibt vier Schwerpunkte“, sagt Bogenrieder im PZ-Gespräch. Erstens sei dies die universitäre Lehre im Masterstudium Maschinenbau und Technologiemanagement der Uni Stuttgart. Zweitens komme die unternehmensnahe Forschung am Standort Freudenstadt hinzu. Drittens die berufliche Weiterbildung für die Firmen der Region. Und schließlich als vierter Schwerpunkt ein Technologiezentrum mit der Infrastruktur für Ausgründungen und Start-Ups.

„Inhaltlich bewegen wir uns innerhalb der Themenfelder Digitalisierung im Maschinenbau und in der Produktion, außerdem Führung und Management sowie Nachhaltigkeit produzierender Unternehmen“, so Bogenrieder. Damit erhalte der Campus eine zukunftsorientierte Ausrichtung. Ein großes Ziel des Geschäftsführers ist: „Der Campus soll sich als herausragender Lehr- und Forschungsstandort für anwendungsorientierte Digitalisierungsthemen der mittelständischen Industrie etablieren.“

Wie erfolgt die Finanzierung?

Der Lehrbetrieb des Campus werde durch die Unternehmen der Region finanziert. Dazu gehöre beispielsweise eine Stiftungsprofessur und weitere Stellen sowie die Ausstattung des Labors. Das geplante Gebäude werde von der Stadt sowie dem Landkreis Freudenstadt zur Verfügung gestellt. Die Sparkasse Freudenstadt ist Investor des Immobilienprojekts.

Wie viele Unternehmen unterstützen das Projekt?

Derzeit werde es von 13 Firmen aus dem Schwarzwald getragen, darunter neben Namen wie Schmalz und Homag auch Fischer und Arburg, Koch-Pac Systeme, Leuco und L’Orange sowie Hansgrohe – um nur einige zu nennen. Bis Ende 2018 plant der Geschäftsführer eine Kooperationsgemeinschaft mit etwa 20 Unternehmen.

Worin sieht der Geschäftsführer die Schwerpunkte seiner Tätigkeit?

Eine wesentliche Aufgabe sei es, den Aufbau des Campus organisatorisch und inhaltlich voranzubringen. Dazu gehöre beispielsweise an den Inhalten des Lehrangebots zu arbeiten, das Etablieren einer Stiftungsprofessur, den eigentlichen Bau und Umbau in Freudenstadt zu betreuen sowie die Erstellung eines Marketingkonzeptes, um Studierende anzusprechen und die Attraktivität des Campus Schwarzwald darzustellen. Eine wichtige Aufgabe sieht Bogenrieder in der Beschaffung von zusätzlichen Mitteln aus Förder- und Forschungsgeld-Töpfen.

Mit welcher Studierendenzahl kalkuliert der Campus?

„Wir streben ein schrittweises und gesundes Wachstum an und rechnen mittel- und langfristig mit bis zu 150 Studierenden und 20 Angestellten“, sagt Bogenrieder. Das Studienangebot sei Teil des Masterstudiums Maschinenbau der Universität Stuttgart. Die Studierenden könnten somit auch dort Angebote wahrnehmen. Im vergangenen Monat konnten bereits mehr als 80 Studierende erste Lehrangebote bei den Unternehmen absolvieren „und auch das erste Vorlesungsmodul war sehr gut besucht“, sagt Bogenrieder.Da es noch keine Campus-Gebäude in Freudenstadt gibt, müssen die Veranstaltungen an Ersatz-Vorlesungsorten beziehungsweise an der Uni Stuttgart stattfinden.

Wie sieht die Planung der Professuren aus?

Passend zu den Themen des Campus seien zwei Stiftungsprofessuren geplant. Bogenrieder: „Die Professoren sind Angestellte der Universität Stuttgart, haben aber ihren Dienst- und Arbeitsschwerpunkt in Freudenstadt.“

Welchen fachlichen Hintergrund hat der Geschäftsführer?

In Spaichingen geboren und in Rottweil aufgewachsen fühlt sich der heute 50-Jährige als Schwarzwälder. Vor sechs Jahren zog er mit der Familie nach Herrenberg. Bogenrieder schloss an der Uni Stuttgart ein Maschinenbau-Studium als Diplom-Ingenieur ab. An der Freien Universität Berlin eignete er sich zudem Kenntnisse als Business Coach für Organisation und Management an. Vor seiner jetzigen Tätigkeit war er bei namhaften Unternehmen wie Bertrand und IBM tätig. Knapp ein Jahr lang arbeitete Bogenrieder im Silicon Valley der USA.