Im Jahr 2009 verschwand der Quelle-Versand vom Markt, 2011 folgte Neckermann. Der Pforzheimer Bader-Versand konnte seine Marktanteile deutlich steigern. Doch die Anforderungen der Kunden steigen – gerade was die Lieferzeiten angeht –und die Lagerlogistik im Brötzinger Tal stieß technisch und räumlich an ihre Grenzen. Externe Lager mussten über Jahre hinweg teuer angemietet werden. Mitte 2018 wird der Betrieb im mittlerweile 43 Jahre alten Versandzentrum eingestellt werden.
In Östringen verfügt man über rund 775 000 Lagerplätze – doppelt so viele wie in der Goldstadt – mit der Warenein/-ausgabe an 42 Lkw-Laderampen werde der Versandbetrieb optimiert. „Bei Finanzierungskosten nahe Null wird sich unsere Investition in rund zwölf Jahren amortisieren“, ist Klaus Bader überzeugt. Die Rede ist von 140 Millionen Euro. Durch modernste Sortiertechnik werde jedoch eine deutliche Ersparnis erzielt, die „das gute Preis-Leistungs-Verhältnis von Bader nochmals erhöht“. Man spare nicht bei den Löhnen, sondern investiere in die Organisation, um auch künftig sichere Arbeitsplätze bieten zu können. „Das hätten wir gerne in Pforzheim getan“, betont Klaus Bader.
Zunächst wollte BADER nämlich im Brötzinger Tal erweitern. Leider hatte die Deutsche Bahn das benachbarte Gelände an einen Investor aus Leipzig verkauft, obwohl BADER zuletzt für das Grundstück mehr geboten habe. Enttäuscht ist der Unternehmer, dass der damalige Baubürgermeister Alexander Uhlig nicht von dem gesetzlichen Vorkaufsrecht der Stadt Gebrauch machte – angeblich wegen „mangelndem öffentlichen Interesse“.
Im Jahr 1929 gegründet
Mit dem Zentrallager des 1929 von Bruno Bader in der Goldstadt gegründeten Familienunternehmens kommen über 400 Jobs nach Östringen. Rund 250 Mitarbeiter sollen von Pforzheim aus zu ihrem neuen Arbeitsplatz pendeln. Mehrere Shuttle-Busse übernehmen täglich den Transport. Einige ältere Beschäftigte aus dem Brötzinger Tal, wo das Durchschnittsalter der Bader-Mitarbeiter bei 56 Jahren liege, werden den Umzug nicht mitmachen. Auch der Standort im Brötzinger Tal selbst sei „in die Jahre gekommen“, sagt Bader. Bis zum kompletten Bezug des neuen Versandzentrums werde rund ein Drittel dieser Beschäftigten in den Ruhestand gegangen sein.
Wo wären andere Standorte in Pforzheim gewesen? Zum Beispiel im Gewerbegebiet Buchbusch an der Autobahnzufahrt Pforzheim-Nord, wo seit 2012 auch Amazon ansässig ist. Allerdings gab es dafür keine Chance. Auf Befragung zur damaligen Ansiedlung von Amazon sagte Klaus Bader in der PZ: „Es ist völlig unverständlich, warum die Stadt Pforzheim mit dem Gewerbesteueraufkommen der hiesigen Versender die Ansiedlung von Amazon subventioniert.“
Die von der Stadt angebotenen Grundstücke waren für einen zukunftsfähigen Neubau eines Logistikzentrums schlichtweg zu klein und zu teuer. Im Brötzinger Tal hatte Bader 5,3 Hektar Grundstücksfläche zur Verfügung – das angebotene Grundstück bot gerade mal 4,9 Hektar. Ausgerechnet an der Zufahrt zu diesem Grundstück (das damals noch der Firma C. Hafner gehörte, die inzwischen nach Wimsheim abgewandert ist) wurde eine Parzelle an eine Tankstelle verkauft. Zum anderen habe es Probleme mit der Bauhöhe des neuen Versandzentrums gegeben. Die vorgesehenen 36 Meter für das Hochregallager hätten den Genehmigungsrahmen von 20 Metern deutlich überschritten, erinnert sich Bader.
Keine Alternativen
Blieb nur noch der Enzkreis: Niefern-Öschelbronn, das Areal unterhalb der Autobahnraststätte, war im Gespräch. Es hätte den Anforderungen des Versenders genügt. Woran also scheiterte dieser Plan? „Am Widerstand Pforzheims,“ so Bader. Die Stadt habe nördlich der Bundesstraße 10 zwei von fünf Brunnenrechten. Sie erhob Einspruch gegen eine gewerbliche Nutzung – mit Verweis auf eben diese Brunnenrechte. In Östringen konnte 2015 ein Grundstück mit freiem Bebauungsplan aus dem Jahr 1969 und 120 000 Quadratmetern erworben werden. „Das Familienunternehmen ist durch das neue Logistikzentrum zukunftsträchtig und leistungsstark aufgestellt“, sind die Geschäftsführer Klaus und Colin Bader überzeugt.


